Ehemaliges Graffiti in Altdorf wird umgebaut

11.1.2013, 14:51 Uhr
Diese Zeiten sind endgültig vorbei: Thekengespräche der Wirtsleute Bernd und Eva Heinlein mit Kabarettisten, die im Graffiti auftraten, hier mit Sigi Zimmerschied 1995. Seit Monaten ist die Kinokneipe geschlossen.

Diese Zeiten sind endgültig vorbei: Thekengespräche der Wirtsleute Bernd und Eva Heinlein mit Kabarettisten, die im Graffiti auftraten, hier mit Sigi Zimmerschied 1995. Seit Monaten ist die Kinokneipe geschlossen. © Der Bote

Ein Rückblick und ein Ausblick: Bernd und Eva Heinlein blutet das Herz, wenn sie sehen, was aus ihrem Graffiti geworden ist. Seit Monaten ist die ehemalige Kino-Kneipe geschlossen – und wird so, wie sie über Jahrzehnte als Institution in Altdorf existierte auch nicht mehr öffnen.

Treffpunkt für Jung und Alt

Als das Ehepaar Heinlein 1981 als Wirts-Paar einstieg, hatte es bereits Pläne, was man alles in der Kneipe anbieten könnte: Musik, Theater, regelmäßige Veranstaltungen. Für Altdorf war das Graffiti dann über viele Jahre der Treffpunkt für junge und jung gebliebene Leute. Heinleins kleines Kino überraschte immer wieder mit interessanten Streifen, die in den großen Kommerzkinos nicht liefen, wofür das Ehepaar insgesamt 17 Mal von der Filmförderungsanstalt (FFA) ausgezeichnet wurde.

Im Biergarten traf sich die Polit-Prominenz, wenn die Stadt zum Kirchweihfrühschoppen einlud, und Franz Müntefering kam als SPD-Schlachtross ins Grafitti-Kino, um Rainer Pohl bei seinem damaligen Bürgermeisterwahlkampf zu unterstützen. Die Wespen, Altdorfs legendäre Theatertruppe, wurden vom Publikum im Kinosaal immer wieder gefeiert. Und immer wieder gab es kulturelle Veranstaltungen, die die Wirte zusammen mit dem Kulturkreis der Stadt Altdorf organisierten.

Tradition hatte die Riesen-Party zum alljährlichen Kindertag, die Altdorfer Eltern zusammen mit ihrem Nachwuchs besuchten. Für die Gewinner von Spielen stellten örtliche Geschäftsleute immer schöne Preise zur Verfügung. 2010 setzten sich die Heinleins dann zur Ruhe und übergaben den Stab an ihren ehemaligen Mitarbeiter Meino Zitting. Dessen Hoffnung, an die Erfolge der 80er und 90er Jahre anknüpfen zu können, erfüllten sich freilich nicht. Allerdings konnte der neue Kino-Betreiber wie seine Vorgänger auch noch einmal den Preis für bestes Klein-Kino in München entgegen nehmen.

Immer weniger Kinogänger

Weil die Kino-Besucher wegblieben, was bereits Eva und Bernd Heinlein mit großem Bedauern registrieren mussten, entschloss sich Zitting dann jedoch, das Kino aufzugeben. Der Versuch von engagierten Altdorfern, ihr Grafitti-Kino mit Gründung eines Vereins doch noch zu retten, scheiterte dann wegen divergierender Interessen. Als die Wirtschaft mit dem Wirt Zitting nicht mehr so gut wie in den Jahren zuvor lief, trennte sich Tucher als Vertragsbrauerei vom Pächter und legte die Gaststätte erst einmal still.

Jetzt steht ein neues Konzept für das Lokal: In diesem Frühjahr will man mit einem rund 300.000 Euro teuren Umbau beginnen, so Tucher-Geschäftsführer Fred Höfler. Neuer Pächter ist Samo Doric, der in der Metropolregion bereits vier mexikanische Restaurants betreibt: in Nürnberg, Fürth, Erlangen und Herzogenaurach. Das kulinarische Angebot konzentriert sich auf mexikanische und amerikanische Speisen.

„Das normale Kneipengeschäft wird immer schwieriger“, so Tucher-Geschäftsführer Höfler dazu. „Dem wollen wir mit dem neuen Konzept begegnen.“ Für Tucher hat der angehende Wirt des ehemaligen Grafitti bewiesen, dass man mit mexikanischen Restaurants in der Region Erfolg haben kann. „Das spricht in erster Linie junge Leute an“, sagt Höfler.

Ehemaliger Kinosaal in Gaststätte integriert

Für Doric wird eine große Küche eingebaut und der ehemalige Kinosaal in die Gaststätte integriert. Nicht aufgeben will man den großen Biergarten, der mit seinem alten Baumbestand im Sommer immer ein Anlaufpunkt in Altdorf war. In

den achtziger Jahren hatten die Heinleins einmal die Möglichkeit, die Immobilie zu kaufen. Damals stand der Notar-Termin schon fest, der Verkauf platzte aber. Bedauern sie das im Rückblick? „Ja“, sagt Bernd Heinlein. Vielleicht wäre es mit der Kino-Kneipe dann doch noch anders gelaufen, vielleicht gäbe es dann noch ein Graffiti in Altdorf. „Wir beobachten doch heute, dass die kleinen Kinos eine Renaissance erleben“, sagt der ehemalige Graffiti-Wirt.
 

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