20°

Freitag, 14.08.2020

|

"Islamschweinerei": Altdorfs Bürgermeister rudert zurück

Nach Beschimpfungen: Pöllot entschuldigt sich, Pegida will aufmarschieren - 28.10.2016 15:47 Uhr

Im vergangenen Jahr trafen im Zentrum Altdorfs Hunderte von Gegendemonstranten auf eine Gruppe von Pegida-Anhängern. Auch dieses Ereignis war jetzt Anlass für die evangelische Kirche, den Dialog mit einem hochrangigen Vertreter des Islam zu suchen. Jetzt hat sich Pegida in Altdorf erneut angekündigt.

© Alex Blinten


Nach einer Einladung zu einer Veranstaltung mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, am kommenden Montag in der Laurentiuskirche hatte Bürgermeister Johann Pöllot (CSU) beim evangelischen Dekan Jörg Breu angerufen und ihm auf dem Anrufbeantworter gesteckt, er sei entsetzt über "diese Islamschweinerei am Reformationstag". Zudem leitete er unkommentiert eine E-Mail mit islam- und kirchenkritischem Inhalt an das Dekanat weiter.

Die Aufregung darüber ist nicht nur in Altdorf groß - jetzt hat der Bürgermeister reagiert. In der ersten Aufregung sei ihm "blöderweise ein Wort entschlüpft, das ich sehr bedauere", sagte Pöllot am Freitag und meinte damit das Wort "Islamschweinerei". Grundsätzlich sei er dennoch gegen die Veranstaltung in diesem Rahmen, so der 64-Jährige: "Ich finde die Veranstaltung nicht gut am Reformationstag, nicht nach einem Festgottesdienst und nicht in der Kirche." Mit dieser Meinung stehe er in der Gemeinde auch nicht alleine da, sagte Pöllot, der seit 38 Jahren für die CSU im Stadtrat sitzt und seit 2014 dritter Bürgermeister ist.

Altdorfs dritter Bürgermeister, Dr. Johann-Peter Pöllot, auf der Facebook-Seite des CSU-Ortsverbands.

© Screenshot Facebook


Die Mail habe er "nur zur Kenntnis an das Dekanat weitergegeben". Der Verfasser kritisiert darin unter anderem Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, weil dieser die Kirche angeblich zunehmend dem Islam öffne. Er finde in dem Text "einige Dinge, die bedenkenswert sind", sagte Pöllot. Im Detail stimme er den Aussagen jedoch nicht zu.

Dekan Jörg Breu sagte, Pöllot habe sich inzwischen bei ihm entschuldigt und er habe die Entschuldigung angenommen. Nächste Woche wollten sie eine gemeinsame Erklärung zu dem Vorfall veröffentlichen, sagte Breu. "Ich hoffe, dass wir damit auf einen guten Weg kommen." Dennoch halte er eine Stellungnahme des ersten Bürgermeisters Erich Odörfer (CSU) für nötig. „Ich frage mich: Wie wollen wir hier in der Stadt in Zukunft miteinander umgehen und welche Kultur wollen wir dabei pflegen?“, sagte Breu. "Dabei habe ich nach den Vorkommnissen der letzten Tage schon noch offene Fragen."

Für Montag sei zudem inzwischen eine Demonstration des islamfeindlichen Pegida-Bündnisses in Altdorf angekündigt worden. "Genau das wollten wir nicht", so Breu. Die Veranstaltung der Kirche war auch eine Reaktion auf eine Pegida-Demo im vergangenen Jahr. Er hoffe, dass der Vortrag von Aiman Mazyek dennoch störungsfrei und friedlich verlaufe. Der Chef des Muslim-Zentralrats will nach der Abendandacht über ein "Miteinander" statt einem "Nebeneinander" der Religionen in Deutschland sprechen.

SPD-Politiker fordern Pöllots Rücktritt

Die SPD Altdorf fordert indes den Rücktritt Pöllots: "Jemand der sich derart herabwürdigend über den Islam äußert, hat nicht verstanden, dass Vielfalt, auch die religiöse Vielfalt, untrennbar mit unseren demokratischen Prinzipien verbunden sind", sagt die SPD-Vorsitzende Kerstin Pommereit. "Herr Pöllot verstößt mit seinen respektlosen Äußerungen gegen die Religionsfreiheit und damit auch gegen unsere demokratischen Grundwerte. Ich fordere Herrn Pöllot deswegen auf, von seinem Amt als Dritter Bürgermeister zurückzutreten und auch sein Stadtratsmandat niederzulegen“ schreibt Pommereit in einer Stellungnahme.

Auch Altdorfs SPD-Fraktionsvorsitzender Martin Tabor sieht sein Vertrauen in den Dritten Bürgermeister erschüttert: "Die Aussagen des Dritten Bürgermeisters Pöllot haben das Ansehen Altdorfs weit über die Stadtgrenzen hinaus nachhaltig beschädigt. Für viele Bürger und Stadträte sind seine Aussagen unerträglich, so dass eine weitere Zusammenarbeit mit Pöllot in seiner Funktion als Dritter Bürgermeister unmöglich erscheint."

acb / dpa

12

12 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Altdorf