Montag, 09.12.2019

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"Islamschweinerei" in Altdorf: SPD fordert Pöllots Rücktritt

Fraktion schäme sich für das, was Medien über Altdorf berichten - 30.10.2016 20:45 Uhr

Johann Pöllot (CSU, links) sorgte mit einer Beleidigung gegenüber Aiman Mayzek vom Zentralrat der Muslime für Aufruhr. © CSU Altdorf/dpa


Pöllot hatte seinem Ärger über die Einladung Mazyeks am Reformationstag in einem Anruf bei Dekan Breu Luft gemacht. Allerdings erreichte er den Dekan nicht persönlich, sondern sprach auf den Anrufbeantworter. Er wolle sein Missfallen und sein äußerstes Entsetzen über diese "Islamschweinerei" mitteilen, hinterließ er Breu auf dem Band. Das sei ein Mittel, alle konservativen Christen aus der Kirche zu drängen.

Entsetzt und schockiert ist jetzt auch die SPD in Altdorf: Jemand, der sich derart herabwürdigend über den Islam äußert, habe nicht verstanden, dass Vielfalt, auch die religiöse Vielfalt, untrennbar mit demokratischen Prinzipien verbunden sei, so Kerstin Pommereit, die Vorsitzende der Altdorfer SPD.

"Umstrittener Herr"

Pöllot verstoße mit seinen Äußerungen gegen Religionsfreiheit und demokratische Grundwerte. "Ich fordere Herrn Pöllot deswegen auf, von seinem Amt als Dritter Bürgermeister zurückzutreten und auch sein Stadtratsmandat niederzulegen." Der SPD-Fraktionsvorsitzende Martin Tabor sieht das Ansehen Altdorfs durch Pöllots Äußerungen schwer geschädigt: "Für viele Bürger und Stadträte sind seine Aussagen unerträglich, so dass eine weitere Zusammenarbeit mit Pöllot in seiner Funktion als Dritter Bürgermeister unmöglich erscheint."

Der so Gescholtene hat in einer Mail an den Dekan, die er wenige Stunden nach seinem Anruf bei Breu verfasste, kurz den Anlass für seinen Ärger erläutert: In einer Zeit, "in der Christen von Muslimen zu Hunderttausenden ermordet, vertrieben, vergewaltigt werden" sei es nicht Aufgabe der evangelischen Kirche, "den mehr als umstrittenen Herrn (Anm. d. Redaktion: gemeint ist Mazyek) in einen Festgottesdienst am höchsten Feiertag der Protestanten einzuladen." Nachdem Pöllots Äußerungen öffentlich bekannt waren, wurde auch der Bayerische Rundfunk auf das Thema aufmerksam.

Drehverbot im Saal ausgesprochen

Zu Beginn der jüngsten Stadtratssitzung erschien deshalb ein Kamerateam vor dem Sitzungssaal, um Pöllot zu interviewen. Der lehnte allerdings ab. Als die Redakteurin darum bat, im Saal drehen zu dürfen, befragte Bürgermeister Erich Odörfer die Stadträte, von denen eine Reihe gegen Fernsehaufnahmen im Sitzungssaal war.

Eine einzige ablehnende Stimme hätte bereits gereicht, ein Drehverbot im Saal auszusprechen. Das Team vom BR musste folglich unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Alex Blinten

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