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Krematorium am Altdorfer Waldfriedhof? CSU ist dagegen

Alle anderen Parteien des Stadtrates befürworten das Projekt - 28.10.2020 16:15 Uhr

Immer mehr Menschen ziehen die Urnen- einer klassischen Sargbestattung vor. Das geplante Krematorium am Altdorfer Waldfriedhof hat eine Kapazität von bis zu 9000 Menschen pro Jahr.

26.10.2020 © Christian Geist


In erster Linie stört sich die CSU an der Größenordnung des Krematoriums, das südwestlich des Waldfriedhofs gebaut werden soll. Das Unternehmen, das namentlich noch nicht bekannt ist, plant mit zwei Ofenlinien, die jährlich bis zu 9000 Verstorbene kremieren können.

Auf Grundlage dieser Zahl rechnete Werner Merkel (CSU) dem Stadtrat vor: Rund 134.000 Menschen sterben in Bayern jährlich. Wenn 9000 davon in Altdorf verbrannt werden, entspricht das etwa sieben Prozent. Hochgerechnet auf die Bevölkerung sei das geplante Krematorium zuständig für rund eine Million Einwohner. Oder anders ausgedrückt: ganz Mittelfranken.

Alle acht Minuten fahre werktags dann ein Leichenwagen von der Autobahn zum Waldfriedhof und zurück. "Ich mache mir schon Gedanken, welche Größenordnung das annimmt und ob wir der Bevölkerung das zumuten können", meinte Merkel und stellte die Frage in den Raum, was die Stadt überhaupt davon habe. Eine Schätzung der zu erwartenden Gewerbesteuereinnahmen sei das Mindeste, was er vor einer Entscheidung erwarte.

Auf Merkels Rechenbeispiel reagierte prompt Eckart Paetzold (Grüne) und sah einen Fehler im Ansatz. "Nimmt man die sieben Prozent an, dann hieße das, dass es nur 14 Krematorien in Bayern gäbe. Es sind aber wesentlich mehr. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass künftig alle Münchner ihre Todesfälle nach Altdorf fahren."

Zu groß, zu nah, zu wenig Einnahmen

Zur Größe der geplanten Anlage meinte CSU-Fraktionssprecher Thomas Kramer: "Ich hoffe nicht, dass wir in Altdorf nochmal die Pest erleben und 9000 Todesfälle im Jahr haben werden. Ganz Mittelfranken wird das Krematorium also sicher abdecken." Dass die Grünen das Projekt ausgerechnet an diesem Standort befürworten, griff er gerne auf: "Sonst muss jeder Baum gerettet werden, aber hier können 3800 Quadratmeter Wald weg. Da verkauft ihr für 30 Silberlinge die Grundlage eurer politischen Arbeit", schimpfte er.

Diese Einschätzung relativierte jedoch Stadtbauamts-Leiter Bernhard Dotzer. Rechtlich gesehen handele es sich bei dem Grundstück wohl um Wald, mindestens 40 Prozent der Bäume habe der Borkenkäfer jedoch massiv geschädigt. Sowohl die Naturschutzbehörde als auch das Forstamt hielten es deshalb für sinnvoller, den Wald zu roden und an anderer Stelle aufzuforsten.

Gegen den Standort am Waldfriedhof spricht laut Kramer noch die Nähe zur Wohnbebauung, die er auf 60 bis 80 Meter taxiert wissen wollte. "An der Neumarkter Straße haben wir über 300 Meter diskutiert und hier bauen wir den Leuten ein Krematorium vor die Terrasse", kritisierte er. Bezüglich der zu erwartenden Gewerbesteuereinnahmen ist Kramer skeptisch, sieht in dem Projekt lediglich eine einmalige Einnahmequelle durch den Verkauf des Grundstücks.

Es geht nicht nur um Geld

Der Kritik an der Größe des Einzugsgebiets hielt Christian Lamprecht (FDP) einen Vergleich entgegen: "Wenn alle Gasfedern, die Suspa produziert, nur von Altdorfern gekauft werden müssten, hätten wir auch ein Problem." Außerdem gehe es bei der Entscheidung um mehr als Einnahmen aus Gewerbesteuer und Grundstücksverkauf, meinte Lamprecht und berichtete von seiner Mutter, die in diesem Jahr verstarb und in Nürnberg eingeäschert wurde. "Für viele Altdorfer Familien wäre es eine Erleichterung, wenn sie diese Prozedur in Altdorf durchführen könnten. Meine Mutter hätte sich das gewünscht."

Gegen sechs Stimmen der CSU sprach sich der Stadtrat dafür aus, das Gebiet im Flächennutzungsplan als Sonderbaufläche für ein Krematorium zu kennzeichnen und einen Bebauungsplan zu erarbeiten.

Christian Geist

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