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Senioren-Tarif für Einzelfahrten: "Rentner sind keine Bittsteller"

Auf dem Land lohne sich keine Dauerkarte für den Nahverkehr - 22.02.2021 16:28 Uhr

Der Schwarzenbrucker Thomas Striegel ist seit 37 Jahren Busfahrer. Er erlebt – wie seine Kollegen – immer wieder, dass alte Leute nicht genügend Geld für den Fahrschein haben. Jetzt geht er an die Öffentlichkeit.

22.02.2021


Längere Zeit hat er die Linie 331 von Altdorf nach Röthenbach gefahren, nun fährt er mit der Linie 512 die Strecke Altdorf – Neumarkt. Er mag alte Leute. Was wohl auch damit zu tun hat, dass er über Jahrzehnte Senioren aus dem Nürnberger Land und der angrenzenden Oberpfalz durch Deutschland und halb Europa gefahren hat. Ausflugsfahrten der AWO waren das, Touren des VdK und unzähliger Vereine, meist mit einem überwiegend älteren Publikum.


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Thomas Striegel kennt seine Fahrgäste, er weiß, wo und wann sie einsteigen, weiß manchmal wo sie wohnen, wohin sie fahren, kennt oft Namen und hat auf seinen Fahrten schon viele Geschichten gehört, Lustiges, Tieftrauriges und täglichen Dorfklatsch. "Das ist der Unterschied zwischen uns Busfahrern auf dem Land und den Kollegen in der Stadt", sagt er, "da kennt keiner die Leute, die in den Bus steigen, da ist alles anonym."

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Auf dem Land aber, da ist das alles andere als anonym, wenn eine alte Frau einsteigt und Tränen in den Augen hat, weil ihr das Geld für den Fahrschein nicht reicht. "Das ist furchtbar", sagt der Busfahrer, "zu sehen, wie jemand versucht, seine letzten Cent zusammen zu kratzen und vor Scham im Boden versinken will, das hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen."

"Damit muss Schluss sein"

Striegel will das nicht mehr akzeptieren. "Damit muss Schluss sein", ist er sich mit Kollegen einig, die ähnliche Beobachtungen gemacht haben. Die Leute auf dem Land, da ist er sich sicher und bringt eine Reihe von Argumenten vor, sind gegenüber den Rentnern und Senioren in der Stadt benachteiligt. In der Stadt können die alten Leute Dauerkarten für die öffentlichen Verkehrsmittel kaufen und diese auch intensiv nutzen. Und auf dem Land? Da gibt es zwar auch Dauerkarten – Busse fahren hier aber nicht wie Stadtomnibusse, Straßenbahnen oder U-Bahnen im Minutentakt.

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Auf dem Land müssen die Menschen in Kauf nehmen, dass der Bus nur im Stundentakt oder Halbtagstakt verkehrt. Da lohnt keine Dauerkarte. "Die kann ich ja gar nicht ausnutzen, da zahle ich ja drauf", sagt Striegel. Viele seiner älteren Fahrgäste fahren ohnehin nicht täglich irgendwohin zum Arbeiten. "Die fahren einmal in der Woche zum Einkaufen oder zum Arzt, bevor der Bus zurückfährt schauen sie dann noch schnell am Grab ihrer Angehörigen vorbei." Was hält er von einem Nürnberger Land Pass für Bedürftige, der demnächst kommen soll und ähnlich funktioniert wie der Nürnberg Pass? Gut und schön sei das, sagt der Busfahrer, aber warum, bitte sehr, will man im Nürnberger Land etwas kompliziert machen, wenn es auch einfach geht?


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"Es müsste mir und meinen Kollegen einfach möglich sein, bedürftigen Rentnern bei Vorzeigen eines Rentenausweises einen Fahrschein zum halben Preis zu verkaufen", fordert er. Es gehe doch nur um Einzelkarten, warum soll dafür ein Sozialticket namens Nürnberger Land Pass erfunden werden? Das sei doch nur wieder mit jeder Menge Bürokratie verbunden und außerdem: Wenn jemand um zehn Euro über dem vom Kreistag festgelegten Satz liege, habe er keinen Anspruch mehr auf das Sozialticket. "Unsere Rentner sind aber keine sozialen Bittsteller", mahnt der Schwarzenbrucker.

Rentner sollen kostenlos fahren

Busfahrer Striegel hat ein Ziel: Irgendwann soll das Busfahren für alle Rentner kostenlos sein. Dafür hat er kürzlich eine Facebook Gruppe gegründet. "Freie Fahrt im Bus" heißt die und erfreut sich großen Interesses. Ihm ist auch klar, dass die freie Fahrt für Rentner so schnell nicht kommen wird. Er hofft aber, zumindest eine Diskussion in den Kreistagen in Lauf und in Neumarkt anstoßen zu können, für Rentner einen um 50 Prozent ermäßigten Fahrpreis bei Einzelfahrten einzurichten. "Hier geht es ja nicht um Millionenbeträge" gibt er den sicher auftretenden Kritikern zu bedenken.

Es geht nach seiner Überzeugung und der seiner Kollegen um eine überschaubare Zahl von alten Menschen, die ein- oder zweimal wöchentlich mit dem Bus zum Einkaufen oder zum Arzt fahren. Wie die alte Dame aus Altdorf, geh- und sehbehindert, die an einem bitterkalten Tag bei heftigem Schneefall auf der Linie 512 in Striegels Bus stieg und den Tränen nah war, weil sie nicht genügend Geld für die Fahrt in der Geldbörse hatte.


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Alex Blinten

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