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"Solidarisch, betroffen, enttäuscht": Breiter Widerstand gegen geplanten Sandabbau

Bürger zeigen bei Unterschriftenaktion starke Ablehnung - 26.04.2021 14:53 Uhr

Besser hätte es nicht laufen können am Samstagvormittag für den Bund Naturschutz (BN) und eigentlich alle Röthenbacher. Denn niemand in dem Altdorfer Ortsteil und den angrenzenden Siedlungen in Ludersheim und Winkelhaid ist begeistert von den Plänen, nordwestlich von Röthenbach und in unmittelbarer Nähe der Röthenbachklamm 35 Jahre lang Quarzsand abzubauen.

Wie berichtet wurde dort vor kurzem das Raumordnungsverfahren für das Projekt eingeleitet, woraufhin sich sofort reger Widerstand aus Gründen des Naturschutzes formierte. Vor allem die angrenzende Klamm sieht man bedroht. Vorgestern informierten Mitglieder des BN über das Vorhaben, gegen das man sich vehement wehrt, und sammelte Unterschriften für eine Sammeleinwendung bei der Regierung von Mittelfranken. Und die Bevölkerung kam in Scharen. Viele waren schon erstaunlich gut informiert, so dass in kürzester Zeit um die 100 Unterschriften gesammelt waren, die Gründung einer Bürgerinitiative stand kurz bevor. Auch Stadtratsmitglieder verschiedener Fraktionen unterstützten das Anliegen vor Ort.

Der BN hatte die Aktion am Markt bestens vorbereitet, die Pläne für den Tagebau, der von der Firma Bamberger Sand- und Kiesbaggerei, Geiselwind, betrieben werden soll, hingen aus, Argumente waren gesammelt, mehrere Stände mit Material aufgebaut, und Röthenbacher Kinder hatten kleine Protestplakate gemalt und an die Bäume gehängt. "Absolut schockiert" ist Sabine Bomeyer aus Röthenbach immer noch von der schlechten Nachricht. Seit sie in Röthenbach lebt, ist die Klamm ein Rückzugsgebiet für sie, mehrmals in der Woche sucht sie dort Ruhe und geht mit dem Hund spazieren. Daher reagiert sie mit "Trauer, Fassungslosigkeit und Wut", wie sie es dem Boten gegenüber ausdrückt.

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Mit den bereits bekannten Fakten hat sie sich intensiv beschäftigt und ist mehr als irritiert, dass der Abbau des in den Plänen als "Fläche C" gekennzeichneten Bereichs unmittelbar hinter der Röthenbachklamm beginnt. Sie fordert, dass man alle Alternativen ausschöpft, um dieses Naturschutzgebiet mit Biotop zu retten. Sehr optimistisch ist sie allerdings nicht: "Solche Vorhaben werden rigoros durchgesetzt, wenn Gewinn winkt."

"Pläne sollten eingestampft werden"

Ebenfalls aus Röthenbach sind Aaron Mühlendyck und Max Jacobsen, die mit ihren Familien zum Protestieren und Informieren nach Altdorf gekommen sind. "Die Pläne für dieses sehr sensible Naturgebiet sollten eingestampft werden", fordern sie unisono, zumindest sollte nicht in unmittelbarer Nähe Röthenbachs abgebaut werden. "Das Naturdenkmal wird sonst leiden", sind sie sicher und beziehen sich dabei auf das Abbauverfahren, das der Röthenbachklamm, die ohnehin schon unter Wassermangel leidet, noch mehr Feuchtigkeit entziehen wird. Sie verweisen darauf, dass die Umgebung dort schon durch andere Belastungen wie den Lärm der A6 und die Strommasten und das bestehende Industriegebiet zu leiden hat. Den Kindern werde ein wichtiger Freiheitsort genommen.

Die stimmen dem zu und präsentieren ihre selbst gemalten Plakate. Maja (10), Lina (9), Sarah (10), Silas (7) und Ole (7) berichten, dass sie oft in der Röthenbachklamm spielen und es sich nicht vorstellen können, dass das nicht mehr möglich sein soll. "Ich fühle mich dort wie zu Hause", bringt es eines der Mädchen auf den Punkt und hebt sein Plakat "Rettet den Wald" in die Höhe. Ein bisschen Hoffnung hat noch die Röthenbacher Familie Richter. Grund: die Bundestagswahlen im Herbst. Sie sehen die Politik, auch auf lokaler Ebene, am Zug. Sie vermissen eine klare Positionierung und hoffen, dass die anstehenden Wahlen dann auf höherer Ebene die Verantwortlichen zum Handeln zwingen: "Sonst wird mancher sein Kreuzchen woanders als bisher machen."

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Sie fordern mit Nachdruck, dass der Umweltschutz aktiv durchgesetzt wird. Ganz konkret wird auch die bayerische Regierungspartei angesprochen: "Wenn die wirklich grüner werden wollen, dann haben sie hier die Gelegenheit, das zu beweisen", findet der Vater der Familie, während die Mutter berichtet, dass sie mit dem Fahrrad durch den Ort fährt und Unterschriften sammelt, und die Tochter mit dem Thema auf den Social-Media-Kanälen aktiv ist.

Hans-Dieter Pletz, der stellvertretende Vorsitzende des Altdorfer BN und Mitglied der Grünen-Fraktion im Stadtrat, sowie Miranda Bellchambers, die die Aktion beim BN mit organisiert, sind erfreut über die Aufbruchstimmung, die im Umfeld ihrer Info-Stände herrscht. "Solidarisch, betroffen, enttäuscht von der Politik" nimmt Bellchambers die Menschen wahr. Die gesammelten Unterschriften, die sich als Sammeleinwendung im Raumordnungsferfahren gegen die Gewinnung von Quarksand im Abbaugebiet "Vogelherd" richten, werden an die Regierung in Ansbach geschickt. Bis zum 21. Mai kann man dort eine Stellungnahme zu dem Projekt abgeben, entweder als Privatperson oder in Form eines Sammel-Protests über eine Organisation wie den BN.

Alternativen ausloten

Auch die Altdorferin mit Wurzeln in Großbritannien ist empört über den geplanten, unverhältnismäßigen Eingriff in die Natur. "Die Gegend ist Natura-2000-Schutzgebiet, dieses Siegel bekommt man nicht so einfach", weiß sie und hofft auf ihre Kontakte zum Imperial College in London. Dort hat sie studiert und leitet den Alumni Club in Deutschland, so dass noch sehr gute Kontakte zu ihrer alten Uni vorhanden sind. Die hat sie gebeten, doch zu untersuchen, welche Alternativen es zu Quarzsand gibt.

Widerstand gibt es auch in Winkelhaid: Die Unabhängige Winkelhaider Alternative macht aus Umweltschutzgründen und wegen Bedenken zur Verkehrssicherheit Front gegen den Sandabbau. Täglich würden 30 bis 60 Lastwagen durch die Ortschaften fahren, was man nicht hinnehmen wolle. Aus diesem Grund wird auch von dieser Partei eine Unterschriftenaktion durchgeführt. Gesammelt wird ab heute Montag, 26. April, bis zum 20. Mai im Schreibwarengeschäft Schwab (Wolf) während der Öffnungszeiten.


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Gisa Spandler

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