Montag, 11.11.2019

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An der Pegnitz: Vier-Sterne-Hotel in Fürth soll kommen

Der Stadtrat hat überraschend schnell den Zuschlag für das Projekt erteilt - 27.12.2018 05:31 Uhr

Das Wasserkraftwerk mit dem Turbinenhaus an der Pegnitz (vorne) gehört bereits seit langem der Familie Grimmer. Nun will sie auch den markanten Backsteinkomplex und die daran angrenzenden Mühlengebäude kaufen, um darin ein Hotel unterzubringen. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Erhebliche Irritationen, die das Tempo und die zunächst nicht gerade transparente Information durch die Stadtspitze ausgelöst hatten, konnten ausgeräumt werden. Dazu trug vor allem bei, dass der designierte Bauherr rasch dem Wunsch nachkam, in der letzten Fürther Ratssitzung des Jahres persönlich Rede und Antwort zu stehen – und das, anders als zunächst vom Rathaus vorgesehen, öffentlich und nicht etwa hinter verschlossenen Türen.

Diese vertrauensbildende Maßnahme wussten die Kommunalpolitiker zu schätzen. Und auch manche Unklarheit – zwangsläufig durch die unangekündigte und spärliche Information im Bauausschuss Mitte Dezember ausgelöst – wurde beseitigt. Tenor der Stadträte nun: Es handle sich um eine Chance, die sich Fürth nicht entgehen lassen sollte.

Investor verströmt Bodenständigkeit

Denn die lange ersehnte Aufwertung des Areals unterhalb von Henri-Dunant-Straße und Sozialrathaus wäre dadurch endlich möglich. Vorausgesetzt, man scheitert nicht wieder — wie in der Vergangenheit  mit den hochfliegenden Konzepten wechselnder Unternehmen für ein Multiplex-Kino, ein Altenheim, Gewerbe oder aber Wohnungen.

So sieht die Fassade des Gebäudes aus. © Hans-Joachim Winckler


Was Fürths Stadträte unter anderem für die neuesten Pläne einnimmt: Der Investor verströmt Bodenständigkeit und ist in Fürth nicht unbekannt. Das Ingenieurbüro Grimmer, ein Familienbetrieb mit Sitz in  Hohenkammer (Landkreis Freising), betreibt seit langem das kleine Wasserkraftwerk neben dem Mühlengebäude. Wie Thomas Grimmer, der heutige Firmenchef, den Fürther Nachrichten sagte, gehörte seinem Großvater einst sogar das gesamte Wolfsgruber-Gelände mit allen Flächen und Gebäuden.

Ende der 1980er Jahre hatte er es erworben und zusammen mit der Stadt den Bebauungsplan entwickelt. Danach verkaufte er wieder; nur das Kraftwerk blieb im Besitz seiner Familie, die ähnliche Anlagen in Deutschland und Österreich betreibt, aber auch Immobilien entwickelt.

Kostenpunkt: 20 Millionen

Was man in Fürth nun vorhat, so Thomas Grimmer, sei allerdings das "bisher größte Einzelprojekt". Mit einer Investition von rund 20 Millionen Euro kalkuliert sein Unternehmen, Baubeginn soll 2020 sein. Vorgesehen ist im denkmalgeschützten Backstein-Komplex, Baujahr 1947, und den wesentlich älteren Nebengebäuden eine Mischung aus gediegenem Hotel und Gastronomie mit Terrasse zur vorbeifließenden Pegnitz.

Allerdings müsse man noch einen passenden Betreiber finden, mit einigen sei man bereits im Gespräch. Klappe es wider Erwarten nicht, werde man alternativ auf eine "Mischnutzung aus Wohnen, Gewerbe und Gastro" setzen, sagt Grimmer. Und das, wie der gelernte Bauingenieur versichert, stets "im Einklang mit den Nachbarn", zu denen man einen "sehr guten Kontakt" habe. Das dürfte nicht von Schaden sein, denn gegen Pläne eines Vorbesitzers, das Mühlengebäude mit Lofts massiv aufzustocken, hatten Anwohner geklagt und gewonnen.

Keine Probleme für die Schulpläne

Die Gestaltung der Fläche vor den Gebäuden werde man eng mit der Stadt abstimmen, sie soll mit den historischen Häusern im Umfeld harmonieren. Auch den Neubau des Heinrich-Schliemann-Gymnasiums, der wie berichtet möglicherweise auf dem weiter der Stadt gehörenden Mühlengelände entsteht, werde man nicht beeinträchtigen.

Für eine Parkfläche seien, so Fürths Wirtschaftsreferent Horst Müller, lediglich 368 Quadratmeter Fläche nötig, im Untergrund ist eine zweigeschossige Tiefgarage für die Hotelgäste geplant.

Keine Probleme für die Schulpläne sieht auch Baureferentin Christine Lippert. Nicht machbar sei es jedoch, die ohnehin vorgesehene Zufahrt von der Henri-Dunant-Straße schon vorab zu bauen, um auf diesem Weg zur Mühle zu gelangen. Wegen der großen Höhendifferenz zwischen Dunant-Straße und dem darunterliegenden Wolfgruber-Areal könne die Zufahrt nur abgestimmt auf das Schulgebäude entstehen. Ob dieses aber überhaupt hier gebaut wird – und wenn ja, wie – ist noch ungewiss.

Deshalb müssen Gäste das künftige Hotel wohl zunächst über Helmplatz und Mühlstraße ansteuern – nicht ideal, aber machbar, wie man im Stadtrat befand. Zumal, wenn im Gegenzug eine Fürther Problem-Immobilie von beträchtlichem Ausmaß sinnvoll genutzt werden kann.

WOLFGANG HÄNDEL

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