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Angriff auf Parksünder: Supermärkte setzen jetzt auf Sensoren

"Wir schaffen gerade flächendeckend die Parkscheibe ab" - 14.09.2019 05:20 Uhr

Wer sein Auto auf Parkplätzen von Supermärkten abstellt, sollte besser dort Kunde sein. Sonst drohen empfindliche Strafen. Dank Kennzeichenerfassung entkommt kein Fremdparker mehr. © Foto: Cosmosdirekt/Thinkstock


Weil der Parkdruck in den Städten gewaltig ist, stellen Autofahrer ihr Fahrzeug oft auf den Stellplätzen von Supermärkten, Fitnessstudios oder Kliniken ab, um dann zu Fuß andere Ziele anzusteuern. "Wird schon gutgehen", denken sie sich, obwohl sie ihr Auto widerrechtlich dort geparkt haben.

Doch immer öfter geht es nicht gut. Denn immer mehr Parkplatzeigentümer nehmen es nicht mehr hin, dass Fremdparker die Stellplätze für ihre Kunden blockieren. Sie beauftragen Firmen, die die Parkplätze kontrollieren – und empfindliche Geldstrafen verhängen, wenn sie Parksünder erwischen.

Parkscheibe ist ein Auslaufmodell

Bislang wurde dabei noch auf die klassische Parkscheibe gesetzt. "Das war ein Katz-und-Maus-Spiel. Viele haben darauf spekuliert, dass während ihrer Parkzeit kein Kontrolleur kommt", erzählt Maximilian Schlereth, Geschäftsführer des Erlanger Unternehmens ParkRaum-Management (PRM), das mehr als 150 Objekte in Deutschland betreut.


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Doch nun verwenden die Parkraumbewirtschafter zunehmend Technologien, die keinen Parksünder mehr entkommen lassen. "Wir schaffen gerade flächendeckend die Parkscheibe ab", sagt Schlereth. An 25 Stellflächen hat PRM, unter anderem in Nürnberg und auf mehreren Flächen in Erlangen, schon an den Zufahrten Kennzeichenscanner installiert. PRM weiß dadurch genau, wie lange sich ein Fahrzeug auf dem Areal befindet. Um die gescannten Kennzeichen zu verifizieren, werden diese zusätzlich von vorne und hinten fotografiert.

Parkscheibe wird unnötig

"Zuvor haben viele die Parkscheibe vergessen, vor allem ältere Menschen", sagt Schlereth. Wenn ein Kontrolleur ein solches Auto entdeckte, wurde deshalb häufig eine Vertragsstrafe von mindestens 20 Euro fällig. Nur wer mit einem Einkaufszettel nachträglich nachweisen konnte, dass er tatsächlich einkaufen war, konnte der Strafe entgehen.

"Wir mussten überall große Schilder hängen. Mit der Kennzeichenerkennung genügen wenige Info-Tafeln. Jetzt muss man ja als Kunde nichts mehr extra machen, alles läuft automatisch", erklärt Schlereth. Wer länger parkt als erlaubt, bekommt einen Brief zugeschickt, in dem er gebeten wird, die fällige Strafe zu zahlen. "Dadurch brauchen wir auch keine Kontrolleure mehr, die Ersatzpolizei spielen müssen. Das entemotionalisiert den ganzen Prozess", meint der PRM-Geschäftsführer.

Das Stuttgarter Unternehmen "Park + Control" setzt dagegen auf Sensoren. Kleine, auf den Stellplätzen aufgeklebte Kästchen erfassen genau, wie lange dort ein Auto steht. "Wird die zulässige Dauer überschritten, werden unsere Mitarbeiter vom System informiert. Der Kontrolleur vor Ort gibt noch zehn Minuten Kulanz, dann ist eine Strafe von 30 Euro fällig", erklärt eine Sprecherin.

Bisher habe man sehr gute Erfahrungen mit den Sensoren gemacht. "Die Beschwerden gehen seither deutlich zurück", betont die Sprecherin. 850 Objekte, etliche davon in der Region, seien mittlerweile damit ausgestattet, Tendenz stark steigend.

Einkaufswagen oder Auto?

Maximilian Schlereth von PRM ist dagegen nicht so begeistert von der Sensoren-Lösung. "Seit eineinhalb Jahren testen wir das auf einem Parkplatz in Fürth. Da hat uns der Schneepflug gleich die Hälfte der Sensoren abrasiert. Außerdem ist das nicht so rechtssicher. Der Sensor erkennt oft mit Verzögerung, dass da ein Fahrzeug steht. Und wenn kurz zuvor ein Einkaufswagen auf dem Stellplatz stand, kann es sein, dass die Zeiten zusammengezählt werden", sagt er.

Bei "Park + Control" kennt man bislang noch keine Probleme mit den Sensoren und will weiter auf die Technik setzen. Auch rechtlich fühlt man sich auf der sicheren Seite. "Das sind ja alles private Stellflächen. Dort hat der Eigentümer Hausrecht und das Recht, Regelungen für das Parken einzuführen", betont die Sprecherin.

"Unser System ist viel kosteneffizienter"

Schlereth preist die Flexibilität, die man durch die Kennzeichenerfassung bekommt. So gebe es beispielsweise Parkplätze, die gleichzeitig für einen Supermarkt und ein Fitnessstudio dienen. Wer dort trainiert und danach noch in die Sauna geht, braucht sehr viel mehr Zeit als für einen Wocheneinkauf. Per App oder am Studio-Empfang könne man dann das Kennzeichen für eine längere Parkdauer freischalten.

"Unser System ist viel kosteneffizienter als die Sensorentechnik. Dadurch können wir viel kulanter sein und müssen nicht jedem Knöllchen hinterherrennen", erklärt Schlereth. Bald eingeführt werden sollen bei PRM auch Modelle, bei denen große Parkplätze außerhalb der Geschäftszeiten für Anwohner freigegeben werden, die das Parken dort für eine geringe Gebühr gebucht haben. "Dann kann man künftig auch die Schlagbäume an den Zufahrten weglassen. In Erlangen und Schweinfurt soll dieses Bezahlen per App bald eingeführt werden", sagt Schlereth. 

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