"Familien fürchten um Existenz"

Ansbacher Landrat zum ICE-Werk: Stadt Nürnberg muss Haltung nochmal überdenken

14.7.2021, 16:29 Uhr
In der Metropolregion Nürnberg soll ein neues ICE-Werk entstehen.

In der Metropolregion Nürnberg soll ein neues ICE-Werk entstehen. © Michael Matejka

Im vergangenen Oktober gab die Deutsche Bahn bekannt, dass in der Metropolregion Nürnberg ein neues ICE-Instandhaltungswerk zur Reinigung und Reparatur der Züge entstehen soll. Im Zuge der Planung wurden bereits neun Standorte auf ihre Tauglichkeit geprüft. In der Region macht sich immer mehr Kritik an den Plänen der Deutschen Bahn breit. Auch der Raum Ansbach wird als Standort für das ICE-Werk in Betracht gezogen. So sind allein zwei der neun Standorte Müncherlbach sowie Heilbronn im Landkreis Ansbach und mit Raitersaich ein weiterer in der Nähe.

Im Zuge der Planungen äußert sich nun auch Landrat Jürgen Ludwig (CSU) zum Vorhaben der Deutschen Bahn. "Es ist in erster Linie die Aufgabe der Stadt Nürnberg, alles dafür zu tun, dass das geplante ICE-Werk der Deutschen Bahn AG auf Nürnberger Stadtgebiet realisiert wird. Denn dort ist ja schließlich auch der größte Nutzen des ICE-Knotens Nürnberg", erklärt Ludwig.


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Er verstehe die Sorge der Heilsbronner Bürger sehr gut. Die Angst vieler Bürger sei nicht nur eine hohe Belastung für Mensch und Natur, sondern auch der Verlust der letzten Flächen für Gewerbe und Wohnbebauung. Vor allem Familien hinter bäuerlichen Betrieben fürchten schlicht um ihre Existenz, so der Landrat.

Die vielbeschworene Partnerschaft von Stadt und Land in der Metropolregion dürfe sich nicht darin erschöpfen, dass das Umland von Nürnberg als negativ empfundene Infrastruktur aufnimmt und für die Fortschritte im Großraum den naturschutzfachlichen Ausgleich bereitstellt. "Insofern ist es sehr verwunderlich, dass für den Standort einer so umfangreichen Infrastruktur auf die benachbarten Landkreise unter der Überschrift ,Metropolregion‘ verwiesen wird," so Ludwig. Die Stadt Nürnberg habe in Zusammenhang mit den in Frage kommenden Standorten in Nürnberg noch genug eigene Hausaufgaben zu machen. Er erhoffe sich, dass die Stadt ihre Haltung zum ICE-Werk noch einmal überdenkt.

Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König (CSU) hatte die Pläne der Deutschen Bahn zunächst begrüßt. Besonders die 450 neuen Arbeitsplätze hatte er als Gewinn für die Region bewertet. Eine so große Investition habe er im Vorfeld nicht sofort ablehnen können. Die Bahn habe seinerzeit jedoch nicht mit offenen Karten gespielt, findet er heute. Weder über die geplanten Ausmaße, noch über die favorisierten Standorte habe die Deutsche Bahn detaillierte Pläne vorgelegt. "Die Bahn hat den Weg der Kooperation verlassen", so König, der sich ein Werk so nah an der Wohnbebauung heute nicht mehr vorstellen kann.


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