Bayernweit niedrigste Inzidenz: Ansbach bewirbt sich als Modellstadt

Vanessa Neuss - nordbayern.de
Vanessa Neuß

nordbayern.de

E-Mail

31.3.2021, 11:23 Uhr

In Ansbach ist seit Samstag, 27. März, wieder ein bisschen Normalität eingekehrt. Der bayerische Stufenplan gemäß der 12. Infektionsschutzverordnung sieht schrittweise Öffnungen unter Beachtung der "Notbremsen"-Regelung vor. So dürfen die Ansbacher Geschäfte wieder ihre Türen öffnen - und ohne Termin Kunden zum Shoppen reinlassen. Die Anzahl ist geregelt: Ein Kunde je zehn Quadratmeter bei den ersten 800 Quadratmetern, darüber hinaus ein Kunde je 20 Quadratmeter.


Corona in Ansbach: Inzidenzwert der Stadt liegt wieder unter 50


Alle weiteren Öffnungsschritte, die frühestens ab 22. März möglich gewesen wären, wurden bis nach Ostern ausgesetzt. Außengastronomie, Theater, Konzert- und Opernhäuser sowie Kinos bleiben also auch in Ansbach weiter geschlossen. Ebenso untersagt ist weiterhin kontaktfreier Sport im Innenbereich sowie Kontaktsport im Außenbereich.

Ansbach hat aber immerhin gute Voraussetzungen, um den Modellversuch "Tübingen plus" umzusetzen. In den Modellregionen sollen vorsichtige Lockerungen von Corona-Schutzmaßnahmen ermöglicht werden - unter strikten Auflagen, wie einer umfassenden Teststrategie und strengen Hygienekonzepten. "Ja, Ansbach hat sich als Modellstadt beworben", heißt es von der Stadt Ansbach auf Nachfrage. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat allerdings auch hier die Hoffnungen zumindest gebremst. Eine Entscheidung, "ob überhaupt" Modellstädte ernannt werden, soll am Mittwoch nach Ostern fallen.

Oberbürgermeister Thomas Deffner ist zuversichtlich hinsichtlich der Bewerbung seiner Stadt beim Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege: "Ich freue mich sehr, dass die Stadt Ansbach derzeit die Stadt in Bayern mit den niedrigsten 7-Tage-Inzidenzwerten ist, daher ist Ansbach als Modellstadt prädestiniert". Die Stadt erhält dabei Unterstützung von der Hochschule Ansbach, die im Studiengang „Industrielle Biotechnologie“ bereits Forschungsarbeiten mit Corona-Bezug unternimmt.

Die Kriterien, um an dem Modellversuch teilzunehmen, sind hauptsächlich die Größe der Stadt und die jeweilige Inzidenz. Es sollen nur Städte in Frage kommen, die zwischen 11.000 und 100.000 Einwohner haben, die sich nicht schon nahe einer Inzidenz von 150 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner pro Woche bewegen. Mit einer Einwohnerzahl von 41.847 (Stand: 2019) und der niedrigen Inzidenz von 47,8 (Stand RKI: 31.03.2021) erfüllt die Stadt Ansbach diese Kriterien. Insgesamt sollen in ganz Bayern acht Städte ausgesucht werden.

Außerdem bietet die mittelfränkische Stadt neben einer belebten Außengastronomie auch ein abwechslungsreiches Kulturleben. So gibt es das Theater Ansbach, die Ansbacher Kammerspiele und auch ein Kino. Hier könnte also die Teststrategie durchaus aufschlussreich in verschiedenen Bereichen erprobt werden.

Der einzige Punkt, der gegen Ansbach sprechen könnte, ist die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Ansbach. Diese steuert mit 178,8 nämlich eher Richtung 200er-Marke und im Optimalfall soll die Modellstadt auch nicht an einen Corona-Hotspot angrenzen. Nürnberg, Fürth und Erlangen haben bereits allein aufgrund ihrer Größe nicht mehr die Chance, Modellstadt zu werden.

Welche Wirkung hat konsequentes Testen?

Söder machte am Dienstag nochmal deutlich, dass es bei dem Projekt nicht darum ginge, möglichst schnell überall Öffnungen zu erreichen, sondern darum herauszufinden, welche Wirkungen durch konsequentes Testen erreicht werden könnten.

Impfen sei weiterhin "die einzige echte Lösung", wie Söder nach dem Impfgipfel am Dienstag wiederholt sagte. Auch hier ist die Stadt und auch der Landkreis Ansbach bereits vielen anderen Regionen in Bayern voraus. Der landesweite Impfstart von Hausärzten ist offiziell am Mittwoch, 31. März. In einem ersten Praxistest haben ab dem 15. März 2021 allerdings bereits fünf Hausärzte im Landkreis Ansbach sowie eine Hausärztin in der Stadt Ansbach bettlägerige Patienten zu Hause gegen SARS-CoV-2 geimpft. "330 Personen konnte die erste von zwei notwendigen Impfdosen verabreicht werden", heißt es von der Stadt Ansbach.

Verwandte Themen