Denkmalprämierung 2020: Das sind die Preisträger aus dem Landkreis Ansbach

17.3.2020, 13:16 Uhr
Die Altstadt von Dinkelsbühl prägen insbesondere ihre geschlossene mittelalterliche Struktur und ihre dichte Bebauung mit historischen Gebäuden. Zu diesem umfangreichen Bestand darf auch das ehemalige Mesnerhaus gezählt werden, das einer dendrochronologischen Untersuchung des Dachstuhls im Jahr 1478 zufolge an die frühere Dreikönigskapelle angebaut wurde. Zusätzlich nimmt das ehemalige Mesnerhaus am Rande der Altstadt, nahe des Segringer Tores und der spätmittelalterlichen Stadtmauer, die ihrerseits zu den besterhaltenen Stadtbefestigungen in Deutschland zählt, noch einen städtebaulich wichtigen Standort ein. Text: Saskia Müller
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Dinkelsbühl, Adlergäßlein 3

© Julia Krieger

Bedauerlicherweise verursachten Fehlstellen in der Dachhaut erhebliche Feuchtigkeitsschäden am Dachstuhl und am Fachwerk. Dank einer vorbildlichen Instandsetzung der Fassade und des Dachwerks durch den Eigentümer aber konnte der Großteil der alten Hölzer erhalten bleiben. Darüber hinaus restaurierte man auch die in großer Zahl überlieferten Fenster und Fensterläden. Bemerkenswert ist außerdem der reiche Bestand an alten Dachziegeln, von dem etwa die Hälfte als original gelten darf. Ergänzt wurde die Eindeckung noch durch den Zukauf von Altziegeln, was nicht nur nachhaltig gedacht, sondern auch für die wiederhergestellte Ansicht des Baudenkmals äußerst zuträglich ist. 
Schließlich wurde das ehemalige Mesnerhaus in Gedanken an die außergewöhnliche Geschlossenheit des Altstadtensembles von Dinkelsbühl schonend und umsichtig instand gesetzt. Text: Saskia Müller
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Dinkelsbühl, Adlergäßlein 3

© Julia Krieger

Bis zuletzt setzten ihm unterlassener Bauunterhalt, jahrzehntelanger Leerstand und unsachgemäße Maßnahmen jedoch sehr zu. In den 1990er Jahren erwarb die Stadt schließlich das heruntergekommene Gebäude und machte sich zusammen mit den Altstadtfreunden an die Erarbeitung verschiedener Nutzungskonzepte. Es ist geplant, das Baudenkmal als "Haus von Bürgern für Bürger" einzurichten. Hierzu wurden nach umfangreichen Voruntersuchungen Fassade, Fachwerkwände, Putzdecken, Dielenböden und vieles mehr unter größtmöglichem Substanzerhalt und unter Verwendung von denkmalgerechten Materialien vorbildlich wiederhergestellt. Text: Saskia Müller
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Herrieden, Neunstetterstraße 1

© Saskia Müller

Beispielhaft konnte das ehemalige Torwärterhaus so als Baudenkmal erhalten werden. Zugunsten des Denkmals entschied man sich auch gegen den Ausbau des Dachstuhls und verzichtete damit auf zusätzliche Nutzflächen. Besondere Erwähnung verdient außerdem das hohe Engagement der Altstadtfreunde, die nicht nur bei der Ermittlung eines geeigneten Konzepts mitwirkten. Darüber hinaus leisteten sie bei der Instandsetzung des Baudenkmals einen wertvollen Beitrag von fast 500 Arbeitsstunden. Text: Saskia Müller
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Herrieden, Neunstetterstraße 1

© Saskia Müller

Das Anwesen Klingenschütt 3 wurde als sehr einfaches Wohnhaus entlang der Stadtmauer errichtet, unmittelbar neben dem sogenannten Pulverturm. Als sehr einfach müssen auch die bisherigen Wohnverhältnisse beurteilt werden. Beispielsweise existierten vor Verkauf lediglich bescheidene sanitäre Einrichtungen. Ohne Anschluss an das Erdgasnetz konnte es zudem nur dürftig beheizt werden. Völlig unzureichend war außerdem die schlechte Wärmedämmung.
Dem Denkmal stand aber nicht nur eine Erneuerung der Installationen ins Haus. Eine Herausforderung stellte auch die Stadtmauer dar. Diese schließt das Gebäude rückwärtig ab. Allerdings drifteten das kleine Haus und die Stadtmauer zunehmend auseinander. Durch den Einzug von Stahlträgern konnten Baukörper und Mauerwerk wieder aufgerichtet und fest miteinander verankert werden. 
Doch damit nicht genug: Mit großen Anstrengungen war weiterhin der Rückbau der zahlreichen neuzeitlichen Bekleidungen verbunden, die von den Eigentümern selbst abgenommen wurden. Nachfolgend  integrierten sie Teile der Stadtmauer und andere mühsam freigelegte Bauteile in den Wohnbereich. Die übrige Ausstattung wurde auf diese abgestimmt. Die Oberflächen versah man noch mit einem denkmalgerechten Lehmputz. 
Zwar mögen die bescheidenen Kapazitäten des kleinen Wohnhauses zuerst über die aufwendigen Planungen hinwegtäuschen. Ohne das große persönliche Engagement und Einfühlungsvermögen der Eigentümer wäre die ungewöhnliche Sanierung jedoch sicher nicht gelungen. Text: Saskia Müller
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Rothenburg ob der Tauber, Klingenschütt 3

© Saskia Müller

Das Plönlein gehört zu den beliebtesten touristischen Motiven in Rothenburg. Das berühmte Ensemble bilden zwei Türme der alten Stadtmauer, die die Eingänge zu Spitalviertel und Taubertal markieren, eine charakteristische Fachwerkfront und eine vielteilige Brunnenanlage. Letztere ist das Ergebnis sukzessiver Erweiterungen. So sind der Brunnen sowie die Grotte mit dem Jahr 1607 bezeichnet. Die Fischtröge wiederum wurden erst 1791 errichtet. Text: Saskia Müller
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Rothenburg o. d. Tauber, Plönleinbrunnen

© Saskia Müller

Zuletzt zeigte sich der Plönleinbrunnen allerdings stark beschädigt. Probleme bereiteten vor allem Regenwasser, Streusalz und Frost. Zur Instandsetzung ihrer Sehenswürdigkeit gab die Stadt eine umfangreiche Restaurierung in Auftrag, der eine Demontage einzelner Brunnenteile sowie eine Untersuchung und anschließende Dokumentation des Brunnens durch einen Bauforscher vorausgingen.  
Im Anschluss daran, um nur einige Beispiele zu nennen, reinigte man vorhandene Natursteine, reduzierte Krusten und entfernte neuzeitliche Fremdkörper, wie Dübel, Schrauben u. ä. Historische Eisenklammern dagegen baute man an dokumentierter Stelle wieder ein. Risse und Schalen wurden überwiegend mit Kunstharzen verfüllt und mit Anböschmassen aus originalen Gesteinsmehlen verschlossen. Fehlstellen wurden wiederum mit Steinersatzmassen ausgebessert. Irreparable Natursteinbereiche erneuerte man letztlich mit Neuteilen aus Muschelkalk. 
Erfolgreich wurde so nicht nur die Ansicht des Ensembles wiederhergestellt. Ebenso konnte der Brunnen in seiner Funktion erhalten werden. Sichtlich sparte die Stadt keine Kosten und Mühen, ihren Plönleinbrunnen nach allen Regeln der Kunst restaurieren zu lassen. Text: Saskia Müller
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Rothenburg o. d. Tauber, Plönleinbrunnen

© Saskia Müller

Die alte Kegelbahn gehörte zur weitläufigen Parkanlage des ehemaligen Kurhotels Wildbad, welches bereits 14 Jahre nach seiner Eröffnung im Jahr 1903 den Betrieb als solches einstellte. Von da an wechselte es mehrmals den Besitzer. Seit fast 30 Jahren untersteht das ehemalige Kurhotel schon der Leitung des Landeskirchenamtes, die es seither als Evangelische Tagungsstätte nutzt.
Als Teil des ehemaligen Wildbades ließ die Landeskirche die Kegelbahn rekonstruieren. Diese war stark heruntergekommen und im Jahr 2008 außerdem durch einen umstürzenden Baum schwer beschädigt worden. Fünf Jahre sollte es dauern, bis die Kegelbahn der Öffentlichkeit wieder zu Verfügung stand. 
Im Vorfeld der Rekonstruktion kartierte man das, was an intakten Hölzern noch vorhanden war. Anschließend wurden diese demontiert und eingelagert. Daraufhin legte man ein neues Fundament und sanierte die Stützmauer. Diese erhielt außerdem neue Dachauflager. Schließlich wurde die Holzkonstruktion wieder aufgerichtet und das Dach neu verblecht. Der Neuanstrich der Hölzer mit Leinölfarben basiert dabei auf einer Befunduntersuchung. Text: Saskia Müller
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Rothenburg o. d. Tauber, Taubertalweg 48: Kegelbahn

© Julia Krieger

Im Vorfeld der Rekonstruktion kartierte man das, was an intakten Hölzern noch vorhanden war. An-schließend wurden diese demontiert und eingelagert. Daraufhin legte man ein neues Fundament und sanierte die Stützmauer. Diese erhielt außerdem neue Dachauflager. Schließlich wurde die Holzkon-struktion wieder aufgerichtet und das Dach neu verblecht. Der Neuanstrich der Hölzer mit Leinölfarben basiert dabei auf einer Befunduntersuchung. 
Mit dieser überlegten Rekonstruktion konnte der Großteil der noch vorhandenen Substanz wieder an seiner originalen Stelle eingesetzt werden. Dank der umfangreichen Öffentlichkeitsarbeit des Trägers wird das ehemalige Wildbad außerdem regelmäßig mit Konzerten oder sonstigen Veranstaltungen bespielt. Die denkmalgeschützte Parkanlage ist damit für eine breite Öffentlichkeit zugänglich – und nun auch wieder die Kegelbahn. Text: Saskia Müller
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Rothenburg o. d. Tauber, Taubertalweg 48: Kegelbahn

© Julia Krieger

Seit seiner Erbauung im Jahr 1411/12 wurde das ehemalige Gasthaus an der Hauptstraße, nahe des westlichen Stadttors, vielfältig genutzt, mehrfach erweitert und umgebaut. Beherbergte es anfänglich noch eine Brauerei und eine Gastwirtschaft, wurde es zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem für landwirtschaftliche Zwecke gebraucht. Seit den 1980ern diente es nur noch als Wohnhaus. 
Bedingt durch unsachgemäße Eingriffe in das Tragsystem hatte sich das Haus über die Jahre hinweg jedoch stark verformt. Feuchtigkeit und Fäulnis schädigten das ohnehin schon beeinträchtigte Trag-werk noch zusätzlich. Vor diesem Hintergrund gestaltete sich die Generalsanierung des ehemaligen Gasthauses, die auf Grundlage von umfangreichen restauratorischen Befund- und dedrochronologi-schen Untersuchungen umgesetzt wurde, für seinen neuen Eigentümer als wahre Herkulesaufgabe. Text: Saskia Müller
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Wolframs-Eschenbach, Hauptstraße 6

© Saskia Müller

Eine große Herausforderung stellte dabei die Instandsetzung des gewaltigen viergeschossigen Dach-stuhls dar, dessen Statik unter anderem wegen maroder Fußpunkte gefährdet war. Daneben verlangte auch die Restaurierung der Nordfassade viel Geduld und Präzision. Hier konnten Teile des Fachwerks immerhin auf die Entstehungszeit, das heißt die Jahre 1411/12 datiert werden. Als Besonderheit des Hauses erwies sich weiter die ehemalige Strohkammer im Obergeschoss, die nahezu den bauzeitli-chen Zustand überliefert. 
In Anbetracht dieser Umstände forderte die schwierige Sanierung des Bauwerks ein außerordentliches denkmalpflegerisches Engagement. Trotz des großen Umfangs der Maßnahmen konnten Fehlgriffe der letzten Jahrzehnte erfolgreich behoben und das Denkmal mit viel Sinn für seine Geschichte weiter-entwickelt werden. Text: Saskia Müller
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Wolframs-Eschenbach, Hauptstraße 6

© Saskia Müller

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