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Gewalttat nahe Ansbach: Das sind die Hintergründe der Tat

Nach der Pressekonferenz der Polizei ergibt sich ein erstes Bild - 08.07.2019 16:33 Uhr

Nach zwei arbeitsintensiven Tagen ergibt sich ein erstes Bild, wie der Mord an einem 49-Jährigen im Landkreis Ansbach abgelaufen sein könnte. © ToMa-Fotografie


Es ist ein Gewaltakt, der die ganze Region erschütterte: Am Samstagmorgen ist in einem Feld in Rügland im Landkreis Ansbach die Leiche eines 49-Jährigen gefunden worden. Nach zwei arbeitsintensiven Tagen für die Polizei scheint die Tat zumindest in ihren Grundzügen geklärt zu sein. Die Beamten gehen mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass es sich beim 30-Jährigen, der sich am Sonntag das Leben nahm, auch um den mutmaßlichen Täter handelt. 

Der Streit: Am Samstag gegen 9 Uhr gerieten ein 49-Jähriger und ein 30-Jähriger bei einem Feld im Landkreis Ansbach aneinander. Das Auto des 49-Jährigen war "mutwillig beschädigt", wie die Polizei bei einer Pressekonferenz bekanntgab. Scheibenwischer haben gefehlt, die Antenne war abgeknickt und ein Kennzeichen lag in einem nahegelegenen Acker. Dies gilt, so Dieter Hegwein von der Kriminalpolizeiinspektion Ansbach, als Beginn und Motiv der späteren Auseinandersetzung. Hinweise, dass der 30-Jährige das Fahrzeug hätte stehlen wollen, gebe es laut Polizei keine.

Die Notrufe: Der später getötete 49-Jährige hat nach Polizeiangaben noch vor Ort die Beamten verständigt. Er habe einen Mann fotografiert und gestellt, der sich an seinem Fahrzeug zu schaffen machte. Kurz darauf setzte auch die Frau des später getöteten Mannes einen Notruf ab, nachdem ihr dieser mitgeteilt hatte, nach einem Streit von einem Mann geschlagen worden zu sein und verletzt am Boden zu liegen. Aus den bisherigen Erkenntnissen gebe es keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die Männer sich gekannt hatten. Die Polizei geht von einem Zufallsaufeinandertreffen aus, sicher könnten die Ermittler dies derzeit aber noch nicht beantworten.

Die Tat: Den genauen Tathergang können die Ermittler zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht rekonstruieren. Der aktuelle Erkenntnisstand ist aber, dass der 49-Jährige den 30-Jährigen bei der Beschädigung seines Pkw gestellt hatte und es daraufhin zur Auseinandersetzung kam, in deren Folge der 49-Jährige getötet wurde. Ein Rechtsmediziner vermutete zunächst einen gewaltsamen Tod durch Gewalteinwirkung gegen den Hals. Die Obduktion der Leiche bestätigte diese Annahme: Der Tod erfolgte, so bestätigte es die Polizei, "durch Ersticken durch Gewalteinwirkung gegen den Hals". Einen direkten Tatzeugen gebe es nicht.

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Am Samstagvormittag wurde die Leiche eines 49 Jahre alten Mannes in der Nähe von Rügland gefunden. Die Polizei startete sofort eine Großfahndung nach dem unbekannten Täter. Über Handyfotos kam die Soko "Rosenberg" einem 30-Jährigen auf die Schliche - doch von dem Mann fehlte jede Spur. Ein Notruf bei der Polizei am späten Sonntagabend änderte dann jedoch alles.


Der Leichenfund: Aufgrund der Notrufe hat die Polizei am Samstagvormittag den Tatort aufgesucht und dort den beschädigten Pkw vorgefunden. Das Gelände wurde daraufhin genauer abgesucht, auch ein Polizeihubschrauber kam zum Einsatz. Dieser entdeckte dann gegen 10.30 Uhr eine leblose männliche Person, am Rand eines Getreideackers in einiger Entfernung zum Pkw. Der Notarzt konnte nur noch den Tod des 49-Jährigen, der von den Beamten inzwischen identifiziert worden war, feststellen. Die beiden Hunde des Mannes, die im Kofferraum des Fahrzeugs transportiert wurden, waren nach Angaben der Beamten beim Leichnam des Mannes und haben diesen bewacht. Die Hunde wurden später wieder zur Ehefrau des Getöteten gebracht.

Die Ermittlungen: Der Kriminaldauerdienst Mittelfranken hat zunächst den Tatort großflächig abgesperrt und ihn dann an die Spurensicherung übergeben. Ein 25-köpfiges Team hat daraufhin den Tatort detailliert untersucht. Dort wurde neben der Leiche ein Handy aufgefunden, das die Polizei umgehend per Kurier zu Experten nach Nürnberg bringen ließ. Auf dem Handy waren Fotos gespeichert, die eine zu diesem Zeitpunkt noch unbekannte männliche Person zeigten. 

Die Beweislage: Die Ermittler sprechen davon, gleich zu Beginn "eine respektable Spurenlage" gehabt zu haben. Die Fotos auf dem Handy konnten durch die Experten verifiziert und letztendlich auch zugeordnet werden. "Anhand der Zeitstempel, die mit diesen Bildern ausgeliefert wurden", konnten wir einen eindeutigen Tatbezug herstellen", betonte Hegwein und erklärte zudem: "Wir haben derart viele Puzzlestücke gesammelt, dass wir uns absolut sicher sind, dass der 30-Jährige der Tatverdächtige war".

Das Motiv: Der genaue Tathergang ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen, bislang scheint aber die Auseinandersetzung in Folge der Beschädigung des Pkw der Grund für den brutalen Angriff gewesen zu sein. Die Beamten gehen davon aus, dass es sich um eine Vandalismus-Tat am Auto handelte, die später eskaliert ist.

Der mutmaßliche Täter: Anhand der Handy-Aufnahmen konnten die Ermittler einen Tatverdächtigen samt Name und Anschrift identifizieren. Es handelte sich dabei um einen nicht vorbestraften 30-Jährigen mit Wohnsitz im östlichen Landkreis Ansbach. Mit Hinweis auf die Persönlichkeitsrechte nannten die Beamten am Montag keine näheren Details zum Wohnort. Die Ermittler fahndeten nach dem Tatverdächtigen, konnten dessen Aufenthaltsort aber nicht feststellen. Gegen 23.10 Uhr wurde der 30-Jährige dann tot in seiner Wohnung aufgefunden. Die Ermittlungen ergaben dabei zweifelsfrei einen Suizid.

Die weiteren Ermittlungen: In den Grundzügen ist die Tat für die Polizei zwar geklärt, der Fall beschäftigt die Beamten aber weiter. Es seien noch viele Fragen offen, betonten die Verantwortlichen bei der Pressekonferenz. Speziell der genaue Hintergrund der Tat sowie der Aufenthaltsort des Tatverdächtigen stehen jetzt im Fokus der Ermittler. Dennoch sprach Hegwein am Montag von einer "völlig sinnlosen Tat". Eine Tat, die rational nicht erklärbar sei. 

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