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Samstag, 25.01.2020

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Gift in Grundwasser nahe US-Kaserne: Ansbacher reichen Klage ein

PFC-Konzentration in Boden und Grundwasser übersteigt Grenzwerte - 10.01.2020 16:01 Uhr

Der Militärflugplatz östlich von Ansbach. Das giftige PFC wurde in mehreren Untersuchungen in Gewässern rund um die Kaserne nachgewiesen. © Stefan Blank


Das Problem ist bekannt, in mehreren Untersuchungen belegt und für die Anwohner eine echte Belastung: Rund um den Ansbacher Ortsteil Katterbach sind über Jahre teilweise giftige Chemikalien in den Boden gesickert. Brunnen, Fischweiher und sogar das Grundwasser sind mit Mengen deutlich oberhalb der zulässigen Grenzwerte belastet. Einige Anwohner haben nun die Nase voll. Die Ansbacher Bürgerinitiative "Etz langt´s" will im Januar Klage gegen Unbekannt erheben. "Wir dürfen der Gefährdung der Anwohner nicht länger zusehen", schreibt Boris-André Meyer, Sprecher der Initiative, in einer Pressemitteilung. Die Kontaminierung breite sich immer weiter aus, die Sanierung werde immer teurer.


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Im Rahmen einer Untersuchung wurde bereits 2016 eindeutig festgestellt, dass Boden und Sickerwasser in Katterbach durch per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) verunreinigt sind. PFC kommen nicht natürlich vor, werden aber in vielen Verbraucherprodukten wie Kochgeschirr oder Textilien verwendet - genauso wie in Löschschaum. Der hat im Fall der Katterbach-Kaserne wohl dafür gesorgt, dass die Chemikalien in den Boden gelangt sind. Laut Umweltbundesamt binden sich PFC im Menschen an Proteine in Blut, Leber und Niere. In Tierversuchen wurden einige Stoffe der Gruppe als toxisch eingestuft, auch die weibliche und männliche Fruchtbarkeit können beeinträchtigt werden.

Grenzwerte um ein Vielfaches überschritten

Erstmals bekannt wurde eine mögliche Verunreinigung 2014, damals kam das Thema im Umweltausschuss der Stadt Ansbach zur Sprache. Seitdem hat es mehrere Untersuchungen gegeben, zuletzt prüften Gesundheitsamt und Stadt erneut die Messwerte, wie Meyer erklärt. Dabei hätten einzelne Proben die zulässigen Grenzwerte um mehr als das 20-fache überschritten. Seit 2014 haben sich die Chemikalien außerdem weiträumig ausgebreitet: Im Februar wurde bekannt, dass ein Hausbrunnen im Stadtteil Obereichenbach mit PFC jenseits der Grenzwerte belastet ist - und zwar über zwei Kilometer von der Kaserne entfernt.

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Vor Gericht wird es vor allem um die Frage gehen, wer für die Verunreinigung, die im Grunde unstrittig ist, verantwortlich gemacht werden kann. Neben der US-Armee, von deren Stützpunkt in Katterbach aus PFC in die Umwelt gelangte, könnten dies laut Anwalt Alfred Meyerhuber auch deutsche Behörden sein. Bisher hatten einige Anwohner Schadensersatzklagen wegen verunreinigter Brunnen oder Fischweiher angestrengt - bisher ohne Erfolg. Nun klagt die Bürgerinitiative gegen Gewässerverunreinigung nach §324, auch ein verwaltungsrechtliches Verfahren soll in Angriff genommen werden.

Katterbach ist nicht der einzige Stützpunkt in Deutschland, an dem erhöhte PFC-Werte nachgewiesen wurden. In der Region sind nach einer Recherche des Bayerischen Rundfunks unter anderem der Flugplatz in Manching bei Ingolstadt, die Otto-Lilienthal-Kaserne in Roth und der Flugplatz in Neuburg betroffen.

jru

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