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Appell in Neustadt: Frauen wählt Frauen

Wanderausstellung des Landtages im Landratsamt eröffnet - 14.01.2020 15:52 Uhr

Aufschlussreiche Dokumentationen lohnen den Ausstellungsbesuch, stellten Bezirksrätin Elke Eder, Stadt- und Kreisrätin Heike Gareis, MdL Gabi Schmidt (v. r.) sowie die ehemalige Landtagsabgeordnete Christa Götz und Bürgermeisterin Dr. Birgit Kreß (v. l.) mit den „Quotenmännern“ Landrat Helmut Weiß (3.v. l.) und Stellvertreter Bernd Schnizlein fest. © Harald Munzinger


Schmidt, 2013 von der Bezirks- in die Landespolitik gewechselt, um das von dieser "geprägte Korsett selbst mitzugestalten und an Verbesserungen mitzuwirken", war am Forschungsprojekt der Wanderausstellung beteiligt. Nun hat sie diese nach Neustadt vermittelt, wo sie bis Freitag, 17. Januar, im Foyer des Landratsamtes und in der Etage darüber besichtigt werden kann. Den Besuch empfahl Hausherr Weiß ebenso wie Gabi Schmidt und Dr. Birgit Kreß, die im stattlichen Gästekreis in die Ausstellung einführten und zur Rolle der Frau in der Politiker Stellung nahmen.

Frauen wüssten "immer, was passt" und Männer müssten "erst lernen, was Frauen automatisch können", wollte die Landtagsabgeordnete der Freien Wähler deren Selbstbewusstsein gestärkt wissen. Dass sie gemessen am Bevölkerungsanteil in der Politik drastisch unterrepräsentiert seien, führte sie auf "die Angst der Männer vor der Parität" und auch darauf zurück, "dass Frauen nicht gerne Frauen wählen". Wäre dies anders, sehe es in den Rathäusern und Parlamenten sicher anders aus, war man auch im Publikum überzeugt. Also sollten sie "nicht weiter nur die Lücken zwischen den Männern schließen", war da beim Ausstellungsrundgang zu vernehmen.

Dass der bayerische Landtag eines der Parlamente mit den wenigsten Frauen in Deutschland und das auch noch mit rückläufiger Tendenz bei der letzten Wahl sei, fand die Abgeordnete Gabi Schmidt beschämend. Es gelte die Frauen also "nach vorne zu schubsen" rief sie in der launigen Eröffnungsrede mit so vielen Vorzügen der "anderen Politik der Frauen" und was diese "in der Politik alles leisten können" auf, dass sich Landrat Weiß schon hilfesuchend zur Rettung der Männerehre nach der Gleichstellungsbeauftragten Luise Dreise im Publikum umsah. In dem freute er sich, auch die ehemaligen Parlamentarierinnen Christa Götz und Hildegard Simon unter den Kreisrätinnen begrüßen zu können.

Mehr Frauen auf den Bürgermeisterstuhl

Von der nahen Kommunalwahl erhofft sich Weiß, "dass sie wieder mehr Frauen auf den Bürgermeisterstuhl bringt". Schließlich halte aktuell Dr. Birgit Kreß als einzige Bürgermeisterin bei 38 Gemeinden deren Fahnen hoch. Auch dem Kreistag würden seiner Meinung nach beim Überhang von 45 Männern gegenüber 16 Frauen "weitere Politikerinnen gut tun". Er begrüße deshalb, dass die Wanderausstellung auf Initiative vom MdL Schmidt in Neustadt Halt mache. Mit den dargestellten Leistungen der Landespolitikerinnen von 1946 bis 2016 sowie den allgemeinen Informationen über Frauen und ihre Rolle im Bayerischen Landtag könne sie anregen, sich "auch politisch zu engagieren und selbstbewusst ein Amt anzustreben". Er wünsche sich "noch viele weitere KollegInnen in der Politik" erklärte Landrat Helmut Weiß mit dem Wunsch eines guten Ausstellungsbesuches.

Auch über die stellvertretende Vorsitzende der Freie-Wähler-Landtagsfraktion, Gabi Schmidt, wird in den Portraits engagierter Politikerinnen berichtet. © Harald Munzinger


Auf beleuchteten Stelen werben die einstige Landtagspräsidentin Barbara Stamm und ihre Nachfolgerin Ilse Aigner dafür, dass "Männer und Frauen die politische Verantwortung gemeinsam angehen" und den Frauenanteil so zu erhöhen, dass er der gesellschaftlichen Realität zumindest annähernd entspreche. Wie weit er davon entfernt ist, zeigte Markt Erlbachs Bürgermeisterin Dr. Birgit Kreß mit Zahlen aus den Chefetagen der Wirtschaft mit 9,2 Prozent Frauen, wie auch aus dem Bundes- und dem Landtag (27 Prozent) mit der Feststellung auf, dass es "in den bayerischen Rathäusern noch sehr viel ‚mauer‘ aussieht". Nur fünf der 71 Landratsämter würden von Frauen geführt, nur knapp über acht Prozent der 2100 Bürgermeisterstühle von ihnen besetzt. Im Landkreis ist sie selbst der lebende Beweis für ein krasses Missverhältnis.

"Frauen führen Kommunen" macht Mut

Das sollte sie mit einigen Kolleginnen motivieren, in Bayern die Arbeitsgemeinschaft "Frauen führen Kommunen" zu gründen, als deren Sprecherin es Dr. Birgit Kreß "eine Herzensangelegenheit ist, für mehr Frauen in den Parlamenten zu werben". Diesen Mut zu machen, sei wichtig, "weil Frauen viel zu selbstkritisch sind, ihre Eignung oder Qualifikation viel zu oft und zu schnell in Frage stellen, in allem perfekt sein und natürlich auch ihrer Rolle als Mutter gerecht werden wollen". Wie die Ausstellung die bisherigen Leistungen der Politikerinnen würdige, die sich in den Parlamenten für das Grundgesetz und für die Gleichstellung von Mann und Frau eingesetzt hatten, verband sie Dr. Kreß zugleich mit der Aufforderung, "im Kampf um eine paritätische Besetzung der politischen Mandate und Ämter nicht nachzulassen".

Deshalb sei die Ausstellung so wichtig und sollte in breiten Kreisen der Bevölkerung Beachtung finden, betonte die Markt Erlbacher Bürgermeisterin bei der gut besuchten Eröffnung. Bei der gab sie den Frauen den Rat "Frauen zu wählen, was bisher missachtet" worden sei und rief ihnen zu: "Traut Euch alles zu, denkt nicht zu viel nach, macht einfach!". Bis 17. Januar kann die Ausstellung während der Dienstzeiten der Kreisverwaltung kostenfrei besichtigt werden.

Barbara Stamm in Herbolzheim

"Starke Frauen starke Worte" lautet der Titel einer Tagungsreihe der Hanns-Seidel-Stiftung. Diese lädt in Kooperation mit dem "Ring junger Landfrauen" zu diesem Thema "im Gespräch mit Landtagspräsidentin a. D. Barbara Stamm" am Dienstag, 21. Januar, um 19.30 Uhr in das Gasthaus "Grüner Baum" in Herbolzheim ein. Staatsministerin a. D. Prof. Ursula Männle heißt die Gäste mit Yvonne Scheitacker vom "RjL willkommen, das Gespräch von Barbara Stamm mit dem Publikum wird Margarethe Stadlbauer von der Hanns-Seidel-Stiftung moderieren. Anmeldungen sind bis spätesten 17. Januar per Email unter ref309@hss.de oder per Fax 089/1258338 beziehungsweise telefonisch (089/1258237) möglich.

Harald J. Munzinger

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