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Auch gegen Corona? Sport ist wie Impfung für das Immunsystem

Laut einer Studie kann Aktivität vor Infektionen und Erkrankungen schützen - 26.08.2020 11:12 Uhr

Bereits mäßiges Ausdauertraining unterstützt das Immunsystem. Der Körper wird besser durchblutet.

25.08.2020 © Foto: colourbox.de


Peter Renner hält sich mit Fahrradfahren fit – auch, oder vielmehr gerade in dieser vom Coronavirus geprägten Zeit. Viele seiner Bekannten, ebenfalls passionierte Radsportler, treten ebenso regelmäßig in die Pedale und verbringen ihre freie Zeit auf dem Mountainbike an der frischen Luft.

Was vielen von Renners Freunden sicherlich nicht bewusst ist: Ihr Hobby macht nicht nur Spaß, es wirkt wie eine Impfung für ihr Immunsystem und kann vor Infekten schützen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Sporthochschule Köln, die bereits vor der Pandemie durchgeführt und veröffentlicht wurde und aufgrund der aktuellen Lage reichlich Beachtung findet.

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Peter Renner ist nicht nur Sportler, sondern auch Arzt in der Kardiologie am Klinikum Süd in Nürnberg und betreut gemeinsam mit Kollegen die Fußballprofis der SpVgg Greuther Fürth. Schon lange rät er seinen Patienten, ihr Herz-Kreislauf-System zu trainieren. In diesen Zeiten gerne auch mal mit etwas Nachdruck. "Es geht nicht um Spitzensportler", beschwichtigt der Mediziner und empfiehlt moderates Training, ohne sich bis zum Anschlag auszupowern. "Beim Joggen sollte man sich noch unterhalten können." Zudem soll die Bewegung regelmäßig erfolgen: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt zweieinhalb Stunden pro Woche.

Mehr entzündungshemmende Immunzellen im Blut

Bereits mäßiges Ausdauertraining unterstützt das Immunsystem. Der Körper wird besser durchblutet, die Zahl der weißen Blutkörperchen steigt und Abwehrstoffe werden freigesetzt. Die Kölner Forscher untersuchten für ihre Studie unter anderem Spieler der deutschen Hockey-Olympiamannschaft. Die hatten nachweislich mehr entzündungshemmende Immunzellen im Blut, die sogenannten regulatorischen T-Zellen, als Bewegungsmuffel.

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Aber: Zu oft oder zu lange joggen oder schwimmen könnte einen gegenteiligen Effekt haben. Mediziner Renner spricht in diesem Zusammenhang vom "Open Window". Nach einer intensiven Trainingseinheit oder einem Wettkampf ist der Körper kurzfristig geschwächt – und damit anfälliger für einen Schnupfen. Beansprucht man den Körper zu sehr, kann der Stress das Eindringen und Vermehren eines Virus gar begünstigen.

"Bewegung ist das beste Medikament"

Generell, so Renner, würde er nicht die kühne These aufstellen, dass Sport vor Corona schütze. Aber: In seinem Bekanntenkreis gab es Infizierte, die nach einer Infektion schnell wieder auf die Füße gekommen seien. Renner erzählt auch vom Verwandten eines Kollegen, der wegen Corona auf Station lag. Der Senior überstand die Erkrankung erstaunlich gut. Vielleicht, weil er sportlich aktiv war?

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Belege, dass Sportler eine Corona-Erkrankung mit milden Symptomen überstehen, gibt es nicht, lediglich sind in den vergangenen sechs Monaten Tendenzen sichtbar geworden. Dass Bewegung einen positiven Einfluss auf Körper und Geist hat, ist nicht neu. In der DenkSport-Studie überprüften Forscher, wie sich Sport auf eine Demenzerkrankung auswirken kann. Bei den Betroffenen, die zweimal pro Woche Bewegung hatten, nahm die kognitive Leistung zu. Außerdem zeigten sie mehr Lebensfreude. Denn Sport erzeugt Glückshormone im Körper.

"Ich bin davon überzeugt, dass die Bewegung das beste Medikament ist, das wir auf dem Markt haben", sagt Renner. Sport diene der Prophylaxe, man müsse lediglich herausfinden, welchen man gerne mache. Es muss ja nicht unbedingt Radfahren sein.


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