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Donnerstag, 18.07.2019

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Auf dem Main-Donau-Kanal geht nichts mehr: 108 Schiffe sitzen fest

Wegen einer Havarie in der Schleuse Riedenburg ist Schiffsverkehr blockiert - 18.06.2019 07:21 Uhr

Auch in Nürnberg stauten sich die Schiffe. © Daniel Karmann/dpa


Ob er dem ganzen Dilemma nicht auch etwas Positives abgewinnen könne? Wolfgang Mayer verfällt in Galgenhumor: "Na ja, endlich kann man mal die Revisionsarbeiten konzentriert erledigen – ohne immer wieder vom Schleusen unterbrochen zu werden." Das ist alles, was dem 53-jährigen Binnenschiffer an Positivem einfällt, wenn er auf die Zwangspause im Nürnberger Hafen zu sprechen kommt.

Der Kapitän des Erzfrachters "Main" muss sich wegen einer Schiffshavarie in der Schleuse Riedenburg gedulden. Vor knapp zwei Wochen hatte dort ein Passagierschiff bei der Einfahrt das Schleusentor so stark beschädigt, dass es nicht mehr geschlossen werden kann. Die Wasserschutzpolizei Beilngries vermutet, dass der Unfall aus Unachtsamkeit geschehen sei, die Untersuchungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Dem Fahrer droht ein Bußgeld. Am Mittwochabend sollen die Baumaßnahmen abgeschlossen sein und die Wasserstraße für den Verkehr freigegeben werden.

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Stau auf dem Kanal: Schleusen-Panne legt Schiffsverkehr lahm

Vor knapp zwei Wochen hatte ein Passagierschiff auf dem Main-Donau-Kanal das Schleusentor an der Schleuse Riedenburg so stark beschädigt, dass sie nicht mehr geschlossen werden kann. Seitdem stauen sich die Schiffe auf dem 160 Kilometer langen Main-Donau-Kanal. Von 108 angestauten Schiffen stehen 60 davon bei Nürnberg.


Mayer ist nicht der einzige Binnenschiffer, der ungeduldig auf die Freigabe der Kanalpassage wartet. Bis zum Montag ist der Schiffsstau nach Angaben des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Nürnberg auf 108 Schiffe angewachsen. 60 davon hatten gestern bei Nürnberg, 48 in oder in der Nähe von Regensburg einen Zwangsstopp eingelegt.

Passagiere müssen umdisponieren

Schwierig ist die zehntägige Blockade für alle Arten von Schiffen. 36 Flusskreuzfahrtschiffe mit durchschnittlich 100 bis 130 Passagieren an Bord müssen derzeit umdisponieren. Wie sehr, lässt sich derzeit am Nürnberger Europakai erleben. Dort herrschte am Montag ungewohnt geschäftiges Treiben: Entlang der ankernden Flusskreuzfahrtschiffe reiht sich Omnibus an Omnibus. Helfer wuchten Gepäckstücke in Lieferwagen – oder in die Schiffe. Je nachdem, ob Passagiere gerade ein- oder ausgeschifft werden.

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Ausnahmezustand am Hafen: Nürnberg übt den Katastrophenfall

Am Samstag haben Nürnberger Einsatzkräfte der Feuerwehr, der Rettungsdienste und des THW den Katastrophenfall geübt. Das Übungsszenario war der Brand eines Großtanks mit insgesamt zwölf Verletzten am Nürnberger Hafen. Insgesamt waren 900 Personen beteiligt. Um die Lage weiter zu verschärfen, kollidierte ein besetzter Nahverkehrsbus mit der Hafenbahn. Als Teil der Übung wurden die Verletzten auch in die Nürnberger Krankenhäuser gebracht.


Während auf anderen Schiffen Passagiere auf dem Sonnendeck die milde Sonne genießen, schrubben auf der "Avalon Tranquility II" Crew-Mitglieder die Außendecks. Die letzten Passagiere haben das Schiff eine Stunde zuvor verlassen. Sie werden ihre Reise nach Wien in Regensburg oder von einem anderen Donau-abwärts gelegenen Hafen fortsetzen.

Genau weiß es aber auch der Kapitän der "Avalon Tranquility II", Matej Chudik, nicht. Mit seinem Schiff sitzt er seit Samstag fest. "Wir waren unterwegs nach Budapest – das schaffen wir jetzt nicht mehr", sagte Chudik. Insgesamt sieht er die Lage aber gelassen: "Das ist Verkehr. Mit so was muss man immer rechnen."

Den Binnenschiffer Mayer trifft der Zwangsstopp finanziell hart. Er hat in Rotterdam Eisenerz für Stahlwerke im österreichischen Linz geladen. Und jetzt liegt er fest: "Zurück können wir nicht, und vorwärts geht auch nichts." Der wirtschaftliche Schaden für ihn sei enorm: "Wir verlieren jeden Tag 1900 Euro." Ein Schaden, der sich in den kommenden Monaten nicht mehr ausgleichen lasse – und für den es praktisch keine Versicherung gebe. 

dpa/nn

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