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Auf der A73 überfahrene Wölfin war noch kein Jahr alt

Experten vermuten: Jungtier war auf der Suche nach neuem Territorium - 26.03.2019 15:53 Uhr

Auf der A73 wurde am Freitag eine Wölfin überfahren. © Monika Skolimowska, dpa


Knapp elf Monate alt war das Tier, dessen Kadaver äußerlich unversehrt aufgefunden worden war und sich derzeit für weitere Untersuchungen im Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen befindet. Wölfe unter zwölf Monaten gelten noch als Welpen. Mit einem bis eineinhalb Jahren sind die Beutegreifer dann ausgewachsen und geschlechtsreif.

Das LGL nimmt derzeit eine Sektion des Tieres vor, die einer Obduktion beim menschlichen Leichnam gleicht. Darüber hinaus werden genetische Untersuchungen von Gewebeproben vorgenommen, um die genaue Herkunft des jungen Wolfes zu klären. Die Ergebnisse der Pathologie werden in ein paar Tagen oder sogar Wochen vorliegen, erklärte ein LGL-Sprecher. Das Tier werde zwar in der Pathologie des LGL untersucht, doch zuständig sei offiziell das Landesamt für Umweltschutz (LfU).

Hier gibt es alle Infos zum Thema Wolf in der Region

Das LfU in Augsburg ist für das Monitoring der bayerischen Wölfe zuständig. Seit 2006 werden dort alle Beutegreifer, die in Bayern tot oder lebendig gesichtet wurden, kategorisiert. Wann immer es möglich ist, werden genetische Proben genommen.

Tiere werden mit Sichtungsnummern versehen

Jedes Tier erhält nach der Sichtung und Untersuchung eine Lebensnummer, so dass es dem LfU möglich ist, manche Tiere zu identifizieren und ihren Bewegungsradius nachzuvollziehen. Nach derzeitigen Erkenntnissen der Behörde muss man davon ausgehen, dass jederzeit einzelne Wölfe zu- oder durch den Freistaat wandern – sowohl aus dem Nordosten Deutschlands sowie Polen und Tschechien als auch aus dem Alpenbogen. Gerade junge Rüden wandern auf der Suche nach einem eigenen Territorium sehr weite Strecken.

Reichswald: Was, wenn der Wolf auch nach Nürnberg kommt?

Wolfsberater Manfred Wölfel, der im LfU ansässig ist, hat die Vermutung, dass es sich bei der überfahrenen Wölfin um ein Jungtier aus dem Veldensteiner Forst gehandelt hat. Dort wurden im vergangen Jahr insgesamt vier Welpen geboren, die jetzt das Alter erreicht haben, wo sie sich einen Partner und ein eigenes Territorium suchen. Deshalb ist es zumindest nicht auszuschließen, dass weitere junge Wölfe in den mittel- und oberfränkischen Wäldern unterwegs sind. Im Veldensteiner Forst hat sich seit ein paar Jahren ein Wolfsrudel fest angesiedelt, ebenso im Nationalpark Bayerischer Wald und auf dem Truppenübungsplatz in Grafenwöhr. Alle übrigen gesichteten Wölfe sind quasi auf der Durchreise.

Röntgenbefund klärt Todesursache

Die junge Wölfin, die bei Möhrendorf überfahren wurde, erlag inneren Verletzungen. Dies belegt ein Röntgenbefund, der Hinweise auf eine absichtliche Tötung des Tieres durch Messerstiche oder Einschüsse ebenso ausschließt wie eine Trächtigkeit oder Mutterschaft des Tieres.

Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken sagte im Gespräch mit unserer Zeitung: "Vermutlich ist der Wolf von einem Lkw überrollt worden, dessen Fahrer gar nicht gemerkt hat, dass er ein so großes Tier erwischt hat. Bei einem Pkw wäre ein ziemlich großer Schaden entstanden."

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Hannah Reuther-Özel, Sprecherin des Landratsamts Erlangen-Höchstadt, ist über den Fund des Wolfes ganz aus dem Häuschen: "Es handelt sich um den allerersten Wolf, der je im Landkreis Erlangen-Höchstadt gefunden worden ist. Eine Premiere."

Michaela Zimmermann

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