Fälle in mehreren Bundesländern

Ausbruch der Affenpocken: Bayerische Gesundheitsämter bereiten sich vor

Isabella Fischer
Isabella Fischer

Hochschule & Wissenschaft

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24.5.2022, 14:55 Uhr

Anfang Mai wurde der erste Affenpocken-Fall in Großbritannien nachgewiesen, seitdem kursiert der Erreger in mehreren Ländern, auch in Deutschland wurden bereits Fälle in Bayern, Berlin, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg registriert.

Ein Grund zur Besorgnis für die allgemeine Bevölkerung besteht derzeit nach Experteneinschätzung allerdings nicht. Das allgemeine Infektionsrisiko für die Bevölkerung in Bayern wird vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), genauso wie vom Robert Koch-Institut (RKI), nach bisherigen Erkenntnissen als gering erachtet.

Das Bayerische Gesundheitsministerium geht davon aus, dass es künftig weitere Fälle geben wird und sieht sich gut vorbereitet. "Die rasche Reaktion auf den ersten Fall in München zeigt, wie gut die Zusammenarbeit zwischen Ärztinnen und Ärzten, Labor, Klinik und dem Öffentlichem Gesundheitsdienst funktioniert – in Bayern, aber auch darüber hinaus mit dem Robert Koch-Institut (RKI) und Expertinnen und Experten landesweit", sagte ein Sprecher. Vorsorglich hat das Gesundheitsministerium Ende letzter Woche alle bayerischen Gesundheitsämter informiert und um erhöhte Aufmerksamkeit gebeten.

Isolation für Infizierte?

"Sollten weitere Fälle von Affenpocken auftreten, wird für diese sofortige Isolation angeordnet", gab der Sprecher bekannt. Ebenso seien Ärztinnen und Ärzte aufgerufen, die Affenpocken bei entsprechenden Hautveränderungen und Hinweisen in der Krankengeschichte in die diagnostischen Überlegungen einzubeziehen. Auch enge Kontaktpersonen sollen unter Beobachtung gestellt und bei engem Kontakt zu einem Infizierten eine Quarantäneanordnung durch das zuständige Gesundheitsamt erhalten.

Am Dienstag gab Bundesgesundheitsminister Lauterbach bekannt, dass Infizierte künftig mindestens 21 Tage in Isolation müssen auch Kontaktpersonen sollen drei Wochen in Quarantäne geschickt werden. "In den frühen Phasen einer Epidemie muss hart und früh reagiert werden", sagte Lauterbach am Rande des Deutschen Ärztetages in Bremen. Die Empfehlung wurde zusammen mit dem Robert Koch-Institut (RKI) entwickelt.

Auch zum Thema Impfen gibt es vom Bund nun einen ersten Fahrplan. Der in Deutschland eingelagerte Pocken-Impfstoff sei laut Lauterbach aufgrund der Nebenwirkungen nicht für Affenpocken geeignet. Die Bestellung eines anderen Impfstoffes sei geplant. "Wir besorgen den Impfstoff prophylaktisch. Wenn die Ausbrüche weiter ansteigen, kann eine Ringimpfung in Frage kommen", erklärte Lauterbach. Diese würde für Infizierte und Kontaktpersonen in Frage kommen, da die Impfung auch vier Tage nach einer möglichen Infektion schützen kann.

Auch der Virologe Prof. Armin Ensser vom Erlanger Universitätsklinikum sprach sich für eine Impfung, vor allem für Menschen mit einer Abwehrschwäche wie das HI-Virus, aus. Neben einer Impfung ist auch die Behandlung mit antiviralen Medikamenten, wie Cidofovir oder Tecovirimat, möglich.

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