Dienstag, 20.04.2021

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Autobahn-Baustellen in der Region: Hier stockt 2021 der Verkehr

Am Kreuz Nürnberg-Ost entsteht ein Overfly - die A73 wird fertig - 04.01.2021 12:52 Uhr

Mit diesem Overfly, einer 586 Meter langen Seilbrücke mit fünf Pfeilern, wird künftig der Verkehr von der A6 aus Richtung Heilbronn auf die A9 in Richtung Berlin geführt. 

03.12.2020 © Autobahndirektion Nordbayern


Die Gelder für Autobahn-Ausbau und -Instandhaltung fließen auch im Jahr 2021 reichlich. 540 Millionen Euro stehen der Autobahndirektion Nordbayern dafür zur Verfügung, der seit 2017 anhaltende Finanz-Hochlauf hält also weiter an. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 gab es gerade mal 218 Millionen Euro.

Die vielen Ausbau-Projekte resultieren aus einem stetig gewachsenen Verkehrsaufkommen, denen etliche Abschnitte und Kreuzungspunkte nicht mehr gewachsen waren.

Verkehr nahm nach erstem Lockdown wieder zu

Die Corona-Pandemie ändert an der Belastung der Strecken nur wenig. Im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 brach der Verkehr zwar stark ein, bis zum Juli war er dann aber wieder auf normalem Niveau. Beim Lkw-Verkehr gab es nur über Ostern eine kleine Delle, sonst blieb er praktisch gänzlich unbeeindruckt von der Pandemie.

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Wenn die Menschen sich wieder trauen, öfter öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, könnte sich aber etwas ändern. "Nach menschlichem Ermessen müsste der Pkw-Verkehr leicht zurückgehen, der Lkw- und Lieferverkehr dagegen stabil bleiben oder leicht steigen", meint Reinhard Pirner. Der Präsident der Autobahndirektion Nordbayern rechnet mit einem anhaltenden Trend zu Homeoffice und Videokonferenzen. "Früher bin ich wegen einer einstündigen Besprechung nach München gefahren. Das macht man heute nicht mehr", sagt er.

Lieferengpässe aus dem Ausland

Auf die Baustellen hat sich Corona nur wenig ausgewirkt. Zwar mussten einige Baustellen wegen Corona-Fällen vor Ort oder Lieferengpässen aus dem Ausland kurzfristig eingestellt werden, überall konnte der Rückstand aber wieder aufgeholt werden.

Dass die Autobahndirektion zum 1. Januar 2021 in der neuen Autobahn GmbH des Bundes aufgeht, ändert bis auf E-Mail-Adressen und Türschilder nur wenig. Alle Standorte und Mitarbeiter bleiben erhalten. Wenn ab dem Jahr 2025 die meisten großen Neubau-Projekte abgeschlossen sind, wird es natürlich automatisch weniger Geld geben, dafür können von Nürnberg aus aber auch Projekte jenseits der bayerischen Landesgrenzen geplant werden, etwa im angrenzenden Hessen.

Wie geht der A6-Ausbau weiter?

Der sechsstreifige Ausbau der A6 zwischen Schwabach-West und Roth wurde 2020 mit einem Jahr Verzögerung endlich abgeschlossen. Ursprünglich sollte gleich im Anschluss der elf Kilometer lange Abschnitt bis zum Heilsbronner Ortsteil Triebendorf östlich von Neuendettelsau verbreitert werden.

Doch daraus wird vorerst nichts, obwohl 2021 der Planfeststellungsbeschluss erwartet wird. Eine Finanzierung ist erst ab dem Jahr 2030 gesichert, andere Projekte haben Vorrang. Immerhin: Falls es doch keine Konkurrenzprojekte geben sollte (wie in der Vergangenheit schon öfter der Fall), wäre ein Baubeginn theoretisch im Jahr 2022 möglich.

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Dauerbaustelle A6: Die Ost-West-Magistrale in Bildern

Lange hatte die A6 nur untergeordnete Bedeutung. Bis 1973 endete sie noch in Schwabach, erst 1979 war sie durchgängig bis Heilbronn ausgebaut. Die Lkw-Kolonnen rollten aber erst in den 1990ern mit dem Ende des Eisernen Vorhang, seitdem nimmt der Verkehr stetig zu.


Zwar nimmt die Verkehrsbelastung westlich von Schwabach ab. Von den etwa 60.000 Fahrzeugen am Tag sind allerdings 25 bis 27 Prozent Lkw, ein enorm hoher Anteil. "Im Prinzip steht Autofahrern also nur eine Spur zur Verfügung, weil die andere fast immer von Lkw besetzt ist. Die A6 besitzt hier eine geringe Leistungsfähigkeit, die Verkehrsqualität ist extrem schlecht", betont Pirner.

Sicher hingegen ist der sechsstreifige Ausbau der neun Kilometer langen Strecke zwischen der Landesgrenze zu Baden-Württemberg und dem Kreuz Feuchtwangen/Crailsheim. 2021 laufen auf dem Abschnitt vorbereitende Maßnahmen, im Jahr 2022 wird mit dem Bau der Fahrbahnen begonnen.

Am Kreuz Nürnberg-Ost entsteht der Overfly

Richtig ernst wird es beim schon 2019 begonnenen Ausbau des Autobahnkreuzes Nürnberg-Ost, dem Schnittpunkt von A6 und A9 bei zwischen Feucht, Altenfurt und Fischbach. 2021 und 2022 sind hier die größten Einschränkungen während der Bauzeit zu erwarten. Auf 2,5 Kilometern Länge wird die Hauptfahrbahn in Richtung München ausgebaut.

So sieht man künftig den neuen Overfly, wenn man auf der A9 in Richtung München unterwegs ist.

03.12.2020 © Autobahndirektion Nordbayern


Für 118 Millionen Euro wird das Kreuz ertüchtigt. Viel Geld verschlingt dabei vor allem der neue Overfly, der den Verkehr auf zwei Spuren von der A6 aus Richtung Heilbronn auf die A9 in Richtung Berlin führt und das Kreuz bei dieser viel genutzten Verbindung leistungsfähiger macht. 2021 werden die Rampen für diese 586 Meter lange Seilbrücke mit nur fünf Pfeilern gebaut. Ende 2024 soll alles fertig sein.

Achtstreifiger A9-Ausbau bei Fischbach

Zwischen den Kreuzen Nürnberg-Ost und Nürnberg soll die A9 auf diesem extrem belasteten Abschnitt achtstreifig ausgebaut werden. Eigentlich sollte die technische Planung dafür bereits Ende 2020 abgeschlossen sein. Dass dies nicht gelungen ist, ist allerdings eine gute Nachricht für die Anwohner: Ab 1. März 2021 gilt nämlich eine neue Lärmschutz-Richtlinie des Bundes.

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Wie kennen sie aus den Verkehrsnachrichten oder von der Fahrt nach Berlin. Sie war täglich in den Schlagzeilen, als 1989 die Mauer fiel. Nach der Wende wurde sie als Projekt Deutsche Einheit sechsspurig ausgebaut. Die A9 ist mit 530 Kilometern eine der längsten deutschen Fernstraßen - die Geschichte eines Fernwegs in Bildern.


"Die bringt deutlich höhere Lärmschutz-Anforderungen, deshalb müssen wir nachjustieren", erklärt Pirner. Bis Mitte 2021 soll nun die technische Planung fertig sein. Dann werden die Pläne der Stadt vorgestellt und das Planfeststellungsverfahren eingeleitet. "Theoretisch könnten wir den Lärmschutz vorziehen und gleich nach Abschluss des Umbaus des Kreuzes Nürnberg-Ost damit beginnen", kündigte Pirner an.

Mega-Baustelle an der A3

Die A3 zwischen den Kreuzen Fürth/Erlangen und Biebelried wird bis Ende 2025 auf 71 Kilometern im Rahmen ein ÖPP-Projektes von einem privaten Investor sechsstreifig ausgebaut. 2021 werden die Abschnitte zwischen Höchstadt-Ost und Erlangen-Frauenaurach in Richtung Nürnberg sowie zwischen Pommersfelden und Schlüsselfeld und zwischen Geiselwind und Wiesentheid in Richtung Würzburg erweitert.


Erste Grünbrücke in der Region: Hirsche überqueren die Autobahn


Viele Kilometer weiter östlich wird die 475 Meter lange Talbrücke Krondorf bei Velburg (Landkreis Neumarkt) erneuert. Der Ablauf ist ähnlich wie bei der 630 Meter langen Talbrücke Unterrieden bei Altdorf an der A6, die bis Ende 2024 fertig sein soll.

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Mega-Bauwerk an der A6: die Geschichte der Talbrücke Unterrieden

Die knapp 630 Meter lange und fast 50 Meter hohe Talbrücke Unterrieden an der A6 bei Altdorf ist eines der gewaltigsten Brückenbauwerke der Region. Bei der Einweihung 1967 rechnete man nicht mit den heutigen Verkehrsmassen, weshalb der Koloss abgerissen und neu gebaut werden muss. Beeindruckende Bilder zeigen die historische Brücke, den beginnenden Abriss und die Zukunftsvision für das Bauwerk.


In Krondorf wird ab Anfang 2021 zunächst die Teilbrücke mit der Fahrbahn in Richtung Nürnberg abgerissen, der ganze Verkehr wird auf direkt danebenstehende Brücke mit der Fahrbahn in Richtung Regensburg verlegt.

AK Fürth/Erlangen darf nicht AK Erlangen heißen

Vor einigen Jahren brachte der damalige bayerische Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) die sicher inhaltlich sinnvollere Umbenennung des Autobahnkreuzes Fürth/Erlangen in Autobahnkreuz Erlangen ins Spiel. Und nicht nur das: Es kam zu einem offiziellen Anhörungsverfahren mit Bezirksregierung, Polizei und Kommunen.

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Brückenbauten, eine Quelle und Unfälle: Die Geschichte der A3

Die A3 ist mit 769 Kilometern die zweitlängste Autobahn Deutschlands und durchquert die Metropolregion Nürnberg. Unfälle, aufwändige Brückenbauten und der Fund einer Quelle am Straßenrand: Wir blicken in die vielseitige Geschichte der Autobahn.


Die Autobahndirektion empfahl daraufhin dem Bundesverkehrsministerium im September 2017 die Umbenennung des Kreuzes - doch ohne Erfolg. Nur zwei Monate später wurde der Antrag in Berlin abgelehnt.

Nichtsdestotrotz erfolgt im Jahr 2021 der Endspurt beim Umbau des Kreuzes, einem 220-Millionen-Euro-Projekt. Der Ausbau war nötig geworden, weil das Kreuz eigentlich bereits im Jahr 2005 seine Kapazitätsgrenze erreicht hatte. 2021 erfolgt der Vollausbau im Abschnitt östlich der Flutbrücke bis zur Bahnbrücke in Richtung Würzburg. Auf beiden Fahrbahnen wird zudem noch Flüsterasphalt aufgebracht, der Lärmschutz auf der Flutbrücke wird überdies ergänzt. Mitte August sollen alle Arbeiten am Kreuz erledigt sein.

Sechsstreifiger Ausbau durch Erlangen?

Etwas länger dauert es nur mit dem Lärmschutz an der A73 im Bereich Eltersdorf. Während Eltersdorf-West schon 2021 aufatmen kann, wird sich die Errichtung des Lärmschutzes für Eltersdorf-Ost bis ins Jahr 2022 hineinziehen.


Stau-Frust: Warum Autobahnbaustellen so lange dauern


Weiter wird der Plan verfolgt, die A73 zwischen dem Kreuz Fürth/Erlangen und Erlangen-Bruck sechsstreifig auszubauen. Im Gespräch sind dafür sowohl eine Einhausung des Abschnitts als auch die deutlich teurere Tieferlegung der Strecke. Der Bund erstellt hierfür eine Kosten-Nutzen-Analyse.

Endspurt beim A73-Ausbau bei Nürnberg-Hafen

Eigentlich sollte der Ausbau der A73 zwischen der Anschlussstelle Nürnberg-Hafen-Ost und dem Kreuz Nürnberg-Süd mit dem Jahreswechsel weitgehend beendet sein, 2021 sollte nur noch der offenporige Asphalt aufgetragen und der Lärmschutz abgeschlossen werden. Nun muss dieses Jahr aber auch noch der Abschnitt zwischen dem Kreuz Nürnberg-Süd und Zollhaus ausgebaut werden, weil dieser Teil 2020 nicht mehr geschafft wurde. Immerhin: Den Winter hindurch stehen drei Fahrstreifen pro Richtung zur Verfügung.

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Was lange währt: Wie der Frankenschnellweg zur A73 wurde

Die allerersten Überlegungen für den Bau des Frankenschnellwegs reichen zurück bis Anfang der 1920er Jahre. Doch bis die Autobahn 73 zwischen Suhl und Nürnberg durchgängig befahrbar war, sollte es noch über 80 Jahre dauern - auch, weil der Weiterbau durch Proteste und Klagen immer wieder ins Stocken geriet.


Die Autobahndirektion betont, dass beim Lärmschutz die Lücken geschlossen und alle Grenzwerte eingehalten werden. Die Stadt Nürnberg und der Freistaat Bayern finanzieren aber zusätzlich auf 1,4 Kilometern Länge eine drei Meter hohe Gabionenwand, die auf den Lärmschutz der Autobahndirektion obendrauf kommt. Sie soll in der angrenzenden Gartenstadt für mehr Ruhe sorgen. Im Oktober 2021 soll bis auf letzte Arbeiten am Lärmschutz alles fertig sein.


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