Bedrohtes Kulturgut

200 Jahre alte Graffiti: In der Fingalshöhle haben sich schon Adelige verewigt

9.9.2021, 18:04 Uhr
An der Fingalshöhle im Sontheimer Wald haben sich so manche Adelige in der Vergangenheit verewigt.

An der Fingalshöhle im Sontheimer Wald haben sich so manche Adelige in der Vergangenheit verewigt. © Hans-Bernd Glanz, NN

„Die Fingalshöhle ist eines der wenigen Kulturgüter im Gemeindegebiet“, erläuterte Illesheims Bürgermeister Roland Scheibenberger bei der Gemeinderatssitzung am Montagabend. Die Inschriften für die Nachwelt über den Denkmalschutz zu erhalten, beschäftigte schon dessen Vorgänger Heinrich Förster, wurde aber abgelehnt. Durch ein mit Leader-Mitteln über die Lokale Aktionsgruppe Aischgrund (LAG) gefördertes Projekt könnten sie nun gesichert werden.

Die Fingalshöhle, ein aufgelassener Sandsteinbruch und Geotop, lieferte beispielsweise Material für die Bad Windsheimer Stadtmauer, wie Scheibenberger erklärte. Teilweise über 200 Jahre alte Inschriften finden sich darin, unter anderem hatten sich Adelige verewigt. Ziel sei es nun, diese fotografisch zu sichern. Durch Nässe und den Verfall würden die Schriften nach und nach verloren gehen. Der Eingriff in den Sandstein sei nicht erlaubt, erläuterte Scheibenberger. Ein professioneller Fotograf würde beauftragt, um von den historischen Texten und beschrifteten Bäumen Fotos zu erstellen.

Die Fingalshöhle lieferte unter anderem Material für die Windsheimer Stadtmauer.

Die Fingalshöhle lieferte unter anderem Material für die Windsheimer Stadtmauer. © Hans-Bernd Glanz, NN

Drei Schautafeln sollen platziert werden, eine an der Panzerstraße, zwei weitere links und rechts von einer bestehenden Holztafel an der Höhle. Eine Broschüre existiere bereits, diese solle neu gestaltet werden. Eine Sitzgelegenheit soll zudem geschaffen und der abschüssige Trampelpfad gesichert werden. Gerade in der Corona-Zeit sei die Fingalshöhle vermehrt Ziel von Radlern, Wanderern oder Jugendlichen gewesen. Auch der Fernwanderweg Roter Flieger verlaufe in der Nähe, der die Nachbildung der Spinnerin am Kreuz in Westheim passiere und somit beide Projekte verbinde.

Eigentum der Waldgenossen

Das Besondere: Das Gebiet sei laut Scheibenberger Eigentum der Waldgenossenschaft Sontheim. Gespräche hätten bereits stattgefunden, die Projektbeschreibung liege ihnen vor, die Durchführung könne vorbehaltlich beschlossen werden, sagte Scheibenberger. Nach einem Ortstermin mit unter anderem Försterin Simone Bogendörfer hoffe der Bürgermeister auf das finale Okay.

Seitens der LAG habe Geschäftsführerin Anne Billenstein grünes Licht gegeben. 18 935,27 Euro brutto würde das Projekt kosten, 60 Prozent des Nettopreises würden gefördert, gut die Hälfte müsste also die Gemeinde tragen. „Das sollte man erhalten“, meinte Gemeinderätin Eva Reizlein, und die Räte pflichteten ihr mit ihrer Entscheidung bei.

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