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46 Kilometer für Erdgas

Das Versorgungsnetz der Stadtwerke wächst mit jedem Bauprojekt, auch wenn die Nachfrage für Anschlüsse eher sinkt. - 18.06.2019 17:50 Uhr

Die umfassende Sanierung der Spitalgasse 2017 und 2018 nutzten die Stadtwerke auch, um den Anwohnern die Möglichkeit zum Anschluss an die Erdgas-Versorgung zu bieten. Etwa ein Drittel der Grundstückseigentümer nutzte das Angebot. © Archiv-Foto: Bastian Lauer


Die beleuchtete Ausbauphase begann 2003 mit der Erschließung der Neubaugebiete Dreamland und Südlich Weinturm. Weiter wuchs das Netz mit den Baugebieten Am Zauberkraut (2010), Unterm Weinturm (2013) und Nördlich Therme (2015). Zwischen 2015 und 2018 wurden außerdem im Zuge der Straßensanierungen in der Metzger- und der Fuchsengasse beziehungsweise der Spitalgasse Versorgungsleitungen verlegt, berichtete Ströbel. Die Vorgehensweise ist dabei unterschiedlich.

Bei Neubaugebieten verlegen die Stadtwerke stets Versorgungsleitungen in alle Grundstücke, es liegt letztlich am Grundstücksbesitzer, ob er einen Anschluss zur Nutzung haben möchte. Dies sind sogenannte "teilverlegte" Anschlüsse. Bei Maßnahmen wie in der Spitalgasse nutzen die Stadtwerke die Baustelle, um Versorgungslücken im Netz zu schließen. Die Grundstücksbesitzer werden angefragt, ob sie auf Erdgasversorgung umsteigen wollen. Der Trend zeigt: Die Nachfrage sinkt.

Heizen im Bereich Metzger-/Fuchsengasse von 29 Anwesen elf nun mit Gas, nutzen in der Spitalgasse nur ganze drei von 37 Anwesen neue Anschlüsse. Auch in den Neubaugebieten sieht es ähnlich aus. Südlich Weinturm werden noch 41 von 74 Anwesen mit Gas betrieben, am Zauberkraut sechs von 20, Unterm Weinturm sind es sieben von 33. Der Anteil an vorverlegten Anschlüssen stieg demnach stetig an.

"Die Gründe hierfür sind vielfältig", erklärte Ströbel auf WZ-Nachfrage. Die Kosten für den Hausanschluss wären zu nennen oder dass die bestehende Heizung – in der Stadt oft Öl – noch so gut ist, dass eine Umstellung nicht nötig erscheint. In der Ausschusssitzung wurde dennoch deutlich, dass die Praxis zur Schließung von Versorgungslücken weiter betrieben werden soll. "Wir sollten die Chance beim Straßenbau nutzen, aber auch nur, wenn es Nutzer gibt", sagte Bürgermeister Bernhard Kisch. "Wobei die Chance auf Nutzer natürlich größer ist, wenn die Leitung erst mal liegt."

"Kritisch hinschauen"

"Sehr kritisch hinschauen" sollte man bei zukünftigen Baugebieten, meinte Matthias Helm. Neubauten seien energetisch so gut und auch die Alternativen zum Heizen werden immer besser, dass sich Gas-Anschlüsse kaum noch rechneten. Er plädierte dafür, lieber weiter Lückenschlüsse im Bestand im Auge zu haben. Die Wirtschaftlichkeit müsse man in der Tat beachten, bekräftigte Kisch.

Einen Anreiz, brachliegende Anschlüsse zu aktivieren, bietet eine Förderprämie der Stadtwerke. 300 Euro gibt es, wenn ein Anschluss, der vor dem 1. Januar 2018 verlegt wurde, noch im Kalenderjahr 2019 eine Nutzung erfährt. Ähnliche Prämien gebe es auch für vorverlegte Anschlüsse, erklärte Ströbel.

Insgesamt sind im Stadtgebiet – in den Ortsteilen gibt es kein Erdgas – nun 1320 Anschlüsse komplett verlegt. Von diesen seien etwa fünf Prozent ungenutzt, sagte Ströbel. 80 weitere Anschlüsse seien teilverlegt. Zwischen 90 und 95 Prozent aller Anwesen in Bad Windsheim sind damit mittlerweile versorgt. Das Gebiet mit den größten Lücken in der Versorgung liegt um die Hermann-Delp-Schule herum, zwischen Bodenfeldstraße im Norden, Wiebelsheimer Straße im Süden, Breslauer Ring im Westen und Berliner Straße im Osten. "Im Verhältnis zu anderen Gebieten sind es hier relativ wenige Leitungen", sagte Ströbel. Rund 46 Kilometer lang ist das Netz der Leitungen, die in der Stadt verlegt sind.

Weitere werden als nächstes westlich der Oberntiefer Straße dazukommen. Noch in diesem Jahr soll das Baugebiet Pommernstraße erweitert und erschlossen werden. "Die Gas-Anschlüsse kommen auch da wieder mit rein, das ist beschlossen", sagte Ströbel. Wie viele Anlieger sie letztlich nutzen wollen, ist freilich noch völlig offen. 

BASTIAN LAUER

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