Ab 2011 gibt es Erdgas aus Mais

23.7.2010, 09:34 Uhr
Jetzt geht's los: Die Biogasanlage ensteht im Industrie- und Gewerbepark Gollhofen-Ip­pesheim (Gollipp).

Jetzt geht's los: Die Biogasanlage ensteht im Industrie- und Gewerbepark Gollhofen-Ip­pesheim (Gollipp). © Lehner

Die N-Ergie hatte ursprünglich geplant, das Projekt gemein­sam mit der Schmack Energie Holding (SEH) umzusetzen. Doch mit der überraschenden Insolvenz der Schmack Biogas AG im Ok­tober 2009 kam alles anders. Schmack bleibt zwar als Partner im Boot, mit E.ON Bayern Wärme ist aber nun ein anderer Miteigentü­mer eingestiegen.

Bereits in einem Jahr soll die Anlage Bioerdgas aus Mais und anderen nachwachsenden Rohstoffen produzieren und in das Erdgasnetz einspeisen. Beim gestrigen Spatenstich war bei den Beteiligten Erleichterung zu spüren, dass das Projekt nun doch endlich konkret wird. Die erste Schaufel Erde warfen in die Luft (von links) Vorstandsvorsitzender der N-Ergie Aktiengesell­schaft Herbert Dombrowsky, Dr. Doris Klose-Violette als Vorsitzen­de des Zweckverbandes Gollipp, Landrat Walter Schneider, Dr. Fred Zeller als Sprecher der Liefergemeinschaft, Werner Dehmel, Geschäftsführer der E.ON Bayern Wärme und der derzeitige Ge­schäftsführer der Gollipp Bioerdgas Gmb H Dr. Jens Winkler. Rechts daneben Winklers bereits eingesetzte Nachfolger Manfred Ritz von E.ON Bayern und Franz Walter von N-Ergie. 

14 Millionen Euro werden investiert

14 Millionen werden N-Ergie und E.ON in die neue Bioerdgasanlage im Industrie­gebiet Gollipp nahe der A7 investie­ren. Schon bald sollen die Bagger anrollen, so dass in etwa einem Jahr gereinigtes Bioerdgas in die nahe Gasleitung einspeist werden kann.
 
Die Anlage nahe Gollhofen soll mit einer Leistung von 6,7 Mega­watt laufen. Ursprünglich waren nur fünf vorgesehen. Pro Jahr sol­len maximal 50 000 Tonnen Sub­stratmaterial aus nachwachsenden Rohstoffen – zum Beispiel Mais­und Grassilage sowie Zwischen­früchte – verarbeitet werden und so rund 50 Millionen Kilowattstunden Bioerdgas produziert werden. Die­ses wird auf Erdgasqualität gerei­nigt und in das Erdgasnetz der N-Ergie eingespeist. Genau diese Einspeisung ins Erdgasnetz ist das Entscheidende an dem Projekt.
  Dadurch „können wir das Gas auf die Reise schicken und somit stand­ortunabhängig einsetzen“, erklärte Werner Dehmel, Geschäftsführer von E.ON Bayern Wärme, dem neuen Partner der N-Ergie. Je zu 50 Prozent halten die beiden Energie-Unterneh­men Anteile an der im September 2009 gegründeten Gollipp Bioerdgas Gmb H & Co. KG. E.ON tritt an die Stelle der im Oktober 2009 in Insol­venz gegangenen Schmack Biogas AG, die nun nur noch als Dienst­leitungsanbieter für das Rohstoff­management zuständig ist.
  Gerade nach den Verzögerung der Vergangenheit zeigte sich der Vor­standvorsitzende der N-Ergie Ak­tiengesellschaft, Herbert Dom­browsky, sehr froh über den neuen „zuverlässigen Partner mit Erfah­rung“. Und tatsächlich hat E.ON be­reits einige ähnliche Anlagen reali­siert. Seit 2008 betreibt das Unter­nehmen eine der größten Anlagen zur Erzeugung von Bioerdgas in Deutschland, im oberpfälzischen Schwandorf. In Kallmünz, ebenfalls in der Oberpfalz, entsteht derzeit eine weitere Anlage der gleichen Größenordnug wie bei Gollhofen.

Was lange währt ...

Von den ersten Überlegungen bei N-Ergie im Jahr 2007 bis zum ersten Spatenstich war es durchaus ein steiniger und langer Weg. Im März 2008 wurde noch eine Inbetriebnah­me im dritten Quartal 2009 ange­strebt. Nicht nur die unerwar­tete Insolvenz des Anteilseigners Schmack verzögerte das Projekt. Auch die Landwirte mussten erst überzeugt werden. Einige, be­sonders Betreiber kleinerer Biogas­anlagen befürchteten Nachteile durch das Großprojekt, nicht nur für sich, auch für die Region und die ländliche Struktur als Ganzes.
 Doch viele Landwirte sahen das anders und nutzten die sich ihnen bietende Chance. Laut Aussagen der N-Ergie ist die Rohstoffversorgung durch Verträge mit Landwirten aus der Region bereits zu maßgeblichen Teilen gesichert.
 
Weiß man um die Skepsis bei eini­gen möglichen Lieferanten, so hat der Dank, mit dem viele der Verant­wortlichen Dr. Fred Zeller, den Sprecher der Lieferanten, bedach­ten, noch mehr Gewicht. Dr. Doris Klose-Violette, Ippesheimer Bürger­meisterin und Vorsitzende des Zweckverbandes Gollipp bezeichne­te Zeller als „sachlichen Fürspre­cher“, manchmal habe er aber auch Unterhändler“ sein müssen.

Zeller: "Auch andere Landwirte profitieren"

 Zeller selbst ist mit dem Erreich­ten – mit den Verträgen, die er und andere für die Landwirte mit der Gollipp Bioerdgas ausgehandelt ha­ben – sehr zufrieden. Er sprach von einem Deckungspreis von 450 Euro pro Hektar beim Mais und damit von mehr als bei anderen Feld­früchten. Doch sei im Vertrag fest­gehalten, dass die Preise für das ge­lieferte Substrat angepasst werden, wenn die Getreidepreise steigen und auch größere Energieerlöse sol­len an die Landwirte weitergegeben werden. „Damit setzen wir einen Standard in der Region, von dem auch andere Landwirte profitieren werden“, ist sich Zeller sicher.

Auch die beteiligten Politiker se­hen nur Positives in dem Großpro­jekt. Dr. Doris Klose-Violette hält die Bioerdgasanlage für einen zu­kunftsfähigen Weg, um die „Land­wirte in der Region zu stärken“ und die „gewachsenen Strukturen zu er­halten“. Ein klares Nein sprach sie hingegen für gentechnisch veränder­tes Saatgut aus. Landrat Walter Schneider lobte die Standfestigkeit, mit der Herbert Dombrowsky als Vorstandsvorsitzender der N-Ergie an dem Projekt festgehalten hatte und betonte die Wichtigkeit, bei Energie „ein Stück Selbstversorger“ und weniger abhängig vom Ausland zu sein.
  Den nächsten Termin, um noch einmal miteinander anzustoßen, stellte Dombrowsky bereits in Aus­sicht: Wenn 2011 die Anlage in Voll­last läuft, dann wird „richtig ge­feiert“.