Abitur 2021: Die Aufgaben werden wohl nicht leichter

11.5.2021, 14:00 Uhr
Mittwoch beginnt das Abitur 2021 in Bayern.

Mittwoch beginnt das Abitur 2021 in Bayern. © Foto: Stefan Blank

Die Turnhalle ist voll. Die Luft ist stickig. Dutzende junge Frauen und Männer schreiben viele, viele Seiten Blätter mit ihren Interpretationen von einem Gedicht, einem Drama-Abschnitt oder Argumenten zu einem bestimmten Thema voll. So sah jahrelang ein Teil der Prüfung zur Allgemeinen Hochschulreife, kurz Deutsch-Abi, aus. Heuer ist es wieder soweit, aber sehr vieles ist anders.

Mittwoch, Punkt 8 Uhr, beginnen die Abschlusstests 2021 für 57 angehende Abiturienten am Georg-Wilhelm-Steller-Gymnasium. Die Vorbereitung darauf war in der Pandemie nicht nur für die Schüler eine besondere Herausforderung.

"Eigentlich geht es mit dem Abitur heuer schon Dienstag los", sagt Uwe Nickel gestern. Freiwilliger Corona-Selbsttest. Knapp acht Prozent der 57 angehenden Abiturienten haben sich angemeldet. Sollte doch jemand positiv sein, "gibt es die Möglichkeit, mit einer Turbo-Teststrecke des Gesundheitsamtes am Landratsamt noch bis 10 Uhr einen PCR-Test zu machen, bei dem bis Abend das Ergebnis vorliegt", sagt Nickel.


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Anders als bei Präsenzschulstunden ist die Teilnahme an den Abiprüfungen nicht an Coronatests gekoppelt. "Man kann nicht so ohne Weiteres jemand von einer Prüfung ausschließen", sagt Nickel.

Doch was passiert, wenn sich ein Prüfling mit dem Coronavirus infiziert? "Für diese gibt es einen zentralen Nachholtermin", sagt Oberstufenkoordinatorin Birgit Markmann. Wenn ein Schüler als "K1-Kontaktperson" in Quarantäne muss, darf er diese fürs Abi brechen, in einem Extraraum alleine den Test schreiben.

Nach Deutsch kommt Mathe

Für die Deutsch-Aufgaben gibt es ausnahmsweise 30 Minuten länger Zeit, insgesamt fünfeinhalb Stunden, wie Markmann erklärt. Weitere Neuheit: "Turnhalle ist nicht", sagt Nickel. Geschrieben werden die Prüfungen in fünf Räumen, mit Maskenpflicht und "individuellen Maskenpausen für jeden an seinem Platz".

Dort, wo hier die beiden Oberstufenbetreuer, Birgit Markmann und Hartmut Mitländer (hinten), Schulleiter Uwe Nickel (vorne, rechts) und sein Stellvertreter Dr. Bruno Kuntke Platz nehmen, werden ab Mittwoch im Stellergymnasium Abiturprüfungen geschrieben. Foto: Stefan Blank

Dort, wo hier die beiden Oberstufenbetreuer, Birgit Markmann und Hartmut Mitländer (hinten), Schulleiter Uwe Nickel (vorne, rechts) und sein Stellvertreter Dr. Bruno Kuntke Platz nehmen, werden ab Mittwoch im Stellergymnasium Abiturprüfungen geschrieben. Foto: Stefan Blank © Foto: sb

Im Vorfeld habe es sogar ein extra Anschreiben des Staatsministers an die Prüflinge gegeben. "Das hat es wohl auch noch nie gegeben", sagt Nickel. Nächsten Montag ist wieder "Testtag", ehe am 18. Mai Mathe an der Reihe ist und am Freitag, 21. Mai, das dritte, individuell wählbare Abiturfach.

"Von den 57 Abiturienten haben sich 39 für Englisch entschieden", erklärt Markmann, aber auch Physik, Erdkunde, Latein oder Geschichte-Sozialkunde seien dabei. Das Kolloquium, die mündlichen Tests, folgen nach den Pfingstferien. Notenbekanntgabe ist am 18. Juni.

Vieles bleibt unvorhersehbar

Seit fünf Wochen laufen die organisatorischen Planungen, berichtet Dr. Bruno Kuntke, der Stellvertretende Schulleiter. "Wir wussten, dass in unterschiedlichen Gruppen geschrieben werden soll, aber nicht, wie groß diese sein dürfen." Nun steht fest: In einem Raum wird das Quartett sitzen, das vorher Testungen macht, in den anderen zwei 14er-, eine 13er- und eine Zwölfer-Gruppe.

Die Aufteilung sei wichtig, wenn doch mitten in der Prüfungszeit ein Corona-Fall auftauchen sollte. "Wir gehen in die fünf größten Räume des Neubaus", erklärt Kuntke. "Dennoch besteht immer die Gefahr, dass wir früh eine Situation haben, in der wir schnell und klug improvisieren müssen", sagt Nickel. "Dafür gibt es einfach viel zu viele unvorhersehbare Faktoren."

Durch die vielen Räume werden deutlich mehr Lehrer als Aufsichten benötigt, 20 pro Tag. "Und die Aufsichten müssen viel mehr Verantwortung übernehmen", fügt Markmann an. Selbst der Toilettengang muss koordiniert werden. Kuntke: "Wir konzentrieren uns an diesen Tagen voll und ganz auf das Abitur." Es gibt nur "materialgestützten Distanzunterricht", wie es offiziell heißt. "Ich glaube, es herrscht unter den Schülern das Gefühl vor, dass sie uns vertrauen können, dass wir alles Menschenmögliche tun, um ihnen organisatorisch den Rücken freizuhalten."

Es wird wohl nicht einfacher

Die Schüler haben laut Birgit Markmann den Präsenzunterricht bis zum letzten Tag genutzt. Für sie sei es ein "Wechselbad der Gefühle" gewesen. Von "absoluter Verunsicherung", dass kein Abi möglich sein könnte, bis alles wird ähnlich wie früher. "Für so junge Menschen sind das sehr prägende Eindrücke", sagt Markmann, die sich seit 2003 um Abiturienten kümmert.

Wird es wegen der Pandemie dafür heuer einfacher? "Wir wissen es einfach nicht", sagt Kuntke. "Ich gehe aber davon aus, dass es normal ist." Die finale Abiturvorbereitung mit dem Einüben der Prüfungsaufgaben sei auch "normal" gewesen, berichtet Markmann. Oder wie es Bruno Kuntke formuliert: "So normal, wie es in diesem Schuljahr halt normal sein kann."


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