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Freitag, 05.06.2020

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Alte Stadthalle: Kollektives Kramen in Kisten

Freie Wähler dokumentieren Erinnerungen und suchen Material. - 16.05.2020 13:00 Uhr

Das Faschingstreiben in Bad Windsheim – und bei Weitem nicht nur das – spielte sich über Jahrzehnte hinweg in der Alten Stadthalle ab. Hier eine Aufnahme vom Rosenmontagsball der Karnevalsgesellschaft Windshemia im Jahr 1980. © Foto: WZ-Archiv


Dass die Halle einem neuen Kletterzentrum wird weichen müssen, ist beschlossene Sache. Bleiben sollen sichtbare Erinnerungen, so die Idee hinter dem Projekt. Keimzelle der Idee war die Freie Wählergemeinschaft. Ausgebrütet, sagt der langjährige Fraktionsvorsitzende Werner Spieler, haben es die Jungen und die Alten der FWG gemeinsam, wie eben auch drei bis vier Generationen von Windsheimern ganz persönliche, nicht selten höchst emotional besetzte Erinnerungen an Erlebnisse in dem historischen Bretterbau hätten.

"Der erste Kuss, die erste Liebe, der erste Rausch, ... in dem Ort stecken viele emotionale Geschichten und Ereignisse", sagt Werner Spieler. Der deshalb nicht zuletzt von Altbürgermeister Wolfgang Eckardt gehegte Wunsch, die Halle im Freilandmuseum erhalten zu können, bleibt aber vermutlich ein solcher.

Einen Plan B hatten die Freien Wähler freilich auch schon. Wenn es denn schon sein muss mit dem Abbruch, so sollte dieser mit einer würdigen Abrissfete begangen werden – ähnlich jener Sause, mit der 1988 dem Kurtheater in der Pfarrgasse das Totenglöcklein geläutet worden war. Dass die Besucher ihre ganz persönlichen Erinnerungen an die Stadthalle zu der Party mitbringen sollen, war Bestandteil dieser Überlegungen, welche Eckardt schon bei einem Treffen der Jungen Freien Wähler kurz skizziert, aber nicht weiter verfolgt hatte, um das Thema aus dem Kommunalwahlkampf herauszuhalten.

 

Filme, Karten, Souvenirs

 

Nun droht auch dieses Projekt zu scheitern, denn es ist fraglich, ob der aktuell im Juli geplante Abriss so weit hinausgezögert werden kann, dass zuvor solch eine Fete möglich ist. Der Alpenverein als Bauherr der Kletterhalle bräuchte vor September kein geräumtes Grundstück, sagt Eckardt unter Verweis auf dessen Vorsitzenden Peter Höhn. Theoretisch steht also für das Fest noch ein kleines Zeitfenster offen.

Egal, ob dies klappt oder nicht, bleibt Plan C, und der soll in jedem Fall umgesetzt werden. Er sieht vor, die Historie der Halle zu dokumentieren – digital und in gedruckter Form. Dargestellt werden sollen historische Fakten und Hintergründe aus der Zeit der Entstehung, vor allem aber sollen Erinnerungen all jener Menschen aus Bad Windsheim und Umgebung zusammengetragen werden, welche Ereignisse wie die eingangs genannten in der Halle erlebt haben.

Jeder, der etwas beitragen kann, ist aufgerufen, dies zu tun. Das können niedergeschriebene Erinnerungen ebenso sein wie alte Foto- und Filmaufnahmen, Eintrittskarten, anderweitige "Souvenirs" oder was auch immer. Für digitale Zusendungen, etwa eingescannte Fotos, wurde die E-Mail-Adresse altestadthalle@ fw-badwindsheim.de eingerichtet, handfeste Erinnerungen können an Altbürgermeister Wolfgang Eckardt, Jakob-Mühlholzer-Straße 25, gesandt oder dort abgegeben werden. Die Aufbereitung der Objekte übernimmt Armin Höhn, Chef der Werbeagentur ad-room.

GÜNTER BLANK

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