So hat das Hochwasser gewütet

Am Freitagabend traf es Bad Windsheim

11.7.2021, 18:12 Uhr
Land unter in der Kleingartenanlage: Birgit Brych zeigt, wie hoch das Wasser im Garten ebenso in der Hütte im Hintergrund stand. 

Land unter in der Kleingartenanlage: Birgit Brych zeigt, wie hoch das Wasser im Garten ebenso in der Hütte im Hintergrund stand.  © Claudia Lehner, NN

Gerade stand Fabian Mohr noch trockenen Fußes in der Karl-Schirmer-Allee, zwölf Minuten später, so erzählt der Vorsitzende des TV 1860, sei das Vereinsgelände bereits unter Wasser gestanden. In einer Dreiviertelstunde stieg der Pegel dann auf etwa einen dreiviertel Meter.
Freitagfrüh hatte wie berichtet der Starkregen für Land unter in den umliegenden Ortsteilen gesorgt, am Freitagabend, obwohl es aufgehört hatte zu regnen, traf die Welle des Wassers dann Teile Bad Windsheims schnell und heftig: entlang der Aisch und des Flutgrabens im Osten und Süden der Stadt. Neumühlenweg, Teile der Schützenstraße bis hin zum Friedensweg, die Kleingartenanlage, das Gelände des TV 1860 und des FSV, Teile des Freilandmuseums, Freibad, Gymnasium und Tierheim.

Das Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim wurde heftig vom Hochwasser getroffen. Noch am Sonntag waren Teile des Museums nicht zugänglich.  

Das Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim wurde heftig vom Hochwasser getroffen. Noch am Sonntag waren Teile des Museums nicht zugänglich.   © Herbert May, NN

Am Abend wurde versucht, zu retten, was möglich war. Aber wie zum Beispiel Fabian Mohr erzählt, ging es so schnell, dass sich kaum etwas ausrichten ließ. Auch Feuerwehrleute berichten, dass es teilweise ein Kampf gegen Windmühlen war. Keller wurden ausgepumpt und aus dem Kanal drückte es zurück ins Gebäude.


So hart hat das Hochwasser den Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim getroffen


Die Tiere auf dem Seubersdorfer Hof im Freilandmuseum mussten evakuiert werden.

Die Tiere auf dem Seubersdorfer Hof im Freilandmuseum mussten evakuiert werden. © Foto: WZ

So etwas habe er noch nicht erlebt, erzählt auch Museumleiter Dr. Herbert May. Hochwasser schon, aber nicht, dass selbst die Mühle, das Jagdschlösschen und die Kapelle aus Rodheim betroffen waren. Am Samstag war das Museum geschlossen, am Sonntag – ohne die Baugruppen Mittelalter und Altmühlgebiet – dann wieder geöffnet.

Einige sind knapp an der ganz großen Katastrophe vorbeigeschrammt. So habe man im Freibad am Abend vorsorglich den Sicherungskasten abgeschaltet, da das Wasser diesem bedrohlich nahe kam, wie der Leiter des Dr.-Hans-Schmotzer-Bades, Marco Seydewitz, erzählt. So ging nichts kaputt und nach dem Putzen konnte am Samstag um 13 Uhr das Bad wieder öffnen.

Am Samstag wurde im Stellergymnasium in Bad Windsheim noch Wasser aus einigen tiefer gelegenen Kellerräumen gepumpt.

Am Samstag wurde im Stellergymnasium in Bad Windsheim noch Wasser aus einigen tiefer gelegenen Kellerräumen gepumpt. © Claudia Lehner, NN

Im Stellergymnasium konnte ebenfalls noch das Schlimmste verhindert werden, einige tiefer gelegene Kellerräume liefen voll, dank vieler Freiwilliger Helfer und der Feuerwehr konnte das Wasser aber von der Heizung und der Elektrik ferngehalten werden. Nur noch wenige Handbreit sei das Wasser in der Hebeanlage unterhalb der Aula gestanden, erklärt Schulleiter Uwe Nickel. Die Aula blieb jedoch <CW-20>trocken und am heutigen Montag wird ganz normaler Schulbetrieb sein.
Mit großen Schäden rechnet hingegen Fabian Mohr.

Am Samstagmorgen war das Wasser in der Judohalle des TV1860 Bad Windsheim schon teilweise wieder abgeflossen. Unter den Holzdielen stand es jedoch noch und dürfte große Schäden verursacht haben. 

Am Samstagmorgen war das Wasser in der Judohalle des TV1860 Bad Windsheim schon teilweise wieder abgeflossen. Unter den Holzdielen stand es jedoch noch und dürfte große Schäden verursacht haben.  © Claudia Lehner, NN

Die Judohalle in Holzständerbauweise sei wohl nicht mehr zu retten, teuer wird es auch auf den Tennisplätzen. Die genaue Höhe des Schadens kann er noch nicht abschätzen. Zum Glück erreichte das Wasser jedoch nicht den Gastraum der Pizzeria. Viel hat jedoch nicht mehr gefehlt. Knietief stand das Wasser auch in den Hütten der Kleingartenanlage neben dem TV-Gelände. Nicht nur Birgit Brych, auch viele andere waren Samstagmorgen mit Aufräumen, Wegwerfen und Auspumpen beschäftigt.
Dass so viele angepackt haben, von der Feuerwehr bis zu Privatpersonen, dafür ist Bürgermeister Jürgen Heckel sehr dankbar, ebenso wie Kommandant Matthias Helm. Die Feuerwehrleute hatten in 28 Stunden über 54 Einsätze, was etwa dem Einsatzaufkommen eines halben Jahres entspricht. Dabei seien die vielen Einzeleinsatzstellen in Unterntief gar nicht berücksichtigt.

Im Keller des Seniorenheimes Neumühle stand das Wasser. 

Im Keller des Seniorenheimes Neumühle stand das Wasser.  © Claudia Lehner, NN

Fast alle Ortswehren waren im Einsatz: somit insgesamt zwischen 150 und 200 Einsatzkräfte. Helm schätzt, dass so mindestens 3000 Stunden zusammenkamen. Auch überörtlich waren die Windsheimer gefordert: in Markt Nordheim, Burgbernheim, Ipsheim, Uffenheim, Marktbergel und Neuhof. Bei unterschiedlichsten Einsätzen: von der Reanimation eines Kindes über die Rettung von durch Wasser im Auto eingeschlossene Personen, Brandmeldeanlagenalarme, Meldungen von Gebäudebrand, Tierrettungen, Gasaustritt und natürlich bis zum Auspumpen von Kellern und dem Transport von Sandsäcken.

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