Freitag, 22.11.2019

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Apache-Unfall in Windelsbach: Strom fließt, Geld noch nicht

Schaden bei Nordenberg provisorisch repariert, doch es gibt noch Gesprächsbedarf - 29.10.2019 17:39 Uhr

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Militärhubschrauber kappt Stromleitung im Landkreis Ansbach: Sperrung der A7

Die Kollision eines Militärhubschraubers mit einer Stromleitung ging am Dienstagabend noch einmal glimpflich aus: Dem Pilot gelang eine Notlandung auf einer Wiese, verletzt wurde niemand. Einsatzkräfte kümmerten sich um die beschädigte Maschine und die gekappte Stromtrasse. Die A7 ist am Mittwochvormittag für Reparaturarbeiten an der Leitung zwischen Rothenburg ob der Tauber und Bad Windsheim komplett gesperrt.


Bereits seit 2. Oktober – der Tag der Bergung des Apache-Hubschraubers – ist die betroffene Leitungstrasse wieder "funktionstüchtig", berichtet Annemarie Endner von der N-ERGIE-Pressestelle. Alle sechs 110-Kilovolt-Stromkabel wurden bei dem Zwischenfall gekappt sowie – wegen der plötzlichen Veränderungen in der Belastungsverteilung durch die abgerissenen Stahlseile – insgesamt vier Strommasten beschädigt. Das Teilstück war demnach nicht ganz neun Tage lang abgeschaltet.

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Nach Unglück in Franken: Tonnenschwerer Apache wird verladen

Gut eine Woche nach der Notlandung bei Windelsbach wurde der Helikopter, der sechs Stromleitungen kappte, vom US-Militär abtransportiert. Ein Kran hievte den tonnenschweren Apache auf einen Schwertransporter, er wird nach Illesheim gebracht.


Allerdings führen die Stromleitungen derzeit nur über "provisorische Masten", sagt Endner. Eigentlich sollen über die Trasse zwei Leitungssysteme mit je drei Leiterseilen führen. Die Provisorien können jedoch nur drei Seile, also ein System, tragen. Das hat Folgen, die aber für den Energieversorger kein Problem darstellen. Denn das Netz von N-ERGIE ist grundsätzlich so ausgelegt, dass für jedes System mindestens ein Ersatzsystem zur Verfügung steht. Mit Umschaltungen im Gesamtnetz sind Lücken in der Versorgung dadurch jederzeit auszugleichen. Genau deshalb sei es auch am Abend der Notlandung zu keinerlei Stromausfällen gekommen, betont Endner: "Der Unfall war höchstens im Millisekunden-Bereich spürbar, weil etwa das Licht ganz kurz mal flackerte."

Bis wann der komplette Schaden behoben sein wird, kann Endner nicht sagen. Die Planungen laufen noch. Es sei deshalb offen, welche der vier Masten komplett ersetzt werden müssen und welche teilweise erneuert werden können. Endner geht davon aus, dass die Masten im Frühjahr repariert werden.

Bis dahin haben dann auch die US-Armee und N-ERGIE beziehungsweise die jeweiligen Versicherungen genug Zeit, sich über das Finanzielle einig zu werden. An der offiziellen Aussage des Energieversorgers – "Die Versicherungen sind weiter in Verhandlungen" – habe sich nichts geändert, erklärt Endner. Der Schaden wird nach Schätzungen "im oberen sechsstelligen Bereich" liegen, wobei die Preisspanne angesichts der offenen Instandsetzungsplanung recht breit sein dürfte.

Unterdessen reagierte der Bürgermeister von Windelsbach auf eine Pressemitteilung der Bürgerinitiative "Etz langt’s". Die hatte bemängelt, dass sich John Broam, der Kommandeur der in Katterbach stationierten US-Truppen, zu denen der verunglückte Helikopter gehört, bei einem Medien-Tag nicht in aller Form entschuldigt hätte. Bürgermeister Alfred Wolz erklärte daraufhin, dass sich Broam sehr wohl persönlich für die Unannehmlichkeiten entschuldigt habe. Sogar zwei Mal.

Gesprächsbedarf mit den Militärs besteht aber von mehreren Seiten offenbar weiterhin. Wolz forderte gleichzeitig, dass mehr Wert auf Sicherheitsabstände gelegt werden müsse. Auch bei der N-ERGIE ist der Vorfall noch nicht abgehakt. Man wolle die Kommunikation mit der Armee-Führung suchen, sagt Pressesprecherin Endner. Immerhin seien auf diese Art gekappte Hochspannungsleitungen "absolut außergewöhnlich" und es sei im größten Interesse des Unternehmens, die Gefahr für solche Zwischenfälle zukünftig zu minimieren.

Bastian Lauer

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