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Sonntag, 05.07.2020

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Arbeitslosigkeit steigt langsamer in der Region

In Bad Windsheim sind aktuell 674 Menschen ohne Job. - 05.06.2020 14:00 Uhr

In der Baubranche ist aktuell viel zu tun, auch in der Kurstadt sind, beispielsweise im Neubaugebiet Pommernstraße, Bagger im Einsatz. Wie es angesichts der aktuellen Corona-Krise weitergeht, ist jedoch offen. © Foto: Claudia Lehner


"Die Auswirkungen der Corona-Krise setzen den Arbeitsmarkt stark unter Druck", erklärt Thomas Dippold, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Fürth, zu der auch der hiesige Landkreis gehört. Im Agenturbezirk Bad Windsheim beträgt die Arbeitslosenquote aktuell 3,1 Prozent, im Vormonat lag sie bei 2,9, im März noch bei 2,2 Prozent. Deutlicher ist der Anstieg im Vergleich zum Mai 2019: Damals waren 377 Personen also 1,8 Prozent arbeitslos gemeldet. Derzeit sind 674 Menschen in der Kurstadt und Umgebung ohne Arbeit. Im Landkreis liegt die Quote bei 2,8 Prozent, im Agenturbezirk Neustadt bei 2,6 Prozent.

Damit steht die Region besser da als etwa der Bereich der Arbeitsagentur Fürth, zu dem neben dem hiesigen Kreis auch Fürth, Erlangen-Höchstadt sowie die Städte Erlangen und Fürth gehören: Die Arbeitslosenquote liegt hier bei 3,8 Prozent, wie im bayerischen Durchschnitt. In Deutschland liegt sie bei 6,1 Prozent.

Der Einbruch am Arbeitsmarkt in so kurzer Zeit sei beispiellos, erklärt Jürgen Wursthorn, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Fürth. Im Landkreis sei das Glück, dass die Krise auf einen extrem starken und stabilen Arbeitsmarkt traf: Rund zehn Jahre mit Rekordzahlen bei der Beschäftigung und sinkenden Arbeitslosenzahlen, dafür Fachkräftemangel. Die aktuelle Arbeitslosenquote (2,8 Prozent) im Landkreis liegt etwa auf dem Niveau von 2011 mit damals 2,6 Prozent, als sich die Konjunktur noch von der Finanzkrise 2008/2009 erholte. Noch liege sie besser als die Quote von 3,3 Prozent aus dem Jahr 2010. Nun komme es darauf an, wie es weitergeht, sagt Wursthorn.

"Unsere Hoffnung ist, dass die größte Welle von Arbeitslosmeldungen und Kurzarbeit-Anzeigen im April und Mai stattgefunden hat. Denn die gute Nachricht ist, dass wir in beiden Fällen aktuell weniger neue Meldungen verzeichnen", teilt Dippold mit. 1171 mal wurde von April bis Mai im Landkreis Kurzarbeit beantragt, betroffen davon waren 19 014 Personen. Im Mai allein waren es laut Wursthorn jedoch nur noch 246 Anzeigen, für 2220 Personen. "Es flacht deutlich ab", erklärt er dazu. "In Bezug auf die Arbeitslosmeldungen zeigt sich die hohe Wirksamkeit von Kurzarbeitergeld. Wir sind froh darüber, dass die Arbeitgeber das Instrument in so großem Umfang nutzen", schreibt Dippold. Die Kurzarbeit ist andererseits der Grund, wieso Horst Allraun, stellvertretender Vorsitzender des Landkreisgremiums der Industrie- und Handelskammer, die Arbeitslosenzahlen als "geschönt" empfindet. Er befürchtet, dass sich die Konsequenzen der Krise später zeigen.

Schockstarre überwunden

Es gelinge deutlich weniger Menschen, die arbeitslos wurden, wieder einen Job zu finden, bestätigt Wursthorn. Das liegt auch daran, dass die Personalnachfrage erst langsam anläuft. Sie habe sich nach dem Corona-Schock wiederbelebt, bleibe jedoch weit hinter den Vorjahreswerten zurück. So haben die Arbeitgeber im Bereich Bad Windsheim im Mai 75 offene Stellen gemeldet. Das sind 41 Angebote oder 120,6 Prozent mehr als im April, aber 48 oder 39 Prozent weniger als vor einem Jahr. Der Bestand umfasst 403 offene Stellen: 61 Angebote oder 13,1 Prozent weniger als im April und 109 oder 21,3 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Die Branchen sind nicht alle gleich stark betroffen. Lebensmittelgeschäfte mussten nie schließen, wie Wursthorn anmerkt, auch Bereiche wie Gesundheit oder Sozialberufe blieben weitgehend verschont. Für Horst Allraun haben auch Branchen profitiert: Aufstellbare Pools seien ausverkauft. "Es gibt Gewinner und es gibt Verlierer."

Überwunden ist die Krise noch nicht. Es komme nun darauf an, wie lange die Einschränkungen noch andauerten, wie schnell es weitere Lockerungen gebe und wie sich die Wirtschaft erhole, sagt Jürgen Wursthorn. Eine Prognose wagen angesichts der vielen Unwägbarkeiten freilich weder er, noch Dippold oder Allraun.

Ein Faktor ist für Allraun wie das Konjunkturpaket wirkt. Die Baubranche beispielsweise habe noch gut zu tun. Doch wer weiß, wie sich die Auftragslage entwickelt, wenn Häuslebauer von Kurzarbeit betroffen sind oder um ihren Job fürchten. Dr. Norbert Teltschik, Vorsitzender des IHK-Gremiums, ist zuversichtlich, dass es wieder aufwärts gehen wird. Die Frage ist für ihn: wie schnell? Einen Vorteil sieht er darin, dass der Landkreis kleinteilig strukturiert sei, dass es keine Abhängigkeit von einer einzelnen Branche gebe.

CLAUDIA LEHNER

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