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Asphalt passt nicht dazu

Schüler des Bad Windsheimer Schüler arbeiteten an Konzept für einen Premiumwanderweg bei Ickelheim. - 20.08.2019 17:05 Uhr

Ein Großteil der Schüler des P-Seminars des Steller-Gymnasiums, deren Konzept für den Premium-Wanderweg rund um Ickelheim nahezu fertig ist. © Foto: Christine Berger


Einen kritischen Gutachter fanden sie in Jochen Becker vom Wanderinstitut, der bei einer Testtour einiges an Verbesserungspotenzial angemerkt hat, vor allen Dingen aber positiv überrascht war. Der Ickelheimer Ortskern mit seiner Gastronomie als Ausgangspunkt hat ihn überzeugt, wie er in einem Filmbeitrag bekennt, den ein Team des Bayerischen Rundfunks für das Magazin "Gut zu wissen" gedreht hat. Dieser entstand im Endspurt des P-Seminars unter der Leitung von Stellergymnasiums-Direktor Uwe Nickel, als die Arbeitsgruppen neben der Wegführung bereits mögliche Standorte für Rastplätze und Informationstafeln festgelegt hatten.

Als Startpunkt haben die Schüler das ehemalige Waaghäuschen auserkoren, von dort aus geht es auf der zehn Kilometer langen Strecke zu den Weinbergen und dem Obstbaumland, ehe ein Bogen über die Linkenmühle zurück zum Marktplatz führt, skizziert Logan Thompson die Tour. Bis die Route feststand, galt es zu Seminarbeginn, sich ein Bild von den Gegebenheiten und örtlichen Besonderheiten zu machen. Für die Schüler hieß das: raus in die Natur.

Dabei wurden sie unter anderem auf einen Quelltopf nahe der Poenleinsmühle und einen historischen Gipsbruch aufmerksam. Allerdings konnten beide bei der Ausarbeitung der Strecke nicht berücksichtigt werden, Letzterer passte nicht zur Wegführung, das K.o.-Kriterium für den Quelltopf war ein naher Strommast. So natürlich wie möglich müsse ein Premiumwanderweg sein, weshalb Jochen Becker ein längeres Stück auf einem Asphaltweg bemängelte, erzählt Melih Yetkin. Nach dem Blick auf die Karte war aber rasch Abhilfe geschaffen: Eine andere Abzweigung genommen, konnte ein naturnaher Abschnitt eingebaut werden.

Etwas schwieriger gestaltete sich die Suche nach Alternativen für das 2,5 Kilometer lange Schlussstück, das Becker als zu eintönig einstufte. Begeisterung rief beim Wanderexperten die Idee hervor, die die Schüler für die Überwindung einer Senke bei den Weinbergen entwickelt hatten. Über eine in den Hang eingebundene Rutsche könnten Wanderer die steilen Passagen überwinden. "Das wäre was Schönes", sagt Becker.

Uwe Nickel hielt sich während der Entstehung der Wanderwegroute bewusst zurück, wie er erzählt, auch, als kreative Impulse wie die Rutsche aufkamen. "Aus so einer Idee lässt sich vielleicht etwas entwickeln", sagte er. Es braucht nach seinem Empfinden manchmal einen ungewöhnlichen und vielleicht schwer zu realisierenden Ansatz, um ein Hindernis wie die Senke zu überwinden.

Bis hin zu einem von Luca Kempf mit einem angedeuteten Wanderstiefel vor dem Ickelheimer Tor entworfenen Logo steht das Konzept für den Wanderweg weitgehend. Im nächsten Schulhalbjahr ist eine Präsentation in Ickelheim angedacht. Für eine mögliche Realisierung sind aber andere Akteure am Zug. Der Verein Dorfgemeinschaft Ickelheim hat signalisiert, die Pflege des Wanderwegs inklusive der regelmäßigen Begehungen zu übernehmen. Aber auch die Stadt und die Teilnehmergemeinschaft Ickelheims müssen in Abstimmung mit Einrichtungen wie dem Wasserwirtschaftsamt und dem Naturpark Frankenhöhe mitmachen. So sehr Nickel die Realisierung begrüßen würde, selbst wenn sie nicht zeitnah gelingt, bescheinigt er seinen Schülern, ein "tolles Ergebnis" erzielt zu haben, "es ist ihre Leistung".

Ein echtes Erlebnis war das P-Seminar ohnehin, denn dazu gehörte neben der in weiten Teilen theoretischen Ausarbeitung des Wanderwegs auch eine Exkursion. Nicht aber, wie von Uwe Nickel zunächst angedacht, ins Mittelgebirge, sondern auf die Zugspitze inklusive des Anstiegs über einen Klettersteig. Körperliche und mentale Grenzen seien dabei erreicht worden, bekennen die Schüler, die sich während der Exkursion mit der Soziologie des Wanderns beschäftigten, sagt Melih Yetkin. Es galt, aufeinander zu warten, sich auf den anderen zu verlassen und in der Gruppe die Herausforderung zu meistern. 

CHRISTINE BERGER

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