Aufwändige Sanierung von Schloss Unternzenn

28.1.2011, 06:39 Uhr
Sobald es die Witterung zulässt, beginnen die Sanierungsarbeiten an Schloss Untern­zenn. Im diesem ersten Bauabschnitt ist auch die Brücke an der Reihe.

Sobald es die Witterung zulässt, beginnen die Sanierungsarbeiten an Schloss Untern­zenn. Im diesem ersten Bauabschnitt ist auch die Brücke an der Reihe. © Hans-Bernd Glanz

Für die anstehenden Sanierungs­arbeiten übergab Uwe Franke vom Ortskuratorium Kulmbach/Ober­franken der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) am gestrigen Mittwoch einen Fördervertrag im Wert von 100 000 Euro an den Eigen­tümer, Christoph Freiherr von Seckendorff-Aberdar.

Die Stiftung Denkmalschutz un­ter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Christian Wulff feierte im vergangenen Jahr ihr 25- jähriges Bestehen. Schloss Untern­zenn ist eines von mehr als 160 Pro­jekten, die die private Denkmal­schutz- Stiftung seit ihrer Gründung alleine in Bayern fördern konnte. Ihre Mittel erhält sie von privaten Spendern, aber auch von der Glücks­spirale. Die Lottogesellschaft wurde bei der Übergabe von Beatrix Num­berger vertreten. Über die wechselvolle Geschichte des Schlosses berichtete Christoph Freiherr von Seckendorff-Aberdar. Das Gemäuer mit dem ursprünglich quadratischen Grundriss wird 1445 in noch erhaltenen Dokumenten als Gebäude mit doppeltem Graben und Weiher vor dem Schloss be­schrieben. 1612 wurde der Bau in voller Höhe nach Norden und erdge­schossig im Osten erweitert.

Im 30­jährigen Krieg ist der Adelssitz ver­waist, als die Bewohner gezwungen werden, mit den schwedischen Truppen weiterzuziehen. Im 18. Jahrhundert werden an allen vier Mauerecken Vollgeschosse aufge­setzt. Um die Wende zum 19. Jahr­hundert bauten die Schlossbesitzer noch eine Terrasse an, bevor 1909 das äußere Erscheinungsbild verein­heitlicht wurde. Die unterschiedlichen Bautechni­ken, die schlechte Qualität der da­mals ausgeführten Arbeiten und die unzureichenden Verbindungen zum mittelalterlichen Kernbau sind Ur­sachen für die eingetretenen Schä­den. Diese fehlende Verzahnung der Anbauten mit dem Gebäudekern und die unzureichende Gewichtsver­teilung machen die Architekten Ma­risia Conn und Claus Giersch ver­antwortlich für die gravierenden Verformungen und das Absacken des Herrenhauses in der Gebäude­mitte.

Nachdem jetzt mehrjährige Vor­untersuchungen abgeschlossen sind, wird in diesem Jahr mit ei­nem ersten Abschnitt der Sanie­rung begonnen. Für diese anstehen­den Baumaßnahmen erhält die Fa­milie derer von Seckendorff-Aber­dar auch Mittel aus dem Denkmal­schutz- Sonderprogramm des Bun­des und von der Bayerischen Lan­desstiftung. Und Bürgermeister Helmut Weiß sagte eine Kostenbe­teiligung des Marktes Obernzenn sowie des Landkreises zu gleichen Teilen zu. Weiß dankte der Familie von Seckendorff-Aberdar für die Bereitschaft, immer wieder hohe Summen in die Sanierung zu inve­stieren. Als Beispiel nannte er die umfassende Dachsanierung, die die Schadensprozesse jedoch nicht auf­halten konnte. Gleichzeitig verwies er auf das sehr gute Verhältnis der Familie zu den Einwohnern, die eng mit dem Schloss verbunden sind. Ohne Diskussionen habe sich deswegen der Gemeinderat zur Unterstützung entschlossen und seinen Beitrag zum Denkmalschutz geleistet.

Als Glücksfall für Architekten, Handwerker und Restaurateure er­weist sich das Saalbuch von 1712. Christoph von Seckendorff-Aberdar präsentierte gestern auch dieses Werk, das neben detaillierten Anga­ben zu Grundbesitz auch den Ist-Zu­stand des Gebäudes anhand zahlrei­cher Pläne aus dem beginnenden 18. Jahrhundert zeigt.

„Ohne den Mut meiner Söhne, die dem Projekt aufgeschlossen gegenü­ber stehen und mir den Rücken stär­ken, hätte ich nicht mit den Maß­nahmen begonnen“, sagt der Frei­herr.