Samstag, 23.11.2019

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Aus Liebe zur Musik

Die studierte Sängerin Marleen Hornung möchte ihre Kompositionen bald mit der Welt teilen. - 04.10.2019 10:00 Uhr

Die Musikerin Marleen Hornung ist sich der Unsicherheit des Musikgeschäftes bewusst. Sie wagt den Weg trotzdem. © Foto: Privat


Sechs Jahre war Hornung alt, als sie Geige lernen wollte. Grund dafür war eine Grille, die das Instrument in der Kinderserie Biene Maja spielte. "Das fand ich so cool", erinnert sich die heute 22-Jährige. Später kam das Klavierspielen hinzu. Im musischen Gymnasium in Oberursel musste sie schließlich vorsingen, was "dem Lehrer so gut gefallen hat, dass ich in den Chor sollte", erzählt sie. Dort habe sie Musiktheorie gelernt, die sie nicht verstand. Zu Hause am Klavier versuchte sie die Theorie in die Praxis umzusetzen. Die Tatsache, dass es nur drei Tasten braucht, um einen Klang zu erzeugen, über den man singen kann, faszinierte sie. Die ersten Akkorde auf der Gitarre brachte sie sich selbst bei.

Bei einem Jugendgottesdienst in der Kirche sang sie das erste Mal vor Publikum. "Boah, du hast so eine schöne Stimme, haben die Menschen danach gesagt. Und ich dachte mir: Ich glaub euch nicht", erinnert sie sich und lacht. Solche Momente, gepaart mit dem Zuspruch der Pfarrer ihrer Gemeinde und ihrer Lehrer, bestärkten sie darin, den Weg zum Beruf der Musikerin zu verfolgen. Sie bewarb sich für einen der begehrten Plätze an der Berufsfachschule für Musik in Dinkelsbühl, wenngleich sie sich für den ersten Anlauf keine Chancen ausrechnete. "Da kommen echt viele gute Leute hin", sagt Hornung. Es klappte auf Anhieb. 2016 begann sie ihr Studium mit Hauptfach Rock/Pop-Gesang und Nebenfach Klavier. Dieses hat sie mittlerweile abgeschlossen.

Ihr Hauptstandbein ist aktuell das Unterrichten. Zum einen lehrt sie in der Bad Windsheimer Music Academy König als Dozentin für Klavier, Gesang und Geige, zum anderen in ihrer Heimatstadt Oberursel als Gesangslehrerin. "Momentan ist es perfekt, wie es ist." Irgendwann möchte Hornung zurück in die Nähe von Frankfurt am Main. Daneben versucht sie verschiedene Projekte aufzubauen.

Mit ihrer Alternative-Rock-Band A Purple Sky, zu der auch der Kurstädter Sebastian Laue gehört, brachte Hornung Anfang Mai die erste Single "Balloon" heraus. Vor wenigen Wochen war die Gruppe in einem Nürnberger Tonstudio, um die erste EP aufzunehmen. Mit dem Duo-Projekt Black Coffee covern Hornung und Laue Songs im jazzigen Stil. In ihrem Solo-Projekt lebt sie ihre Leidenschaft am Klavier aus. Ein Album und Buch mit ihren Kompositionen soll kommen. "Vorausgesetzt, ein Verlag nimmt es", sagt Hornung. Zudem möchte sie ein Solo-Album auf Deutsch aufnehmen. Dabei plant sie alles selbst in die Hand zu nehmen – ohne externes Tonstudio oder Label. Marleen Hornung hat Pläne und Träume. "Es gibt viele Möglichkeiten, wie man was umsetzen kann." Inspiriert fühlt sich die 22-Jährige durch Amy Lee, Sängerin der Band Evanescence. Mit ihr könne sie sich identifizieren. Seit seinen Anfängen verfolgt Hornung außerdem Brendon Urie, Sänger der Band Panic! at the Disco. "Er hat sich alles selbst aufgebaut. Ich finde krass, wie Leute das schaffen."

Nachtaktiv

Ihre Songs schreibt Hornung meistens nachts. Traumwelten und Galaxien faszinieren die 22-Jährige. "Manchmal schreibe ich aber auch über Sachen, die mich aufregen." Die Single "Balloon" sei so entstanden. Nach einem schlechten Tag in Dinkelsbühl fühlte sie sich fehl am Platz und schrieb den Refrain des Songs.

In Zukunft möchte Hornung vor allem mehr auftreten und Kompositionen aufnehmen. "Wenn in zehn Jahren jemand kommt und sagt: Deine Musik hat mich so inspiriert, dass ich selbst Musik mache. Das wäre schön." Dass der Erfolg im Musikgeschäft unsicher ist, ist ihr bewusst. "Mit Musik wirst du nicht reich. Wenn du Musik machst, dann weil du es liebst und nicht weil du einen Ferrari fahren willst." Vor allem anfangs, wenn einen niemand kenne, sei es schwierig, mit eigenen Liedern Geld zu verdienen. Plattformen wie Instagram bieten ihr eine Möglichkeit, sich zu präsentieren. "Mir war das am Anfang super unangenehm." Mittlerweile mache es ihr Spaß.

Hin und wieder geht Hornung auf die Straße, um zu musizieren – auch in der Kurstadt. "Die Leute kommen aus allen Ecken", erzählt sie von einem Auftritt und lacht. Sogar online wurde nach ihr in einer Gruppe gefahndet. "Das hat mich mega gefreut." Die vergangenen drei Jahre habe sie sich viel mit verschiedenen Fragen beschäftigt: Wer bin ich? Was mache ich gut? Und vor allem: Was mache ich nicht gut? "Wenn du immer schaust, was du verbessern kannst, machen manche Dinge keinen Spaß mehr. Ein Kritiker reicht, um zehn Leute mit Lob zunichte zu machen." Die Bestätigung der Menschen auf der Straße freue sie deswegen umso mehr.

ANNA FRANCK

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