Zwei Wehren fusionieren

Aus, Schluss, vorbei: Feuerwehr in Unterntief ist Geschichte

Günter Blank

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10.11.2021, 06:00 Uhr
Ihr Feuerwehrhaus bleibt den sechs zur Oberntiefer Wehr gewechselten Unterntiefer Wehrmännern erhalten. 

Ihr Feuerwehrhaus bleibt den sechs zur Oberntiefer Wehr gewechselten Unterntiefer Wehrmännern erhalten.  © wz-feuerwehrhaus-20211109-160505_app11_02.jpg, NN

Ende 2020 hatte die Wehr noch eine Stärke von 13 Aktiven gemeldet, zwischenzeitlich war diese Zahl bereits etwas gesunken. Laut Feuerwehrgesetz muss eine Wehr mindestens über eine dreifach besetzte Löschgruppe zu neun Mitgliedern verfügen, sprich über 27 Aktive. In Ausnahmefällen kann diese Mindeststärke auf 18 beschränkt werden. Dies war seit geraumer Zeit in Unterntief nicht mehr gegeben. Die lange gehegte Hoffnung auf wieder steigende Mitgliederzahlen erfüllte sich nicht, auch eine Frauen- oder eine Jugendgruppe war nicht in Sicht. Und dann war da noch ein anderes Problem: Martin Schuh, der bislang letzte Kommandant, war seit 2019 nach seinem Wegzug aus dem Landkreis nicht mehr wählbar, ein Nachfolger fand sich nicht.
Aus Sicht des Bad Windsheimer Feuerwehrkommandanten Matthias Helm ist die Fusion, wie er den Beitritt bezeichnet, ein „guter Schritt“. Theoretisch wäre nach den Worten Helms auch ein offizieller Zusammenschluss der Wehren möglich gewesen, doch der Weg über Auflösung und Beitritt sei der rechtlich einfachere. Durch die Fusion werde auch die ohnehin gut aufgestellte Oberntiefer Wehr noch schlagkräftiger. Andererseits bleibe durch den Beitritt der Unterntiefer die im Einsatzfall wichtige detaillierte Ortskenntnis gewahrt. Auch die Tragkraftspritze der Unterntiefer verbleibt im dortigen Feuerwehrhaus, ebenso persönliche und weitere Ausrüstung.
Für Johannes Gerhäuser, den Feuerwehrreferenten des Bad Windsheimer Stadtrats, ist es ebenfalls wichtig, dass Aktive vor Ort verbleiben. Solange für den Standort Unterntief keine größeren Investitionen anstünden – und danach sehe es angesichts des guten Zustandes etwa des Feuerwehrhauses nicht aus –, sieht er in dem nun eingeschlagenen Weg „für alle Seiten eine Superlösung“.

Großes Plus

Besagte Ortskenntnis ist auch für Rainer Weiskirchen, den Pressesprecher der mehr als 170 Feuerwehren im Landkreis, grundsätzlich ein großes Plus von kleinen Ortswehren. Und sie könnten im Ernstfall am schnellsten reagieren, beispielsweise Menschen und Tiere aus der Gefahrenzone bringen und schon mal die Wasserversorgung für die „große Wehr“ bis zu deren Eintreffen installieren. Als Beispiel dafür, wie gut dieses Zusammenspiel funktionieren kann, nennt er einen Fall aus dem Sommer, als in Welbhausen ein auf einem Balkon ausgebrochenes Feuer auf den Dachstuhl des Hauses überzugreifen drohte. Neben alledem wirke sich die Existenz von Ortsfeuerwehren üblicherweise auch positiv auf das gesellschaftliche Miteinander in der Dorfgemeinschaft aus.
Zur Auflösung von kleineren Ortsfeuerwehren komme es leider immer wieder, wenn auch nur in geringem Maße, sagt Weiskirchen. Dies sei auch „der allgemeinen Entwicklung der Zeit geschuldet“. Allerdings handle es sich nach wie vor nur um Einzelfälle. Und es gebe hier und da sogar gegenläufige Entwicklungen. So stehe beispielsweise die Feuerwehr im Neustädter Ortsteil Schauerheim „kurz vor der Wiederbelebung“. Weiskirchen: „Das ist zwar seltener, gibt es aber auch.“
In Untertief geht die Feuerwehr nun einen anderen Weg. Martin Schuh, bis vor gut zwei Jahren offiziell deren Kommandant, sieht darin eine „gute Lösung“ und sagt: „Ich hoffe, dass es mit Oberntief gut zusammenwächst.“

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