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Samstag, 28.11.2020

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Ausbildung: Leben und lernen auf internationalem Pflegecampus

In der Metzgergasse entsteht ein Pilotprojekt für Auszubildende aus Pflegeberufen. - 16.11.2020 06:00 Uhr

Wolfgang Eckardt zeigt, wo der internationale Pflegecampus entstehen soll.

13.11.2020 © Foto: Claudia Lehner


Wüsste man nicht, dass man gerade von der Metzgergasse aus den Innenhof mit dem alten Stall betreten hat, würde man meinen auf dem Land zu sein. Der Esskastianienbaum hat schon seine Blätter verloren, verwildert und sanierungsbedürftig, aber voller Potenzial präsentiert sich das frühere landwirtschaftliche Anwesen in der Metzgergasse 20: Dort könnten – ab Herbst 2022 oder früher – Auszubildende aus Pflegeberufen leben, aber auch lernen. "Internationaler Pflegecampus" ist das Projekt überschrieben, das von einer Gesellschaft von Investoren und Geschäftsführer Wolfgang Eckardt vorangetrieben wird.

In Pflegeberufen herrscht Mangel. Es gibt zu wenig Fachpersonal. Das war der Ausgangspunkt für Altbürgermeister Eckardt. Junge Auszubildende werden aus dem Ausland angeworben, doch häufig brechen sie die Ausbildung ab oder kehren danach in ihre Heimat zurück. Das hatte ihm der damalige Leiter der Berufsfachschule für Pflege des Landkreises in Scheinfeld, Marcus Rasim, bestätigt.

Allein in einer zu großen und oft deshalb zu teuren Wohnung, mit einem langem Weg zur Arbeit oder in die Schule, mit Zug und Bus, schlecht integriert in die hiesige Gesellschaft: Keine guten Voraussetzungen, um sich heimisch zu fühlen und zu bleiben, befindet Eckardt.

25 bis 30 kleine Apartments

Der Pflegecampus soll das ändern. 25 bis 30 kleine Apartments sollen entstehen, Gemeinschaftsräume, Möglichkeiten, Wäsche zu waschen und mit Kommilitonen einen netten Abend zu verbringen. Zwei Seminarräume sind außerdem geplant. Denn es geht nicht ums Wohnen allein: Sprachkurse, Lerngruppen, fachliche Weiterbildungsangebote oder Vorträge über die Stadt. Eckardt kann sich vieles vorstellen, was stattfinden könnte.

Die Apartments von 17 bis 22 Quadratmetern im Stil eines Studentenwohnheims wären voll möbliert, mit Bett, Tisch, Schrank, Toilette, Dusche und W-Lan. Vermietet würde warm, also zum Pauschalpreis. Strom und Wärme sollen über ein Blockheizkraftwerk produziert werden, eventuell auch durch Fotovoltaik oder eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe. Die Optionen werden noch geprüft.

In Kooperation mit dem Landkreis

Für das Wohnprojekt ist die Gesellschaft bürgerlichen Rechts mit den Investoren zuständig. Was darüber hinaus geplant ist, soll als "Public Private Partnership" mit dem Landkreis verwirklicht werden. Die Seminarräume würden an den Partner vermietet. "Es braucht einen Kümmerer", sagt Eckardt. Die Ansprechpartnerin im Landratsamt für die Pflegeberufe wird sich dessen annehmen. Neben dem Bildungsprogramm gäbe es so etwas wie einen Bus zur Schule zu organisieren. Die Arbeitsplätze in der Stadt könnten die Azubis zu Fuß oder mit dem Rad erreichen.

Gemeinsam mit unter anderem Landrat Helmut Weiß, Landtagsabgeordnetem Hans Herold und Klinikvorstand Stefan Schilling hat Eckardt das Projekt bei Gesundheitsministerin Melanie Huml vorgestellt, die sich "begeistert" gezeigt hätte. Es könnte ein Pilotprojekt auch für andere Kommunen werden. Entsprechend soll es wissenschaftlich durch eine Hochschule begleitet werden. Der Bedarf scheint groß, wie Eckardt aus Gesprächen mit Verantwortlichen der Pflegeschule, von Altenheim und Kliniken weiß. "Sofort" hätten sie einige Interessenten für die Apartments an der Hand gehabt. Doch Corona hat das Projekt zeitlich zurückgeworfen. Zum Schuljahresbeginn 2021 hätte Eckardt gerne eröffnet, nun könnte es 2022 werden. Mit den Baumaßnahmen hofft er im kommenden Jahr beginnen zu können.

Positive Effekte für Bad Windsheim

Für Bad Windsheim sieht der Eckardt zusätzliche positive Effekte. Ein "stark sanierungsbedürftiges" Gebäude wird hergerichtet. Das Wohnhaus an der Metzgergasse stammt aus dem 17. Jahrhundert. Hier gilt Denkmalschutz, für den Stall Ensembleschutz. Der Bauantrag für einen Teil des Areals ist bereits im Stadtrat einstimmig abgesegnet worden. Am Donnerstag folgt bei der nächsten Sitzung der Rest. "Es gibt keine bessere Innenstadtbelebung als 25 bis 30 junge Menschen, die dort hinziehen" befindet Eckardt. Das entspricht einer Klassenstärke. Und was ist mit dem nächsten Jahrgang? Eckardt lächelt vielsagend. Es wird ein Pilotprojekt – zur Nachahmung.

CLAUDIA LEHNER

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