Samstag, 21.09.2019

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Bad Windsheim bereit für die Kirchweih

Landjugend Külsheim stellt mit dem Brauchtumsverein Kirchweihbaum auf - 16.08.2019 19:14 Uhr

Eine starke Truppe richtet den Kerwabaum vor dem Rathaus auf. © Foto: bl


Als der Baum einen Ruck macht, brandet Applaus auf. Sein geübter Blick zeigt Michael Stiegler aber: Das Ding ist noch nicht drin. Die tapferen Helfer des Vereins zur Förderung des Fränkischen Kirchweih-Brauchtums (FKB) und die 19 erfahrenen Recken der Landjugend Külsheim müssen noch ein paar Mal die Hände anlegen. Nach insgesamt 37 Minuten ist der Akt vollendet und seit Donnerstagabend steht zum zweiten Mal ein Kerwabaum am Marktplatz in Bad Windsheim.

Es ist 20 vor Sieben, als der Grill von Ellen Kern längst auf vollen Touren läuft und die ersten Schaulustigen sich ein Bierchen zur Eiswaffel gönnen. Die FKB-Protagonisten treffen tröpfchenweise ein, in extra angefertigten blauen und roten T-Shirts. Fast jeder hat eine Ausrede parat, warum gerade er nicht mithelfen sollte beim Aufstellen des Baums. Rothemd Peter Löscher, seines Zeichens Marktplatzbürgermeister, mit Verweis auf sein Trikot: "Wir müssen nichts arbeiten, hieß es doch, oder?"

Leichte Unklarheit herrscht über den Ankunftsort der Külsheimer. Süd- oder Nordost-Seite des Marktplatzes? Über die Kegetstraße war ausgemacht, heißt es. Die Zufahrt über den Klosterplatz ist jedenfalls abgesperrt. Glockenläuten. 19 Uhr. Wilhelm Kirchberger, auch ein Roter, zückt sein Handy: "Die Külsheimer haben eine Live-Standort-Übertragung eingerichtet. Sind scheinbar im Mühlweg. Dauert noch."

Doch die andere Richtung

Hektik um 19.08 Uhr. Das dezente Tuckern eines Traktormotors ist vom Klosterplatz zu hören. Die kommen doch aus der anderen Richtung. Es sind zwei Gespanne. Vorneweg liegen die Schwalben und das Werkzeug auf einem Anhänger. Hinterher zieht ein kleiner roter, fein herausgeputzter alter Porsche-Trecker den etwa 20 Meter langen Baum auf den Marktplatz. Das erste erwartungsfrohe Raunen im Rund.

Zu Fuß begleiten die Ortsburschen die Gespanne. Sie hätten diese roten und blauen FKB-Shirts anziehen sollen, erzählen sie später, haben jedoch auf dunkle Hosen, weiße Hemden und rote Halstücher bestanden. So stellen sie ihren eigenen Baum seit Jahrzehnten auf. Gute Wahl.

Ohne Zinnober werden Werkzeug und Schwalben abgeladen. Der erste Traktor wird weggefahren, um Platz zu schaffen. Pflopp! Pflopp! Die Landjugendmitglieder öffnen erstmal ein paar Bierfläschchen zur Stärkung. Plötzlich hat Bürgermeister Bernhard Kisch die Arbeitshandschuhe übergestreift und wirkt bereit. Genau wie das Volk. Der Marktplatz ist voll. Es sind etwa 400 Schaulustige.

Nach der Vermessung des Baumstumpfes zeigt sich: zu lang, zu dick. Zeit für die Kettensäge. Spektakulärer Start, der auch immer mehr FKB-Mitglieder anlockt. Am anderen Ende schmücken unterdessen die Frauen die Baumspitze. Als die Maße am Stumpf passen, wird der Kranz auf den Stamm geschoben. Festschrauben. Es gibt kein Zurück mehr.

Jetzt packen selbst die Rothemden zu. Der Baum wird zunächst in die richtige Position mit Lochnähe versetzt. Michael Stiegler übernimmt das Kommando. Schon sein Vater hatte einst die Külsheimer Ortsburschen beim Aufstellen des Kerwabaums dirigiert. Jetzt kuscht auch ein Kurdirektor Mike Bernasco.

19.33 Uhr, erster Einsatz für die Schwalben. Zusammenhalten. Landjugend und Kerwabrauchtumsvereinsmitglieder bilden ein echtes Team. Letzte Anweisungen für Wilhelm Kirchberger: Jetzt nur nicht in die falsche Richtung laufen. "Hau ruck!" Kirchberger läuft korrekt. Der Baum stellt sich ein Stück weiter auf. Immer näher ran an seine neue Nachbarin: Justitia auf dem Rathausdach.

Der Baum steht schief

Es fühlt sich wie eine Ewigkeit an. Doch nach nur 14 Minuten flutscht der Baum plötzlich ins Loch. Beifall. Es wird unruhig in der Schwalben-Truppe. Der Baum steht schief. Stiegler behält die Übersicht. "Noch ein bisschen." Ein paar letzte Ruckler. Ein Keil. Noch ein genauer Blick. Stiegler: "Hey, es kann auch sein, dass er einfach so krumm is." Gelächter. Noch ein Keil. Passt!

Wieder Applaus und dann geht es plötzlich ganz schnell. Die Absperrbänder werden entfernt, Bierbänke aufgestellt, das Werkzeug weggeräumt. Dann noch einmal der Bürgermeister. Höchstselbst fixiert er mit einem großen Hammer den letzten Keil am Baumloch. Partymusik spielt schon dezent im Hintergrund. 19.52 Uhr. Die Schau ist vorbei.

"Ja, natürlich haben wir da heute viel gelernt", betont Kurdirektor Bernasco, als der FKB auf den Erfolg anstößt. Thomas Sighart, sonst als Direktor der Sparkasse mit der Zurückhaltung des Krawattenträgers, im Überschwang: "An solchen Tagen werden Helden geboren." Und Peter Löscher will von etwaigem Muskelkater nach der Anstrengung mal überhaupt nichts wissen.

Nach getaner Arbeit baut sich die Landjugend unterm Baum, der übrigens beim Bürgermeisterfrühschoppen am Kerwamontag, 26. August, im Festzelt versteigert wir, eine große Tafel aus Biertischen auf. Zeit für kühle Getränke und einen Vesper, spendiert von ihren Mitstreitern. Außerdem spendieren Sparkasse und Brauerei Mönchshof eine Runde T-Shirts. Alle Beteiligten sind stolz auf das Debüt. Oberkommandierender Stiegler findet: "Das haben sie fürs erste Mal echt gut gemacht. Jetzt dürfen sie bei unserer Kerwa gerne dazuhelfen. Das Angebot steht." 

Bastian Lauer

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