Mittwoch, 21.04.2021

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Bad Windsheim: Container für Obdachlose wurden zur Dauerlösung

Die vier Wohn-Container nahe des Wertstoffhofes sind dauerbelegt - 20.08.2020 14:00 Uhr

Wie auf dem Präsentierteller fühlen sich die Bewohner der Container nahe des Wertstoffhofs.

19.08.2020 © Foto: Claudia Lehner


Die Zahl der Obdachlosen ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, wie Kämmerin Melanie Greifenstein sagt. Bürgermeister Jürgen Heckel will die Situation, die er als Bürgermeister mit übernommen hat, so jedoch nicht belassen. Mit Nachdruck werde nach Wohnungen gesucht. Das Leben in einem Container sei auf Dauer nicht menschenwürdig.

15 Personen sind es derzeit, für die die Stadt ein Dach über dem Kopf bereit stellen muss. Die Stadt besitzt einige Wohnungen, die sie vermietet, einige werden speziell für Obdachlose genutzt. Ansonsten bleiben nur noch die Container. Diese sind "keine Wohnung, sondern eine Notunterkunft", bestätigt Greifenstein.

"Die Stadt Bad Windsheim ist dafür zuständig, dass niemand auf der Straße schlafen muss", sagt sie. Allerdings gebe es auch keinen Anspruch darauf, dass die Verwaltung Wohnungen zur Verfügung stellt. In großen Städten würden beispielsweise nur für nachts Betten in Notunterkünften zur Verfügung gestellt.

Notunterkünfte ersetzt

Die vier Container waren vor gut zwei Jahren aufgestellt worden. Sie hatten zwei ältere, arg in die Jahre gekommene Notunterkünfte ersetzt. Allerdings ist die Situation in den Containern angespannt. Wie Dieter Engelhardt, der Leiter der Bad Windsheimer Polizeidienststelle, auf WZ- Nachfrage bestätigt, gibt es "immer wieder Einsätze dort".

Teilweise auch zwei Mal an einem Abend. Von einem harmonischen Zusammenleben kann in den Containern nicht gesprochen werden. "Ich sehe die räumliche Enge sehr kritisch", sagt Engelhardt. Dazu komme dann manches Mal noch der Alkohol.

Die angespannte Lage in den Containern kennt auch Ulrike Eberlein vom Projekt Strohhalm. Dass die Container nun schon lange dauerbelegt sind, findet sie auch aus einem anderen Grund nicht gut. Manches Mal sucht sie für einen akuten Notfall ein kurzfristige Bleibe, dafür könnten die Container dienen, wenn sie frei wären.

"Nicht in Ordnung"

Bürgermeister Jürgen Heckel sieht diese ebenfalls nur als Übergangslösung. "Das ist nicht in Ordnung" verweist er darauf, dass vor seiner Amtszeit daraus ein Dauerzustand gemacht worden sei. Mit den beiden anderen Bürgermeistern sei er "am Thema dran" und hebt besonders das Engagement von Alexandra Horst hervor, die Heckels Stellvertreterin und schon unter Bernhard Kisch Dritte Bürgermeisterin gewesen ist.

Das sind "Leute, die ein Schicksal hinter sich haben", sagt Heckel über die Bewohner, auch wenn er einschränkt, dass er möglicherweise nicht für alle eine bessere Lösung finden werde. "Wir versuchen alles."

Das dürfte nicht einfach sein. Generell gibt es in Bad Windsheim zu wenig passenden und günstigen Wohnraum, weiß Ulrike Eberlein aus ihrer ehrenamtlichen Arbeit. Gerade in der Anfangszeit von Corona, als gemeinsam mit dem TV 1860 Essen ausgefahren wurde, sei ihr bewusst geworden, wie viele Menschen auch in Bad Windsheim darauf angewiesen sind. Dabei gebe es doch durchaus Leerstände in der Kurstadt, gibt sie zu bedenken.

CLAUDIA LEHNER

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