18°

Donnerstag, 04.06.2020

|

Bad Windsheim: Erstklässler schlagen sich wacker

Lehrer und Schüler der Grundschulen müssen sich von Gewohnheiten lösen. - 21.05.2020 06:00 Uhr

Die Fußspuren auf dem Boden der Ipsheimer Grundschule sollen den Schülern helfen, die Abstandsregeln einzuhalten. © Foto: Anna Franck


"Ziemlich verschüchtert" waren die Kleinen am vergangenen Montag an der Schule angekommen, erzählt Petra Fink, Schulleiterin in Obernzenn. In Burgbernheim wurden sie laut Konrektor Harald Helgert von ihrem Lehrer abgeholt. Die "Vorfreude auf die Schule und ihre Freunde" sei so groß gewesen, dass sie alle Regeln in Kauf genommen hätten, sagt Silvia Dersch, Leiterin der Delpschule. Die Eltern sollten vorab zuhause über die Vorschriften sprechen. "Die Kinder waren sehr gut vorbereitet, alle mit Mundschutz", freut sich Dersch.

Für die Erstklässler ist die Einhaltung der Regeln oft schwieriger als für die schon älteren Viertklässler, wenngleich sich die Schulleiter dennoch zufrieden und verständnisvoll zeigen. "Die machen das richtig gut", freut sich Fink über die Disziplin der Schüler. "Die Erstklässler verstehen die Regeln, denken aber oft einfach nicht dran", vermutet Lydia Stoll, Leiterin der Pastoriusschule. Sie seien es einfach anders gewohnt und müssten hin und wieder erinnert werden.

Der Mund-Nasen-Schutz muss in den fünf Grundschulen nur beim Verlassen des Platzes, beispielsweise beim Toilettengang, getragen werden. Im Unterricht darf er abgenommen werden. Um das Infektionsrisiko auch in den Pausen möglichst gering zu halten, finden diese oftmals zeitversetzt statt. Die Ipsheimer Grundschüler müssen sie bis zu den Pfingstferien im Klassenzimmer verbringen. "Danach müssen wir schauen, wie es sich weiterentwickelt", sagt Schulleiterin Martina Anderlik.

In Obernzenn dürfen die Viertklässler sogar Fußball spielen. "Dabei wird vorher klar ausgemacht, wer den Ball anfasst", erklärt Fink. Während die Viertklässler der Delpschule, die vier Stunden Unterricht haben, ihre Pause draußen verbringen, müssen die Erstklässler (drei Stunden Unterricht) drinnen bleiben. Eine zusätzliche Wiese dient den Schülern der Pastorius-Schule vorübergehend als zweiter Pausenhof. Beide sind jeweils in zwei Zonen geteilt, in denen je zehn Kinder spielen. In Burgbernheim sind zudem die Buszeiten zeitversetzt.

Als "sehr intensiven Inputunterricht" beschreibt Stoll die Situation in den Klassenzimmern. "Dieser Frontalunterricht ist sonst nicht der Alltag", erklärt die Schulleiterin, "aber wir lassen uns darauf ein." Sonst selbstverständliche Gruppenarbeiten sind momentan nicht möglich. "Das gefällt uns nicht, aber es ist halt notwendig", sagt Anderlik. "Ich find’s schrecklich", schließt sich auch Fink an. All das, was den Unterricht ausmacht, sei nicht erlaubt. Die Lehrer müssen sich derweil der Herausforderung stellen, jedem Kind gerecht zu werden. Deshalb wird viel kommuniziert. Wer steht an welchen Punkt? Mit welcher Unterstützung wurde daheim gelernt? Solche Fragen müssen geklärt werden, um individuell auf das jeweilige Kind einzugehen. Hat ein Kind eine Frage, hilft der Lehrer in vier der fünf Grundschulen am Platz mit Mundschutz weiter.

Strenger läuft es in Ipsheim: "Die 1,5 Meter Abstand sind vorgegeben und wir müssen das umsetzen", sagt Anderlik. Umstellungen in vielen Bereichen – auch bei Kleinigkeiten, wie zum Beispiel der Ausgabe von Arbeitsblättern. Solche werden in Burgbernheim nicht mehr verteilt. Stattdessen holen sich die Schüler die Blätter der Reihe nach von einer Übergabebank ab, erklärt Helgert. Wenngleich der Konrektor die Situation ebenfalls als "befremdlich" empfindet, versucht er einen positiven Aspekt zu sehen: Aufgrund der kleinen Gruppen wird Disziplinproblemen vorgebeugt. "Das ist herrlich."

ANNA FRANCK

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Bad Windsheim