Freitag, 21.02.2020

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Bad Windsheim: Landkreis will klimaneutral werden

100 Prozent Erneuerbare Energien sind im Landkreis bereits erreicht. - 13.02.2020 11:00 Uhr

Windkraftanlagen hatten einen großen Anteil daran, dass der Landkreis bereits vor einigen Jahren rein rechnerisch zum Selbstversorger bei Erneuerbaren Energien wurde. © Archiv-Foto: Gero Selg


Bereits 2017 lag die Quote bei 136 Prozent, neuere Zahlen sind nicht verfügbar. Das aktuelle Ziel ist ehrgeiziger: Klimaneutralität bis 2050. Der Arbeitskreis Energie hatte den Antrag gestellt, sich das Ziel der rechnerischen Selbstversorgung bei den Erneuerbaren Energien zu setzen. Im November 2010 beschloss dies der Ausschuss für Energie, Umwelt und Planung, der Kreistag folgte. Damals wurde kritisiert, dass es doch ohnehin in weiten Teilen die Bürger umsetzen müssten und Dr. Renate Kapune sich ja sowieso im Landratsamt mit dem Thema Energie befasse.

In der Tat waren es die Bürger, die den Kreis bei Erneuerbaren Energien weit nach vorne gebracht haben. "Die Bürger investieren und finanzieren die Projekte", erklärt Kapune: Fotovoltaikanlagen auf dem eigenen Dach, aber auch Windkraftanlagen, die meist Bürgeranlagen sind.

Rein rechnerischer Wert

Die 136 Prozent sind ein rein rechnerischer Wert, der nicht bedeutet, dass jeder Stromverbrauch im Landkreis durch hier erzeugte Erneuerbare Energien gedeckt wird. Kapune hat den Verbrauch und die Stromproduktion gegenübergestellt. Eventuell sind noch einige Prozentpunkte dazugekommen, denn die Daten des Energieatlas Bayern stammen aus dem Jahr 2017. Allerdings dürfte der Zubau gering gewesen sein. Großen Anteil an den Erneuerbaren Energien im Landkreis hatten Fotovoltaik und Windkraft, als drittes Biogasanlagen.

Der Ausbau der Windenergie kam mit der 10-H-Regelung nahezu zum Erliegen und im Landkreis seien fast alle Flächen besetzt, auf denen nach aktueller Gesetzeslage Windräder möglich seien. Auch bei Fotovoltaikanlagen ging aufgrund neuer Gesetze nur noch wenig. Das hat sich wieder geändert. Die Nachfrage nach Freiflächen-Fotovoltaikanlagen ist nach einer Lockerung bei den Vorschriften groß, etliche Gemeinderäte haben sich wie berichtet mit entsprechenden Anträgen zu befassen. Laut Kapune ist auch das Interesse an privaten Fotovoltaik- und entsprechenden Speicheranlagen wieder gestiegen – vorwiegend zur Eigennutzung. Entsprechend finden sie auch keinen Eingang in die Kalkulation zu Abdeckung mit Erneuerbaren Energien, wie Kapune erklärt.

Trotz der auf den ersten Blick beeindruckenden Zahl wünscht sich Tomi Engel vom Arbeitskreis Energie deutlich mehr. Wie er bereits 2016 bemerkte, müssten es eigentlich 300 Prozent sein, um als ländliche Region die Stadt mitzuversorgen.

Klimaneutralität bis 2050

Nach dem Grünen Strom hat sich der Landkreis ein noch umfassenderes Ziel gesetzt, beziehungsweise nimmt eine Vorgabe des Bundes auf: weitgehende Klimaneutralität bis 2050, also idealerweise nur so viel Treibhausgase zu erzeugen, dass sie vollständig kompensiert werden können. Dies ist im Klimaschutzkonzept des Landkreises formuliert, das 2015 beauftragt und dessen Leitbild 2018 beschlossen wurde. 7,4 Tonnen Kohlendioxid (CO2) werden im Kreis pro Bürger im Jahr erzeugt. Die müssten auf ein bis zwei Tonnen reduziert werden. Je ein Drittel machen laut Kapune Verkehr, Haushalte und Industrie aus. Im Klimakonzept geht es um die "Wärmewende". Besonders das Einsparen von Energie und das Dämmen von Häusern werden in den Blick genommen. Die aktuelle Sanierungsquote müsste von einem auf jährlich zwei Prozent erhöht werden, sagt Kapune.

Dem Landkreis bleibt weiterhin vor allem zu beraten und zu werben, wie mit den aktuellen Aktionswochen zur E-Mobilität. Außerdem wurde im Leitbild zum Klimaschutzkonzept formuliert, dass man mit gutem Beispiel bei eigenen Liegenschaften und Fuhrpark vorangehen will. Hat der Kreis beim Strom mit seiner großen Fläche einen Vorteil gegenüber der Stadt, sieht es bei der Klimaneutralität anders aus. Der Verkehr sei auf dem Land ganz entscheidend, so Kapune, und die Zulassungszahlen der Fahrzeuge stiegen. Der Landkreis schafft mit der Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs dabei eine Alternative. Ob dies zum Klimaschutz beiträgt? "Das wird sich zeigen", sagt Kapune. Je nachdem, wie es die Bürger annehmen. Erst in drei bis fünf Jahren sollen neue Daten gesammelt werden. Dann kann verglichen werden.

Claudia Lehner

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