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Montag, 20.01.2020

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Bad Windsheim: Mehr als nur Blumen pflanzen

Die Themen der Bürgerversammlung drehten sich von Stadtbuslinien bis zur Surferwelle für die Gartenschau. - 15.01.2020 14:00 Uhr

Rainer Schwarzmann erklärt den Bürgern das erarbeitete Stadtbuskonzept. © Foto: Stefan Blank


Eine Online-Umfrage unter Bürgern des Landkreises bestätigte laut Rainer Schwarzmann, Geschäftsführer der Transport Technologie-Consult Karlsruhe GmbH, die Nachfrage nach dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in der Kurstadt. Durch das Stadtbuskonzept solle diese gebündelt werden. Drei Linien, die mit zwei acht Meter langen Midi-Bussen befahren werden, soll es wie berichtet geben. Linie A und B decken den Freizeitverkehr ab, C diene Alltagsfahrten. Je nach Auslastung und Bus können Kosten von bis zu 360 000 Euro pro Jahr anfallen, von denen im Schnitt 40 Prozent auf die Öffentlichkeit zurückfallen, erklärte Schwarzmann auf eine Nachfrage von Peter Lutz hin.

"Es gibt keinen ÖPNV, der sich selbst trägt", stellte Schwarzmann klar. Weil eine weitere Linie nicht effizient wäre, sollen die nicht angefahrenen Ortsteile auf das geplante landkreisweite Anrufsammeltaxi zurückgreifen. Der Bahnhof als "Mobilitätsknotenpunkt" müsse sich wandeln: Kiosk, Toilette, Paket-Station, Bankautomat, Ticketverkauf und Tourist-Info sollen entstehen. Die Priorität müsse am Bahnhof auf den Bussen liegen und die Parkplätze umgelagert werden. Drei Nachfragen – nach 45 Minuten war der nächste Punkt dran: Gartenschau.

"Es gibt bei uns in Tirschenreuth eine Zeitrechnung vor und nach der Gartenschau", schwärmte der Tirschenreuther Bürgermeister Franz Stahl. Emotional blickte er auf das Jahr 2013. Damals richtete die 9000-Einwohner-Stadt in der Oberpfalz – "endlich" – nach zwei fehlgeschlagenen Bewerbungen drei Monate lang die "Natur in die Stadt Gartenschau" aus. 130 Millionen Euro seien von 2002 bis 2019 in Stadtentwicklung und Infrastruktur geflossen. "Es geht hier nicht nur um Blumen, sondern um die Beseitigung von Brachflächen", erinnerte Stahl. Es wurde eine Senke südlich der Altstadt geflutet, um einen sechs Hektar großen See zu schaffen – samt Rundweg und Grünflächen.

Andrea Gebhard vom Münchner Planungsbüro mahl-gebhard-Konzepte war als nächste an der Reihe. Sie hat die Gartenschau-Bewerbung mit erarbeitet. Gesund, urban, traditionell – so könnte das Motto der Kurstadt sein. "Wir müssen klar machen, warum wir diese Gartenschau brauchen", erklärte sie. Am morgigen Donnerstag soll ein Beschluss zur Bewerbung im Stadtrat fallen.

Freilandmuseum, KKC, Franken-Therme, denkmalgeschützter Kurpark. "Das was da ist, müssen wir in Zusammenhang bringen", erklärte Gebhard voller Elan und fügte ernst hinzu: "Das ist kein Spaziergang, sondern Arbeit". Die Schwächen der Stadt wie Barrieren oder Leerstände müssten angepackt werden. Als Flächen für die Schau wurden Areale zwischen Therme und Külsheim, der Kurpark selbst und westlich davon präsentiert. Dezentral müsse gearbeitet werden, an vielen kleinen Baustellen. Außerdem soll "Gesundheit eine größere Rolle spielen als sonst üblich". Plätze in der Innenstadt sollen begrünt, der Klostergarten wiederbelebt werden. Ein Parkhaus, um Parkplätze zu "stapeln" und weniger Fläche zu versiegeln, eine Orangerie, ein Biergarten oder eine Surferwelle – all das wäre denkbar.

Die Bürger nutzten die Chance, um Anregungen einzubringen. Stellvertretend für den Rotary Club schlug Thomas Sighart vor, einen Klimawald zu pflanzen und Baumpatenschaften anzubieten. Angelika Emmert brachte zwei Ideen ein: Einen Turm am Kurpark und einen Meditationsweg. Auch eine kritische Stimme bezüglich des entstehenden Baulärms wurde laut, der Bürgermeister Bernhard Kisch direkt entgegnete: "Ohne Veränderung gibt es keine Entwicklung." Doch die Stimmung im Saal war eindeutig pro Gartenschau, das sei von enormer Bedeutung, sagte Andrea Gebhard. "Das Wichtigste sind Sie."

ANNA FRANCK

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