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Bad Windsheimer Kurtheater wurde vor 23 Jahren abgerissen

Auf der Bühne wurde Faust aufgeführt und die Kinder tanzten Ballett - zum Abschluss gab es eine große Fete - 14.10.2011 12:05 Uhr

1988 wurde das Kurtheater abgerissen. Wo es stand, übernachten heute Gäste des Arvena Reichsstadt Hotels. © Archiv


Manche erinnern sich noch: an Klappsessel aus Holz, teil­weise mit rotem Samtbezug und den schon in den letzten Jahren des Thea­ters nostalgisch wirkenden Charme. Am östlichen Ende der Pfarrgasse, nicht weit von der Einmündung zur Pastoriusstraße, stand das 1956 er­richtete Gebäude, das erst ein Licht­spielhaus war und über dessen Ein­gang nach 1965 in großen Lettern stolz Kurtheater prangte. Heute er­innert nichts mehr an die Kulturein­richtung in Windsheim. Nun sind dort Teile des Reichsstadt Hotels zu finden.

Ursula Schäfer, früher Allmendin­ger, kann sich noch gut an das Thea­ter erinnern. 1962 hatte die Stadt das Lichtspielhaus gekauft, wiedereröff­net wurde es 1965 als Theater. Einige Jahre später, 1977, fing Ursula Schä­fer bei der Kurverwaltung der Stadt an und war dort zuständig für das kleine Schauspielhaus, das immer im Winter Saison hatte. Das fränkische Theater Maßbach war der „Haus- und Hoflieferant“, erinnert sie sich.

 

Über den Theaterring gab es einen festen Abonnentenstamm, überwie­gend Windsheimer. Auch Kurgäste besuchten gerne die Aufführung, so Schäfer. Gegeben wurden Schwänke, Komödien, aber auch ernste Stücke. 1984 zum Beispiel gab es sechs Auf­führungen. Eröffnet wurde die Sai­son im September mit einer begeis­ternden Aufführung des Urfaust. Am 5. November stand Thornton Wilders „Unsere kleine Stadt“ auf dem Thea­terzettel, dann zwei Komödien, ein Krimi und Tennessee Williams’ „Die Glasmenagerie“.

Im Laufe der Jahre kamen immer weniger Zuschauer

Die Aufführungen waren „gut besucht“, weiß Schäfer. Doch war das vom Wetter abhängig. Im Laufe der Jahre kamen immer weniger. Ein Zuschussbetrieb sei das Theater aber immer gewesen. „Für die damalige Zeit war es toll“, meint Schäfer, „dass sich eine junge Kur­stadt ein Theater geleistet hat“.

Von außen sei es hübsch anzusehen gewe­sen. Gern erinnert sie sich auch an das warme Rot des gro­ßen Samtvorhangs – am Eingang und vor der Bühne – und den besonde­ren Charme des Theaters. Der Vor­hang wurde nach dem Abriss noch manches Mal genutzt und bei Veran­staltungen in der Alten Stadthalle links und rechts drapiert. Eine kleine nostalgische Erinnerung.

 

Gerne denkt Ingrid Godenberg an das einstige Theater zurück. Mit ihrer Familie hat sie über dem Eingang ge­wohnt, war 16 Jahre lang, bis 1988, Garderobiere und Hausmeister in ei­nem. „Ich war immer da.“ Nicht nur die Theateraufführungen haben ihr ge­fallen, auch die Ballettproben. „Den kleinen Mäuslein auf der Bühne habe ich gerne zugeschaut.“ Das Aus für das Theater hat sie sehr traurig gemacht, wie viele ande­re auch.

Einen anderen Weg als den Abriss hätte es nicht gegeben

In der Pfarrgasse stand das 1956 er­richtete Gebäude, das erst ein Licht­spielhaus war und über dessen Ein­gang nach 1965 in großen Lettern stolz Kurtheater prangte. © Archiv


Einen anderen Weg als Ab­riss sieht Ursula Schäfer im Rück­blick nicht. Das Gebäude sei sanie­rungsbedürftig und nicht mehr wirt­schaftlich zu führen gewesen. Im April 1988 verabschiedeten sich Kulturschaffende mit einer zweitägi­gen Abrissfete von der Spielstätte. Die Aktion Kulturtreff hatte die Jazz-Rock-Galerie aus Rothenburg eingeladen, außerdem das Jonglier­duo Yo-Yo und Mäc sowie das Pro­jekt „1000 Sonnenbrillen tanzen Sam­ba“. Höhepunkt war die Versteige­rung des Inventars: Wer wollte, konn­te sich einen der Theatersessel ins Wohnzimmer stellen.

Der Versuch, mit mehr als zehn Jah­ren Abstand – das Kur- und Kon­gress- Center wur­de 1998 fertig gestellt – in der neuen großen Halle des KKC wieder einen Theaterbetrieb zu installieren, funk­tionierte nicht. Über eine Winterspiel­zeit wurde nachgedacht, doch kam man bei Aufführungen nie über hun­dert Zuschauer hinaus, erinnert sich Schäfer, die von der einst städtischen Kurverwaltung in die 1991 gegründe­te Kur-, Kongress- und Touristik Gmb H gewechselt war.

690 Zuschauer kann der große Saal in Reihenbestuh­lung aufnehmen. Eine Theateratmos­phäre zu kreieren sei nur schwer mög­lich, meint sie. Eine kleine Bühne oder Spielstätte fehlt. Heute um so mehr: Ende des Jahres gehen im Cabaret im Brater die Lichter aus. 

CLAUDIA LEHNER

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