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Bei Bedarf zur virtuellen Haltestelle

Das Mobilitätskonzept stößt im Kreis- und Regionalentwicklungsausschuss auf breite Zustimmung. - 09.05.2019 17:15 Uhr

Mit dem Mobilitätskonzept des Landkreises soll das bestehende Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs ergänzt werden. Den Landkreis könnte das bis zu 800 000 Euro pro Jahr extra kosten.Archiv-Foto: Claudia Lehner © Foto: ia


"Alle Bedürfnisse und Anforderungen zu realisieren, ist nicht möglich", betonte Udo Sparmann vom mit der Erstellung des Konzepts beauftragten Büro. Waren es im März noch neun Sektoren, in die der Landkreis verkehrsmäßig aufgeteilt werden sollte, stellte Sparmann nach intensiven Sitzungen des Arbeitskreises, dem Stefan Schuster (CSU) ein zielgerichtetes Arbeiten bescheinigte, den Kreisräten nun das On-Demand-Konzept mit sechs Bedienungsgebieten vor. Zentrale Verkehrsknotenpunkte sind Uffenheim, Burgbernheim, Bad Windsheim, Markt Bibart/Scheinfeld, Neustadt und Emskirchen. Sparmann betonte die Durchlässigkeit der Sektoren.

Nach den Kalkulationen des Planungsbüros werden sechs Fahrzeuge benötigt. Pro Auto sind 1,5 Fahrer notwendig. Die Betriebszeiten könnten Montag bis Freitag von 9 bis 21 Uhr und Samstag von 10 bis 24 Uhr sein. Zirka eine Stunde vorher muss die Bedarfsfahrt angemeldet sein.

Nicht für Berufsverkehr

Sparmann erklärte auf Nachfrage, dass das Konzept nicht für den Berufsverkehr gedacht sei, die Zeiten seien auch nicht in Stein gemeißelt. Die Anzahl der Fahrzeuge sei unabhängig von der Anzahl der Sektoren und könne je nach Nachfrage variieren. Nur durch eine gemeinsame Zentrale und Disposition im Landkreis sei das Konzept aber realisierbar. Rechtliche Probleme hinsichtlich der Taxis sehe Sparmann nicht.

Welche Kosten auf den Landkreis zukommen, hänge nicht zuletzt von den variablen Parametern ab, sprich von der Zahl der Fahrgäste. Deshalb variiere der Zuschussbedarf. Sparmann nannte einen Betrag zwischen 0,5 und 0,8 Millionen Euro pro Jahr.

Die ersten sechs Monate nach einer Einführung seien eine "Datensammlungs- und Nachfrageanalysephase", sagte Sparmann. Stück für Stück müsse optimiert werden. "Das System muss den Landkreis kennenlernen", erklärte der Fachmann.

Uffenheims Bürgermeister Wolfgang Lampe (SPD) begrüßte das Konzept, das auch bei der Kommunalen Allianz A7 Franken West auf Zustimmung stoße. Insbesondere sieht er gute Verbindungen zwischen Uffenheim und Bad Windsheim, nach Burgbernheim fehle noch die Anbindung. "Wir müssen noch Optimierungen vornehmen", weiß er, ebenso was die Anbindung an andere Verkehrsverbünde betrifft, zum Beispiel tariflicher Art Richtung Würzburg.

Einen Nachteil sieht Christian von Dobschütz (CSU) in den virtuellen Haltestellen. Das Haustürprinzip wie beim Anrufsammeltaxi sei schon allein wegen Menschen mit Gehbehinderung besser. Die angenommenen virtuellen Haltestellen sind für Sparmann kein Dogma, allerdings brauche man aus genehmigungsrechtlicher Sicht Haltepunkte. In Einzelfällen könne sicher auch vor die Haustüre gefahren werden. Dieter Hummel (CSU) sprach deswegen von "variablen virtuellen Haltepunkten".

Einen guten Kompromiss sieht Walter Prechtel (UWG) in dem vorgestellten Ergebnis: "Wir sollten das als einen guten Anfang sehen." Fraktionskollege Helmut Reiß stimmte zu, wenngleich über manche Details noch zu reden sei. Wichtig sei, wie auch Klaus Meier (SPD) bestätigte, die Werbung und die Aufklärung.

Jürgen Osterlänger (ÖDP) möchte eine Synchronisation mit dem Klimaschutzkonzept, Walter Billmann (SPD) mahnte, auch die Kosten im Blick zu haben. Ewald Geißendörfer (CSU) fragte nach Möglichkeiten, wie Gäste, die mit dem Zug ankommen, dieses System nutzen könnten. Das sei mit der App möglich, meinte Sparmann. Von einer Buchung zusammen mit dem Bahnticket zeigte er sich aber nicht begeistert. Hans Herold (CSU) sprach von einem optimalen Zeitpunkt für das Konzept und denkt an eine Zusammenarbeit mit anderen Verkehrsverbünden, damit man mit einer Karte zum Beispiel von Ipsheim nach Würzburg kommt. 

VON GERHARD KRÄMER

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