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Beim zweiten Versuch: Neues Mahnkreuz auf dem Petersberg

Auf dem Petersberg steht seit Donnerstag ein neues Kreuz - 05.09.2020 06:00 Uhr

Das Kreuz mit dem Kreuz: Der erste Versuch es aufzurichten, mit Heinz Harttung (links) und Günter Grauf in den Traktoren sowie (von links) Christian Weide, Helge Ströbel und Stefan Popp an den Seilen, war schön anzusehen, führte aber nicht zum gewünschten Ergebnis.

04.09.2020 © Foto: Günter Blank


Zimmerer Helge Ströbel, sein Mitarbeiter Stefan Popp, die Gemeindearbeiter Günter Grauf und Christian Weide, Heinz Harttung und Reinhard Joas schafften das sechs Meter hohe Kreuz mit dem Lastwagen der Firma Ströbel und im finalen Steilanstieg mit dem Traktor der Gemeinde hinauf auf die "Kupf" und platzierten es im zweiten Anlauf passgenau in die Eisenhalterung.

Was nun noch fehlt, ist die feierliche Weihe des neuen Mahnkreuzes. Wie Bürgermeister Dr. Manfred Kern gestern gegenüber der WZ sagte, wolle er den Termin hierfür noch mit Pfarrer Dirk Brandenberg abstimmen und festlegen.

Geht doch: Heinz Harttung hat mit dem Kran seines Rückewagens im Vergleich zum ersten Versuch leichtes Spiel, das mächtige Kreuz zu platzieren.

04.09.2020 © Foto: Günter Blank


Wie berichtet, war das originale, im Jahr 1956 vom mittlerweile aufgelösten Verband der Heimkehrer errichtete und bei einer Großkundgebung mit rund 2000 Besuchern feierlich geweihte Eichenkreuz mit der Inschrift "Wir mahnen die Welt" morsch geworden und nicht mehr zu reparieren. Also machten sich Helge Ströbel und Stefan Popp im Auftrag der Gemeinde daran, ein neues Kreuz herzustellen, ganz dem Vorbild nachempfunden, mit derselben Inschrift am Querbalken.

Drei Tage lang werkelten die beiden an dem neuen Kreuz aus "Marktbergeler Eichen", wie der Hornauer Sägereiwerker Herbert Schassberger versicherte. Ende August war das Kreuz fertig, doch die steilen Wege droben am Berg waren nach vorangegangenen Regenfälle zunächst noch zu feucht, um den Transport des rund 750 Kilogramm schweren Kreuzes wagen zu können.

Geplant war die Errichtung für Freitag, doch am Donnerstag ging es ganz schnell. Die äußeren Umstände passten, Heinz Harttung hatte am Nachmittag auch Zeit und so machten sich die Männer ans Werk.

Das Kreuz wurde mittels einer Holzkonstruktion an der am Geräteträger des gemeindeeigenen Schleppers angebrachten Schaufel fixiert, Günter Grauf steuerte den so beladenen Traktor das letzte Stück von einem tiefer gelegenen Plateau hinauf zur Kuppe des Petersbergs. Dort traf wenig später Heinz Harttung mit seinem gleichfalls mit Frontladerschaufel bestückten Traktor ein.

Sodann bot sich den Wanderern und Mountainbikern, die gerade auf dem Gipfel des Petersbergs Rast machten, ein spannendes Schauspiel. Denn der Versuch, das schwere Holzkreuz zunächst unter Einsatz beider Traktoren, im weiteren Verlauf dann nur noch des einen in die Halterung einzuführen und es auf dem Weg dahin mittels Zugseilen auszutarieren und in der Vertikalen zu halten, schlug fehl. Das Kreuz kippte aus der senkrechten Position nach vorne und klappte die Schaufel des Frontladers nach unten weg.

Plan B geht voll auf

Passiert ist dabei zum Glück nichts, doch war man sich sogleich einig: So wird das nichts. Ein Plan B war schnell gefunden. Heinz Harttung fuhr runter ins Dorf und kehrte alsbald mit seinem Holzrückewagen im Schlepptau wieder auf das Gipfelplateau zurück. Das Kreuz wurde an den Ladekran des Rückewagens gehängt, hochgehoben und in die Halterung manövriert, wo es Helge Ströbel und Stefan Popp mit zwei mächtigen Schrauben fixierten.

Sitzt und passt, das Kreuz steht. Helge Ströbel schwingt den Hammer, Stefan Popp und Günter Grauf (rechts) sind zufrieden.

04.09.2020 © Foto: Günter Blank


Wie haben die das damals nur gemacht, vor 64 Jahren? Diese Frage nach der Vorgehensweise bei der Errichtung des ersten Kreuzes wurde am Donnerstag mehrmals gestellt. Die Antwort darauf findet sich in der Windsheimer Zeitung vom 15. Juni 1956: " Auf dem Gipfel angekommen, galt es nun das Kreuz in die vorbereitete Eisenhalterung einzulassen. Unter Leitung von Zimmermeister Hans Steinmetz jun. wurde ein mächtiger Dreibock aufgestellt, der es mit Hilfe einer Seilwinde ermöglichte, das Kreuz so weit hochzuheben, daß es in die Halterung eingelassen werden konnte." Das war’s.

Es war offenbar weniger die Installation vor Ort, sondern vielmehr die Frage, wie das Kreuz auf den Berg gebracht werden könne, welche 1956 den Verantwortlichen Sorgen bereitet hatte. "Feuchtes, zweifelhaftes Wetter", so war ebenfalls in besagter WZ-Ausgabe zu lesen, hatte dafür gesorgt, dass der ursprüngliche Plan, das 20 Zentner schwere Kreuz mit der Zugmaschine des Fuhrunternehmers Max Schor auf den Gipfel zu schaffen, verworfen wurde. Stattdessen und weil die Zeit angesichts der für den 17. Juni geplanten Weihe drängte, setzte man aufs Pferd.

Neue Bänke, neuer Zaun

Wie der Transport letztlich vonstatten ging, ist wie folgt beschrieben: "Am Mittwoch gegen Abend wurde es dann gewagt. Die zwei Pferde von Bauer Friedrich Häußner und zwei von Bürgermeister Balbach wurden zu einem Viererzug an einen leichten Langholzwagen gespannt. Die im Zuge der Flurbereinigung verbesserten Wege ließen erhoffen, daß das Wagnis gelingen würde, so drohende Wetterwolken trocken bleiben würden. Es war eine Fahrt, die von Roß und Mann das Letzte verlangte – aber es wurde glänzend geschafft."

"Alles ging erfreulich reibungslos und plangemäß vonstatten." Dieses 1956 nach der Errichtung des ersten Kreuzes gezogene Resümee lässt sich weitestgehend auch auf die Aktion vom Donnerstag übertragen.

Der Petersberg trägt nun also wieder sein weithin sichtbares Kreuz, die neue wuchtige Sitzgruppe auf der Kuppe des Marktbergeler Hausberges wurde gestern ebenfalls installiert. Die Bänke und der Zaun um das Mahnkreuz werden nächste Woche gleichfalls erneuert, dann präsentiert sich das Gipfelplateau, von welchem sich herrliche Rundum-Ausblicke eröffnen, wieder in einem Top-Zustand.

Im Gipfelbuch fand sich bereits am Donnerstag ein Eintrag, in dem ein Nutzer des Petersberg-Erlebnispfades beschreibt, wie er Zeuge der Errichtung des neuen Mahnkreuzes geworden ist.

GÜNTER BLANK

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