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Beschränkte Mimik: Durch die Maske bricht etwas weg

Masken stellen uns vor die Herausforderung, in der Kommunikation die Mimik zu ersetzen - 21.02.2021 06:00 Uhr

Masken erschweren in Corona-Zeiten die Kommunikation, da die Mimik fast wegfällt.

18.02.2021 © Foto: Katrin Müller


Dr. Mathias Bender, Chefarzt der Fachabteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie der Klinik in Bad Windsheim, konzentriert sich seit der Einführung der Maskenpflicht stärker auf die Augenpartie seiner Patienten. "Die Augen bekommen viel mehr Fokus von mir." Er glaubt, dass Gespräche zum Beispiel im Bereich der Psychotherapie beziehungsweise generell der sogenannten sprechenden Medizin stärker von der nur eingeschränkt wahrzunehmenden Mimik betroffen sind.

Denn, "wenn die Psyche dazu kommt", werde es auch bei ihm spannend. Versuchen Patienten, ihre Ängste vor einer Operation zu verbergen, habe er dies früher ohne Maske leichter erkannt, bekennt der Chefarzt. Mit der Maske könnten etwa Kopfbewegungen ganz verschieden interpretiert werden, "dann fehlt mir definitiv die Mundpartie".

Ihn faszinieren die Studien des österreichischen Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawick, auf den nicht nur der Satz zurückgeht "man kann nicht nicht kommunizieren". Watzlawick hat zudem auf die hohe Bedeutung nonverbaler Kommunikation wie der Mimik, Gestik und Körperhaltung hingewiesen. Einen erheblichen Einfluss hat außerdem die Stimmlage. Zu gerade einmal nur sieben Prozent wirken demnach die Inhalte der gesprochenen Worte eines Gesprächs. Fällt bei der Körpersprache durch die Maske noch ein Teil der Mimik weg, kann es schwer werden.

Gestik und direkte Ansprache

So findet auch Annette Schmidt, Pflegedienstleitung der Hospitalstiftung in Bad Windsheim, dass durch die Maske etwas wegbricht. Einerseits sei die Maskenpflicht zwar eine Gewöhnungssache gewesen, selbst die Verschärfung im vergangenen Herbst, als die FFP2-Maske für die Mitarbeiter obligatorisch wurde. Mit einem verstärkten Einsatz der Gestik und der direkten Ansprache der Senioren versuchen die Pflegekräfte, die eingeschränkte Mimik zu kompensieren, erzählt Annette Schmidt, gänzlich ausgleichen lässt sie sich dadurch nach ihrer Erfahrung jedoch nicht.

Schwierig werde es, wenn Bewohnern die Notwendigkeit eines Mund-Nasen-Schutzes nicht vermittelt werden kann, und diese die Maske immer wieder abziehen wollen. Ein Problem, das auch die Psychologin Dr. Katrin Kurzbuch kennt, sie leitet die Beratungsstelle des Sozialpsychiatrischen Dienstes des Diakonischen Werks in Neustadt.

Sehr belastend

Bei Panikattacken beispielsweise oder nach einem Trauma könne das Tragen einer Maske sehr belastend sein, sagt Katrin Kurzbuch. Mehrheitlich aber erzählen ihre Klienten von alltäglichen und ganz praktischen Problemchen durch die Maske wie der anlaufenden Brille und der Tatsache, dass sie das Lächeln ihres Gegenübers vermissen.

Zusätzlich zur eingeschränkten Mimik findet es Katrin Kurzbuch "schlichtweg körperlich anstrengender", ein längeres Gespräch mit Maske zu führen, als ohne. Auf der anderen Seite erlebt sie in ihrem Alltag, wie gut der Gewöhnungseffekt funktioniert. Die Kommunikation in Richtung der Augen, der Gestik oder der Sprache anzupassen, ist nach ihrer Einschätzung möglich, selbst bei den Gesprächen in der Beratungsstelle, die derzeit viel telefonisch stattfinden. "Wir haben ja zum Beispiel auch gelernt, mit jemandem am Telefon ein gutes Gespräch zu führen, auch wenn wir sein Gesicht nicht sehen."

CHRISTINE BERGER

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