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Dienstag, 11.05.2021

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Bullenparade mit "freudiger Erregtheit": 40 Tiere präsentieren sich online

Bereits zum zweiten Mal findet die Parade virtuell statt - 01.05.2021 06:00 Uhr

Stolz zeigen sich die Söhne von Hokuspokus und Nachkommen von Hurly bei der Bullenparade.

29.04.2021 © Foto: Besamungsverein Neustadt


Gemächlich setzt er einen Huf vor den anderen, lässt sich geduldig führen. Ab und an flutscht die Zunge aus dem Maul und fährt in eines der Nasenlöcher. Dann bleibt das Tier-Mensch-Gespann stehen. Schier stolz bringt sich der Bulle in Pose, scheint zu wissen, dass er sich nun bei der Bullenparade des Besamungsvereins Neustadt (BVN) präsentieren darf. Die sonst gut besuchte Veranstaltung muss 2021 erneut virtuell stattfinden: Über 40 Bullen zeigen sich in vorab aufgenommenen Videos von ihrer besten Seite.

"Die Bullenparade ist das Schaulaufen unserer Bullen, damit sich die Landwirte den für sie schönsten heraussuchen können", erklärt Andrea Hefner, Bereichsleiterin Tierzucht und Export des BVN. Neben den Zuchtwerten auf dem Papier würde auch das Aussehen zählen, "warum man sich in einen Bullen verliebt".

Neben Landwirten seien sonst auch viele Familien mit Kindern vor Ort, wie eine "kleine Kirchweih" sei das Event in Nicht-Corona-Zeiten. Coronabedingt muss es auch dieses Jahr rein digital stattfinden. Das Motto: "Jahr 1 am Franz-Ehrsam-Weg", denn mittlerweile sind alle Bullen an den neuen Standort des BVN umgezogen.

Beginn um 10.30 Uhr

33 Videos, in denen die besten Vererber aus Neustadt der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, erhielten im vergangenen Jahr über 230.000 Zugriffe. Pünktlich um 10.30 Uhr werden die Tiere am Samstag, 1. Mai, auf verschiedenen Kanälen zu begutachten sein, etwa auf den Plattformen Facebook, Instagram und Youtube sowie unter www.bvn-online.de. Auf eine Live-Übertragung verzichte man, wie Hefner erklärt, um zu verhindern, dass Landwirte doch den Weg zum eigens errichteten Präsentierring auf sich nehmen und so eine Ansammlung vorzubeugen. Der Online-Vorteil: Die Bullen seien so einem internationalem Publikum zugänglich. Sperma könne problemlos in alle Welt verschickt werden.

Ein Ereignis für die ganze Familie, wie auch eingesandte Bilder aus dem vergangenen Jahr zeigten. "Von den Jüngsten bis zu den Großeltern, vom Wohnzimmer bis zum Kuhstall erreichten uns Bilder", informiert Hefner, "damit die Damen im Stall quasi mit auswählen dürfen". Wer in diesem Jahr Bilder von der "Bullenparade dahoam" einsendet, kann sogar etwas gewinnen: Sperma im Umfang von 100 Portionen und Preise für Kinder. Durch die Sammlung der Bilder solle ein wenig Gemeinschaftsfeeling hergestellt werden, das Live-Publikum fehle.

Spannende Umgebung

Gerade für die jüngeren Tiere sei die neue Umgebung im Ring spannend. "Wo wollen die heute mit mir hin?", würden die sich wohl fragen, schätzt Hefner, eine "freudige Erregtheit"" sei das. Die älteren Bullen würden die Aufmerksamkeit durchaus genießen. "Die wissen schon, dass sie ein bisschen was Besonderes sind", sagt Hefner.

Zu Beginn werden am Samstag verschiedene zu Rassen zu sehen sein. Zwei bekannte Bullen der vergangenen Jahre, Hurly und Herzschlag, sind je mit einer Gruppe Nachkommen vertreten. Der meisteingesetzte Bulle des vergangenen Jahres, Orka, betritt mit den "Allroundbullen" Royal und Vlutlicht den Ring. Der hornlose Irregut war 2020 der Star und ist der "milchwertstärkste Bulle" der Rasse Fleckvieh.

Höhepunkt der Veranstaltung ist laut Hefner der neue Spitzenbulle Hokuspokus, der aus Binzwangen stammt. Seit über 20 Jahren kaufe Hefner nun Bullen ein, die Namenstaufe habe sie irgendwann den Züchtern und der BNV-Community überlassen, damit sie merken, "wie schwer es ist, einen Namen zu finden, den es noch nicht gibt".

Wunsch verewigt

In manchen Namen sei wohl auch der Wunsch verewigt, dass das Tier etwas Besonderes wird, beispielsweise Weltwunder, Sehrcool, Wonderland oder Mc Gyver – und manchmal scheint es auch so, als ob der Grundstein mit dem Namen gelegt werde. "Es freut einen aber schon, wenn tolle Bullen einen guten Namen kriegen." Und: Hokuspokus sei ja gerade jetzt ein passender Name, wo man sich öfter mal wünschen würde, zaubern zu können.

Auch der jüngste Bulle, der in diesem Jahr gezeigt wird, wurde vom Züchter benannt: Es ist der letzte Bulle des kürzlich verstorbenen Vorsitzenden Werner Wagner, ist hornlos, heißt IQ und ist mit knapp 15 Monaten rund 600 Kilogramm schwer. Zum Vergleich: Der älteste Bulle Royal mit fast zehn Jahren bringt 1500 Kilogramm auf die Waage. Das Gewicht unterscheide sich individuell nach Bulle, "beim ausgewachsenen Menschen sind ja auch manche 80 und andere 120 Kilogramm schwer".

ANNA FRANCK

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