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Mittwoch, 16.10.2019

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Bunter Haufen historischer Alphatiere beim Nachtwächtertreffen

Beim Treffen der Deutschen Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren gehören skurrile Anekdoten und Kostüme dazu. - 13.05.2019 16:20 Uhr

Gestatten, Nachtwächterin von Ludwigshafen und „Kättche vun de Palz“: Während sich Elke König (links) dem Publikum auf dem Bad Windsheimer Marktplatz vorstellt, schreitet Gildemeister Heinz Wellmann umher und die anderen Nachtwächter und Türmer lauschen gespannt. Foto: Stefan Blank © Foto: sb


Ein Dutzend historischer Schlüssel klappern am Gürtel. Gleich daneben hängen Humpen, Rufhorn und lederne Trinkflasche. Laterne und Hellebarde hält der mit schwarzem Umhang und Schlapphut gekleidete Nachtwächter zu Rees im Niederrhein fest in der Hand. "Wir bewahren Geschichte", sagte Wellmann. Seit neun Jahren ist er Gildemeister, kümmert sich um Treffen "und hält den bunten Haufen zusammen". In dieser Zeit sei die Gilde von 81 Mitgliedern auf 214 angewachsen. Zudem sei ein neuer Antrag zur Anerkennung als immaterielles Kulturerbe in Planung, verriet Wellmann. Geschichte werde durch Geschichten erlebbar und die Anekdoten seien "das Salz in der Suppe".

Nachtwächter hätten viel mehr gemacht, als nur für Sicherheit zu sorgen: Nach Bränden Ausschau halten, Türen kontrollieren und auch mal einen aus der Schänke torkelnden Betrunkenen nach Hause bringen. Führungen mit jedem Einzelnen – von der bunt und prunkvoll gekleideten Nachtwächterin Anna Glossner aus Berchtesgarden bis hin zum Nachtwächter zu Markkleeburg und Leipzig, Thomas Reininger und seinem Nachtwächtersweib Jutta sowie dem Türmer zu Kronach – seien "Zeitreisen" wie Elke König sagte. "Jeder hat sich tief in die Geschichte seiner Stadt reingegraben und erzählt nun, was gewesen ist, aber auch viele, viele Anekdoten und Hintergründe zu Redewendungen", sagte Wellmann.

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Zeitreise in Bad Windsheim: Das Treffen der Deutschen Nachtwächter

Am Samstag fand die Jahresversammlung der Deutschen Gilde der Nachtwächter Türmer und Figuren e.V. Region Süd statt. Zu dem Event gehörte ein Standkonzert des Spielmann- und Fanfahrenzuges der Wagnertanzgilde auf dem Marktplatz und eine Vorstellung der einzelnen Nachtwächter und Figuren am Marktplatz und ein Ökumenischer Gottesdienst in der Stadtkirche St. Kilian am Sonntag.


Begeistert waren sie von der historischen Altstadt der ehemaligen Freien Reichsstadt Windsheim und der nächtlichen Führung samt Vesper, kulinarischem Teil und Bier mit Heinrich Stiegler. Doch nie zu kurz kommen darf auch der Spaß. Wellmann: "Für uns, die wir vom flachen Land kommen, ist das hier Hochgebirge." Abends im Brauhaus sei viel gelacht worden und unzählige Gedichte und Witze erzählt worden. Natürlich stilecht im ganz eigenen Dialekt.

Wie lustig es mit den Nachtwächtern zugehen kann, wurde bei der Vorstellungsrunde von "25 Alphatieren", wie es Wellmann formulierte, auf dem Marktplatz, zu der auch Bürgermeister Bernhard Kisch und ExBundesminister Christian Schmidt sowie rund 130 Neugierige gekommen waren, deutlich. So begab sich eine Nachtwächterin auf Männersuche, weil ihr Mann ins Weinfass gefallen sei. Sie nahm dabei die Waden eines Besuchers unter die Lupe.

"Das waren schon ein paar skurrile Gestalten aller Coleur", sagte Bad Windsheims Zweiter Bürgermeister Rainer Volkert mit einem Lachen. Volkert selbst war im Wagnertanz-Kostüm dabei und zeigte den Gästen das Reichsstadtmuseum im Ochsenhof, ehe sie am Sonntagvormittag für die Gottesdienstbesucher von St. Kilian Spalier standen. Ab jetzt kümmert sich wieder ausschließlich Heinrich Stiegler um die Kurstadt, während die anderen Nachtwächter erneut ausströmten und mit beeindruckender Begeisterung von Leben, Wein und den Kuriositäten der Geschichte erzählen.

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