Burg Hoheneck: Generalsanierung steht noch aus

9.5.2021, 06:00 Uhr
Die beeindruckende, aktuell unterstützte Holzkonstruktion über dem Rittersaal hält die Stuckdecke des größten Seminarraumes der Burg.

Die beeindruckende, aktuell unterstützte Holzkonstruktion über dem Rittersaal hält die Stuckdecke des größten Seminarraumes der Burg. © Foto: Stefan Blank

Um die 16.000 Übernachtungen kommen in einem normalen Jahr in den insgesamt 80 Betten der Einzel- und Gruppenschlafzimmern der Burg zusammen, die 1132 erstmals in einer Stiftungsurkunde erwähnt wurde. Der einzige Seminarraum für größere Gruppen ist der Rittersaal, dessen Konstruktion Denkmalexperten laut Haagen in die Zeit eines Wiederaufbaus nach dem Dreißigjährigen Krieg verorten.

Im Dachstuhl wird die spezielle Technik der damaligen Zeit sichtbar. "Die Decke hängt an riesigen Tragbalken, es wurde genagelt und mit Zapfen verbunden", erklärt Haagen. Das Gewicht werde über Dachstuhl und Mauern abgeleitet. "Eine fantastische Konstruktion für diese Zeit", sagt er. Das Problem: Bis zu 13 Zentimeter hänge die Decke an bestimmten Stellen durch.

Um seit November im Dach arbeiten zu können, wurden Gerüst und provisorische Dachgaube angebaut, um alte, offenliegende Dämmwolle unter umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen zu entfernen. "Der Dachboden wurde entkernt", sagt Haagen mit einem Lachen. "Alles musste raus, um die Last rauszunehmen." Lehmwickel, welche die massiven Balken verbinden, Sandschüttung, Estrich. Aktuell laufen Gespräche mit Denkmalpflegern, wie die verschiedenen Schichten wieder stabil verbunden werden können. "Sodass sie die nächsten 100 bis 150 Jahre halten."

Rittersaal, Seminarräume, sind eines der Großprojekte, wie sie Simon Haagen nennt. Über allem stehe, die Burg zukunftsfähig zu machen. "Vor 30 Jahren war es noch so, dass ein Raum für eine Gruppe okay war, heute wünschen viele lieber einen großen und ein paar kleine Räume", erklärt Haagen. Der "nächstgrößte Seminarraum nach dem Rittersaal ist mit 25 Leuten schon gestopft voll."

Ebenfalls generalüberholt werden müssten "die Sanitärstandards allgemein" und die Bereiche Wasser, Abwasser und Strom. "Das Haus meldet sich, dass es in die Jahre kommt", formuliert es Simon Haagen. Von Barrierefreiheit noch gar nicht zu sprechen. Um die Großinvestition trotz klammer Finanzlage der Stadt Nürnberg stemmen zu können, sollen wie berichtet Gespräche mit dem Bezirk Mittelfranken und mit dem Freistaat zwecks Beteiligung geführt werden.

Ein Verkauf ist vom Tisch. Für Haagen eine sehr positive Entscheidung. Der Leiter der Jugendbildungsstätte bezeichnet das Verhältnis zur Stadt Nürnberg als Träger als "wunderbar". Es sei beachtlich, was die Stadt im laufenden Betrieb in die Burg gesteckt hätte, "obwohl wir so weit weg sind." So auch aktuell: Die Fassadensanierung ist in den letzten Zügen, Fensterläden sind in Rot und Weiß frisch gestrichen, der Rittersaal soll bis Ende es Jahres wieder auf Vordermann sein.

Darauf freuen sich neben den 35 Mitarbeitern auch wieder die Besucher, "von der Kindergartengruppe bis zum Aquarell-Malkurs für Senioren", wie Haagen sagt. Derzeit würden zwar Online-Seminare sehr gut angenommen werden, von Teilnehmern "von Kiel bis Berchtesgarden", doch "viele Gruppen lassen ihre Buchungen solange aufrecht wie möglich. Um sobald es erlaubt ist, wieder kommen zu dürfen." Es sei die Atmosphäre, das Eintauchen in die Burgwelt, die den Aufenthalt außergewöhnlich machen, sagt Haagen. "Es ist ein Traum, hier arbeiten zu dürfen." Schwierige Lage hin, offene Generalsanierung her.

Keine Kommentare