Sonntag, 15.12.2019

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Bürger aus Rappenau fürchten enorme Kosten

Kanalsanierung soll nächstes Jahr beginnen - 726.000 Euro berechnet - 03.08.2012 10:04 Uhr

Im Obernzenner Ortsteil Rappenau steht im nächsten Jahr die Sanierung der Ortskanäle an. Kosten von mehr als 725.000 Euro wurden von den Planern errechnet. © Helmut Meixner


Um dem Ansinnen Nachdruck zu verleihen, hatte am Mittwochabend nahezu jede der Familien zumindest einen Vertreter zur öffentlichen Sit­zung des Gemeinderates, in deren Mittelpunkt der „Kanalbau in Rappe­nau“ stand, entsandt. Eine Tatsache, die Bürgermeister Helmut Weiß be­grüßte. Zum einen, um einer, teils un­ter die Gürtellinie reichenden, Dis­kussion den Wind aus den Segeln zu nehmen, zum anderen aber auch, um noch einmal den aktuellen Stand der Dinge zu erläutern.

Knapp drei Stunden wurde so im Rathaussaal leidenschaftlich disku­tiert, wurden Fakten ausgetauscht. Deutlich machte dabei der, selbst in Rappenau beheimatete, Rathauschef: „Es sind gesetzliche Vorgaben, welche dieGemeinde zum Handeln zwingen.“

Keine Genehmigung mehr

Bevor die Fachleute vom Wasser­wirtschaftsamt in Ansbach und vom Planungsbüro das Wort ergriffen, schilderte Weiß die Ausgangslage: Für die im Jahr 1992 am Ortsausgang in Richtung Limbach gebaute Teich­kläranlage lag der Kommune eine auf 20 Jahre begrenzte Einleitgenehmi­gung vor.

Da die Einwohnerzahl des Dörfchens mit 150 Bürgern jenseits der maßgeblichen Zahl 100 liegt, wur­de die zum Jahresende 2011 ausgelau­fene Bewilligung vom Wasserwirt­schaftsamt nicht mehr verlängert. Ohne die Zusage der Gemeinde, den Kanal zu sanieren, hätten die zustän­digen Behörden keine Neubauten mehr in Rappenau genehmigt.

Verschiedene Systeme diskutiert

In Bürgerversammlungen wurden in der Folge diverse Möglichkeiten, das Abwassersystem zu sanieren, dis­kutiert und ausgelotet. Dabei sei nicht nur bei ihm, sondern auch bei seiner Stellvertreterin Renate Lau­denbach und Bauhofleiter Heinz Bischoff der Eindruck entstanden, dass die Mehrheit der Bürger dem Bau einer Trennwasserkanalisation den Vorzug gebe und dieser auch zu­stimme. Das in Nürnberg ansässige Planungsbüro Glückert wurde beauf­tragt, eine Kostenschätzung zu erstel­len. Dessen Mitarbeiter errechneten Kosten von rund 726.000 Euro mit Oberflächenwasserentsorgung, bezie­hungsweise 665.000 Euro ohne.

Bevor sich der Planer den finanziel­len Dingen widmete, nahm Stephan Wallrapp vom Wasserwirtschaftsamt die Gelegenheit wahr, die rechtlichen Grundlagen aus Sicht der Behörden darzulegen. Die Forderungen aus sei­nem Amt sind eindeutig: Bis Ende 2013 muss der Kanal, bis 2019 die Kläranlage saniert sein. Ob die Vor­gaben mittels Kleinkläranlagen oder anderweitig umgesetzt werden, liegt im Ermessen der Kommune.

Die Unterlagen sind den Wor­ten von Thomas Glückert zufolge zwischenzeitlich so weit gediehen, dass sie bei den Behörden eingereicht werden könnten. Eine Tatsache, die jedoch bei den Zahlen, mit welchen der Planer aufwartete, in den Hinter­grund rückte. Abhängig davon, wie die Sanierung des Kanalnetzes ausse­hen wird, müssen pro Anwesen durchschnittlich zwischen 14.300 Eu­ro und 16.500 Euro für die Maßnahme aufgebracht werden.

Erheblich belastet werden dabei nicht nur die Rappenauer Bürger son­dern auch der gemeindliche Haus­halt: Aus ihm müssen die Kosten für die Straßenentwässerung (53.000 Eu­ro) ebenso bestritten werden, wie je­ne rund 130.000 Euro, die im Zuge der Wiederherstellung der Ortsdurch­fahrt anfallen. Sie werden nach ei­nem einstimmigen Beschluss des Ge­meinderats, weil man in Egenhausen auch so gehandelt hat, freiwillig dem kommunalen Haushalt aufgebürdet.

Keine weiteren Schulden möglich

In Anbetracht dieser Zahlen forder­te Werner Bendheimer die Verant­wortlichen zu einem Umdenken bei der Finanzierung der Maßnahmen auf. Der Ortsprecher regte sowohl ei­ne Globalsatzung unter Einbeziehung aller Gemeindebürger als auch die Finanzierung des Projekts über Ge­bühren an. Dem setzte der Bürger­meister entgegen, dass der Marktge­meinde keine neue Schuldenaufnah­me seitens des Landratsamtes zuge­billigt würde.

Weiß erinnerte zudem daran, dass sich die Rappenauer beim Neubau ihrer Kläranlage im Jahr 1992 noch gegen eine Globalsatzung ausgesprochen hatten. Eine Entscheidung darüber, wie es in Rappenau weitergeht, soll in der nächsten Sitzung des Obernzenner Gemeinderates fallen. Sie wird vor­aussichtlich am 26. September statt­finden.

HELMUT MEIXNER

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