Mittwoch, 21.04.2021

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Chancen der Rotary Clubs in der Krise

Trotz Veränderungen durch die Pandemie halten der Rotary-Club Uffenheim und der E-Club 1950 an ihren Zielen fest. - 11.01.2021 07:03 Uhr

Gewissermaßen eine Video-Konferenz veranstaltete der E-Club der Rotarier im März 2020. Die virtuelle Weinprobe unter fachkundiger Begleitung stieß auf positive Resonanz bei den Mitgliedern

05.01.2021 © Roman Mollwitz


Ein Besuch von Charlotte Knobloch, der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, und ein Jugendcamp mit Jugendlichen aus Israel waren feste Größen bei den Planungen von Reiner Schmidt für sein Präsidentenjahr beim Rotary-Club Uffenheim. Lange im Vorfeld hatte er sich für das Thema Europa in Zeiten von Rechtspopulismus und Antisemitismus entschieden, doch als er im vergangenen Sommer Thomas Sighart an der Spitze des Clubs nachfolgte, war klar, dass die Termine nicht zu halten sein werden. Auf der anderen Seite bietet die Verlagerung auf digitale Veranstaltungen aus seiner Sicht auch Chancen.

Eine Verkostung von Wein und Schokolade in Form einer Videokonferenz, bei der neben dem Genuss der vorab verschickten Leckereien eine fachkundige Begleitung im Mittelpunkt stand, war für Reiner Schmidt eine solche Erfahrung. Obwohl der Termin digital stattfand, sei er von einer tollen Atmosphäre geprägt gewesen, sagt Schmidt, "das werden wir beibehalten". Neben der Geselligkeit diente der Termin dem ureigensten Ziel von Rotary, sich in die Gesellschaft einzubringen, denn die eingegangenen Spenden kommen sozialen Zwecken zugute. Was letzteres angeht, ist der Weinturmlauf das wichtigste Standbein des Rotary-Clubs, auch er konnte in virtueller Form die Erwartungen erfüllen.

"Das war ein tolles Erlebnis", sagt Schmidt und spricht dem Vorbereitungsteam seinen großen Dank aus. "Ganz toll umdisponiert" haben die Organisatoren, selbst aus den Vereinigten Staaten meldete sich ein Teilnehmer. Für den Präsidenten ist der gelungene Ablauf des Laufs eines der Beispiele dafür, dass die Pandemie nicht nur negative Begleiterscheinungen hat, "in jeder Krise steckt auch eine Chance". In welcher Form der Lauf heuer realisiert werden kann, steht nicht endgültig fest, die Vorbereitungen laufen, "das Team arbeitet schon intensiv daran."

Bei allen positiven Nebenaspekten, für die Clubmitglieder bedeutete die Pandemie im Frühjahr zunächst eine Umstellung, sagt Schmidt. Das System der wöchentlichen Präsenztreffen wurden geändert, bei der Wahl einer geeigneten Plattform brachte sich unter anderem Walter Kiel ein. Im Sommer konnte wieder verstärkt auf Präsenztreffen gesetzt werden, dann unter freiem Himmel, ehe es im Herbst zurück vor den heimischen Rechner ging. "Es hat sich eingespielt", findet Schmidt, ersetzen könnten Online-Treffen den direkten Austausch aber nicht. Eine Meinung, die auch Stephan von Galkowski vertritt. Er ist aktueller Präsident des Rotary-E-Clubs 1950. Vor mehr als acht Jahren gegründet, vereint dieser aktuell gut 40 Mitglieder aus Nordbayern und Teilen Thüringens, von vorneherein war er daher auf überwiegend Online-Treffen ausgelegt.

Online ist gelebte Praxis

Zu Gründerzeiten sei der Club zunächst etwas belächelt worden, erzählt Stephan von Galkowski, der Spruch, mit einem leeren Stuhl könne keine Freundschaft gepflegt werden, machte die Runde. Doch bewiesen die E-Club-Mitglieder in den vergangenen Jahren nicht nur, dass es trotz des großen Einzugsbereichs funktionieren kann. Im Frühjahr kam der E-Club besser mit dem Lockdown zurecht, da Online-Treffen ohnehin gelebte Praxis waren. Dennoch: "Rein online würde bei uns auch nicht gehen", gesteht von Galkowski, vor der Pandemie trafen sich die Mitglieder einmal im Monat an verschiedenen Orten, unter anderem gab es Satelliten-Meetings, um sich aufgeteilt auf Regionen austauschen zu können. Weggebrochen sind seit der Pandemie nicht nur sie, sondern auch sogenannte Hands-on-Projekte, je nach Bedarf wurde vor Ort angepackt und zuletzt im Raum Bamberg ein Schulgarten mitgestaltet, erzählt von Galkowski. Fürs erste ist geplant, überregionale Projekte zu pflegen, um weiterhin soziale Ausrufezeichen zu setzen.

Auch beim Rotary-Club Uffenheim stehen die Zeichen auf die Zukunft gerichtet, der Besuch von Charlotte Knobloch wurde in den Frühsommer verlegt, informiert Reiner Schmidt. Den Jugendaustausch hofft er, mittelfristig realisieren zu können. Ein weiteres Vorhaben richtet sich ebenfalls an Jugendliche, in Kooperation mit dem früheren Geschichtslehrer Ulrich Herz ist geplant, eine App zur jüdischen Geschichte in der Region zu entwickeln. In einer Art digitaler Stadtrallye könnte wichtige Lokalgeschichte vermittelt werden, für Reiner Schmidt könnte sich damit ein persönliches Anliegen erfüllen.

CHRISTINE BERGER

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