Keine Nachfolgerin in Sicht

Christkind auf Lebenszeit: Windsheimerin ist seit fünf Jahren im Amt

Anna Franck

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25.12.2021, 06:00 Uhr
Einmal Christkind sein: Diesen Traum hatte Annelie Jacob – hier mit Pferd Sullivan – schon immer ein wenig.
 

Einmal Christkind sein: Diesen Traum hatte Annelie Jacob – hier mit Pferd Sullivan – schon immer ein wenig.   © Privat

Sich überhaupt zu bewerben hatte damals ihr Vater angeleiert, sie könnte es doch einfach mal probieren, erzählt die Bad Windsheimerin. Gesagt, getan. Die Wahl der Jury fiel im Casting zunächst aber auf Franziska Fluhrer, der allerdings nicht bewusst war, dass sich das Amt auf zwei Jahre bezieht. Sie hätte es nur für eines übernehmen können. Schnell Annelie Jacob in den Saal des Kur- und Kongress-Centers zurückgeholt, musste diese erst einmal verstehen, was gerade passiert war. „Alle haben um den heißen Brei geredet“, erinnert sich Annelie Jacob. Also fragte sie: Bin ich jetzt wohl das Christkind? Ja, so war es. „Ich hab es erst nicht realisiert.“


Etwa zwei Monate später stand auch der erste öffentliche Auftritt vor der Tür: die Eröffnung des Reichsstädtischen Weihnachtsmarktes im Jahr 2017. „Ich hab mich gefreut, war aber mega nervös“, sagt Annelie Jacob. „Was kommt da auf mich zu?“, hatte sie sich damals gefragt. „Dann trittst du auf den Balkon des Rathauses, schaust runter und siehst so viele Menschen, so viele Kinder“, erzählt die 20-Jährige, „alle schauen dich an“.


Und alle warten auf das Christkind und natürlich auf den weihnachtlichen, traditionellen Prolog. „Dann hab’ ich begonnen und die Aufregung war weg, dann war ich drin und voll da“, erzählt Annelie Jacob. Das ist auch heute noch so. Im ersten Jahr sei alles neu gewesen. Danach wurde es routinierter. „Ab da wurde ich ruhiger, auch bei den Auftritten“, sagt die 20-Jährige. Sie habe ihren Rhythmus gefunden, habe zu einem bestimmten Zeitpunkt beispielsweise schon alle Autogrammkarten fertig.

Besondere Highlights

Neben den drei Eröffnungen des Weihnachtsmarktes zählt Annelie Jacob als „Pferdemensch“ besonders die Kutschfahrten zu ihren Highlights. Außerdem gehören Besuche von Kindergärten dazu. „Zu sehen, wie die Kinder sich auf einen freuen“, sagt sie, das sei überwältigend. So manches Kind stand schon sprachlos vor ihr, hat vor lauter Aufregung seinen Wunsch vergessen. Andere trauten sich nicht zu ihr, hatten Angst und versteckten sich hinter den Eltern.


Das Christkind treffen – darauf müssen Kinder in Corona-Zeiten verzichten, Jacobs Einsätze hielten sich in Grenzen. Bei einem Christkind-Telefon konnten beispielsweise 2020 Kinder ihre Wünsche bei ihr und Ex-Christkind Lena Moll loswerden. Außerdem wurden Karten an Seniorenheime verschickt, „da kamen auch welche zurück“. Heuer habe sie zum Beispiel ein Video mit Bürgermeister Jürgen Heckel gedreht. Öffentliche Auftritte gab es im vergangenen und auch in diesem nicht. „Schade“ für die Kinder, findet Annelie Jacob, „es ist nicht dasselbe“.


Ursprünglich hätte Jacobs Amtszeit nach zwei Jahren geendet, allerdings war keine Nachfolgerin in Sicht. Woran das liegt? Jacob schätzt, dass die Interessen der 16- bis 21-Jährigen heutzutage woanders liegen. „Gut für mich“, sagt die Bad Windsheimerin und lacht. Ist um 15 Uhr ein Termin und Jacob bekommt um 13 Uhr Bescheid, „dann bin ich da. Die können sich auf mich verlassen“, sagt die 20-Jährige, die derzeit eine Ausbildung bei Kybalion, Schule für Physiotherapie und Massage, absolviert.


Als „Christkind auf Lebenszeit“ hatte sie sich selbst einmal betitelt. „Das war schon als Gag gemeint, aber ein bissl Ernst war auch dabei. Ich würde es schon noch ein paar Jahre machen.“

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