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Sonntag, 17.01.2021

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Click & Collect: Ab heute auch wieder an der Ladentüre

Mehr und mehr Einzelhändler bauen ihren eigenen Internetshop auf, eine Initiative im Landkreis will das für alle ermöglichen. - 11.01.2021 06:00 Uhr

Daheim online aussuchen, liefern lassen oder abholen: Das ist auch bei mehr und mehr Händlern in Bad Windsheim möglich.

10.01.2021 © Foto: Claudia Lehner


– Online bestellen und liefern lassen. Das Geschäft boomt seit Jahren, zu Corona-Zeiten umso mehr. Die Einzelhändler fürchten die Konkurrenz, online kann aber auch eine Chance sein. Mit der Pandemie kommt nun manches in Gang. Einige weitere Einzelhändler haben in den vergangenen Monaten ihren eigenen Shop aufgebaut. Im Landkreis wird außerdem an einem gemeinsamen Shop gearbeitet. Positiv für die Einzelhändler: Ab heute dürfen sie auch Waren per Click & Collect verkaufen.

Ganz neu ist es auch im Landkreis nicht, als Einzelhändler online aktiv zu sein, das Schuhhaus Bierlein ist beispielsweise seit zwei Jahren an einem Onlineshop beteiligt. Taneshia Gehlmann hat wie berichtet vor kurzem einen Spielzeugladen in der Schwalbengasse eröffnet. Ihr Onlinegeschäft Lenosa hatte sie bereits zuvor. Gerade in der Pandemie haben Einzelhändler verstärkt auf online gesetzt. Wie Martin Rienecker, der einen Laden für E-Zigaretten an der Rothenburger Straße betreibt, oder Buchhändler Christian Finzel.

Um online etwas zu verkaufen, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Zum Beispiel das Angebot eines Großhändlers zu nutzen, der unter dem Namen des Geschäfts einen Online-Shop eröffnet und alles anbietet, was lieferbar ist. Der eigene Shop ist aufwändiger, bietet aber auch weitere Vorteile, gerade für die Kunden in der Umgebung. Wer zum Beispiel bei Sooke cloudfactory online nach Liquid für E-Zigaretten stöbert, findet genau das, was aktuell im Laden steht. Der Shop ist mit dem Warenwirtschaftssystem gekoppelt.

Die Buchhandlung Dorn gibt es gleich zweimal als Shop: als Angebot des Großhandels und mit dem eigenen Sortiment. Der Vorteil, gerade in Zeiten des Lockdowns: Das Produkt kann schon wenige Stunden, im Einzelfall 15 Minuten später an der Abholstation, beispielsweise der OMV-Tankstelle, sein. "Da kann Amazon nicht mithalten", sagt Finzel.

Auch per Telefon

Das gilt auch für das Liefern im 30-Kilometer-Umkreis beim Schuhhaus Bierlein. Dieses ist über eine Einkaufsvereinigung in einem Shop vertreten, gekoppelt mit dem eigenen Warenwirtschaftssystem. Der regionale Kunde kann direkt im Laden beispielsweise per Telefon bestellen und liefern lassen. Über den Shop ordern aber auch Kunden aus ganz Deutschland, sagt Eberhard Gurrath.

Abends auf dem Sofa den Einkauf zu planen und dann entweder online zu bestellen oder einfach zu wissen, dass das Gesuchte oder eine entsprechende Auswahl auch vorrätig ist – so denn die Läden wieder geöffnet haben. Das sieht Martin Rienecker als einen der Vorteile. Durch die niedrigen Ladenmieten sowie das Vertrauen, das man als Einzelhändler bei den Kunden aufgebaut habe, brauche man sich vor den großen Händlern nicht zu verstecken. Er sei durchaus mal günstiger beim Preis. Der Onlineshop laufe super. Es hat auch Kunden von weiter weg gewonnen.

Bei Finzel, der zwei Buchläden in der Kurstadt und einen in Neustadt betreibt, rufen die meisten Kunden immer noch im Laden an und bestellen in aktuellen Lockdownzeiten telefonisch. Doch hat auch er positive Erfahrungen mit dem eigenen Online-Shop gemacht. Es sei sogar vorgekommen, dass ein Kunde aus Berlin bei ihm bestellt hat, ein Buch, das woanders nicht zu haben war. An der Internetpräsenz will er weiter arbeiten. Nicht nur das Erstellen des Shops ist allerdings aufwendig. Er muss auch gepflegt werden, zum Beispiel, indem eigene Buchempfehlungen geschrieben werden, erklärt Finzel.

Kein Ersatz für normalen Umsatz

Den Verdienstausfall durch Corona kann online wohl bei den wenigsten ersetzen. "Ein Zubrot" nennt Gurrath den Shop. Er erreiche bei weitem nicht den Umsatz, den er sonst gemacht hätte. Er bemerkt aber auch, dass der Shop in Coronazeiten stärker genutzt wird und gerade über die Feiertage mehr bestellt wurde. Wichtig ist, dass die Kunden das Online-Angebot finden. Finzel wünscht sich deshalb einen digitalen Marktplatz. Einen Ort, wo regionale Angebote gebündelt werden. Daran arbeitet die Wirtschaftsvereinigung des Landkreises. Markus Löw, der aus Bad Windsheim stammt und in Neustadt eine Werbeagentur betreibt, ist Vorsitzender des Vereins. Die Idee geht über eine einfache Bündelung der Online-Angebote hinaus. Es soll einen gemeinsamen Shop geben, an dem sich auch kleine Läden mit wenigen Produkten beteiligen können. Erste Gespräche und positive Rückmeldung von den örtlichen Gewerbevereinen gebe es bereits, sagt Löw. Richtig in Gang kommen werde die Idee wohl erst nach dem Lockdown, wenn man sich mit den Ladenbesitzern treffen könne. Denn entscheidend für den Erfolg sei, dass viele mitmachen.

Auch nach Corona werden Online-Shops wohl bleiben. Zentral ist für die Händler aber weiter der Laden und der Kontakt mit den Kunden. Den vermissen sie sehr. Das betonen alle.

Ab heute gibt es eine weitere Möglichkeit an seine Waren zu kommen und damit zumindest Blickkontakt: Alle befragten Händler wie Uhren Schmidt oder Sisters Style beteiligen sich an Click & Collect, so dass die bestellten Waren – ob online oder per Telefon – am Eingang des Geschäfts abgeholt werden können.

CLAUDIA LEHNER BAD WINDSHEIM

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