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Samstag, 28.11.2020

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Corona im Seniorenheim: Warum dauerte es vier Tage bis zur Reihentestung?

Banges Warten auf neue Ergebnisse - 21.11.2020 06:00 Uhr

Steht aktuell unter Quarantäne: Das Seniorenpflegeheim der Hospitalstiftung.

20.11.2020 © Foto: Günter Blank


"Fünfzig ist total schlimm", sagt Jessica Leßmann angesichts der Zahl der Coronavirus-Infizierten Bewohner und Mitarbeiter des Pflegeheims der Hospitalstiftung. Daneben hat dessen Leiterin aber eine gute Nachricht: "Jetzt läuft es eigentlich ganz gut." Hinter Leßmann und ihrem "super Team" liegen zwei schwierige Wochen und noch gibt es keine Entwarnung, steht das Haus unter Quarantäne. Donnerstag hat das Gesundheitsamt eine zweite Reihentestung durchgeführt. Resultate erwartet Leßmann am Montag.

Was zuletzt in dem Pflegeheim geschah, war auch Gegenstand einer kurzen Debatte bei der öffentlichen Sitzung des Stadtrats. An deren Ende hatte Bürgermeister Jürgen Heckel vom ersten Corona-Toten in dem Heim berichtet, woraufhin Altbürgermeister Wolfgang Eckardt die Frage aufwarf, warum es vier Tage dauern konnte, bis eine Reihentestung in dem Heim durchgeführt wurde.

Mit dieser Fragestellung konfrontiert, erklärte Landratsamts-Pressesprecher Matthias Hirsch, das Gesundheitsamt habe bereits am Mittwoch, 11. November, Bewohner und Mitarbeiter, die Kontakt mit dem ersten Infizierten hatten, getestet und erste Isolierungen verfügt.

Erste Resultate

Donnerstag lagen erste Resultate vor und das Landratsamt informierte erstmals auf WZ-Nachfrage über die Ereignisse in dem Heim. Da gab es schon fünf bestätigte Fälle. Am selben Tag habe man die mobile Corona–Teststrecke "mit Dringlichkeit abgerufen" und damit schnell reagiert, sagte Hirsch. Leßmann schildert den Ablauf der Ereignisse in gleicher Weise.

Grundsätzlich könne es durchaus mal länger dauern, ehe eine Teststrecke am gewünschten Ort in Betrieb gehe, sagte Hirsch und erklärte dies damit, dass der Freistaat Bayern zur Durchführung derartiger Tests Rahmenverträge mit Unternehmen abgeschlossen habe. Bedarf werde vom Gesundheitsamt gemeldet, der genaue Zeitpunkt der Untersuchung liege auch in der Hand des Unternehmens.

Um gerade in sensiblen Bereichen wie Pflegeeinrichtungen mit ihren herausragend gefährdeten Bewohnern schneller und unabhängig von der Verfügbarkeit externer Tester reagieren zu können, sei der Ausbau eigener Testkapazitäten wichtig, bestätigt Hirsch. Mittlerweile sei man diesbezüglich besser aufgestellt. Wie berichtet, stehen dem Landratsamt inzwischen nicht nur zehn Bundeswehrangehörige zur Nachverfolgung von Kontaktpersonen zur Seite, sondern auch zwei Bundeswehrsanitäter, die Abstriche bei Testungen vornehmen. Man bemühe sich um weitere personelle Verstärkung, doch schon jetzt könne man sagen: "Wir sind wieder besser hinterher."

Nicht alles rund gelaufen

Gleichwohl ist im Falle der Hospitalstiftung zumindest zu Beginn des tragischen Geschehens wohl nicht alles so rund gelaufen, wie es hätte laufen können, wie die Rekonstruktion der Ereignisse zeigt.

Bereits am Montag, 9. November, habe Leßmann ihn "verzweifelt angerufen" mit der Bitte um Hilfe, sagte Bürgermeister Heckel bei der Sitzung: Es gebe einen Corona-Fall in der Einrichtung, doch sie versuche seit Stunden vergeblich, beim Gesundheitsamt in Neustadt durchzukommen, gab Heckel Leßmanns Aussage wieder. Eine Darstellung, welche diese gegenüber der WZ bestätigt. Heckel stellte Kontakt her, die Dinge nahmen ihren Lauf.

Am Dienstag, 10. November, informierte die Heimleitung die Angehörigen der Bewohner, Besucher wurden seither grundsätzlich nicht mehr eingelassen. Weil der am 14. November von dem Unternehmen 21 Dx, Eurofins durchgeführte Reihentest 49 positive Befunde ergab, wurde das Haus unter Quarantäne gestellt.

Besonders die Tage nach Bekanntwerden des ersten Falles stellten die Mitarbeiter des Pflegeheims vor große Herausforderungen, zumal es sich bei dem Betroffenen um einen hochgradig dementen Mann handelte, dem Maskenpflicht und Abstandsregeln nicht zu vermitteln seien, wie Leßmann sagt. Doch alle Mitarbeiter hätten vom ersten Tag an größte Umsicht an den Tag gelegt. Eventuell Erkrankte sollten zuhause bleiben, lautete zudem die Devise.

Die Entwicklung brachte es mit sich, dass mittlerweile selbst positiv Getestete aus dem Hospital-Team auf der Isolierstation mit infizierten Bewohnern arbeiten. Stand Freitag sind es jedoch nur noch zwei, die den Kraftakt unternehmen und täglich zwischen Arbeit auf besagter Station und Quarantäne daheim pendeln. Alle Mitarbeiter hätten eine spezielle Arbeitserlaubnis, sagt Leßmann. Vorgabe des Gesundheitsamts sei jedoch auch: "Wer eine Symptomatik zeigt, bleibt zuhause."

Nicht nur auf dem Landratsamt liegt also eine "sehr starke Last", wie Matthias Hirsch die Situation beschreibt. Gleiches lässt sich wohl für das Heim der Hospitalstiftung sagen. Leßmann jedenfalls ist "unendlich dankbar", weil ihre Mitarbeiter derart motiviert sind.

GÜNTER BLANKUND BASTIAN LAUER

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