Corona-Impfstand im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim: Von der Priorität zwei zur drei

26.4.2021, 19:00 Uhr
Impfzentrum in Bad Windsheim, Hausärzte, ab Mittwoch eine Impfstation in Uffenheim: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich impfen zu lassen.Foto: Harald Sippel

Impfzentrum in Bad Windsheim, Hausärzte, ab Mittwoch eine Impfstation in Uffenheim: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich impfen zu lassen.Foto: Harald Sippel © Foto: sip

Erst tutet es, dann wieder das Besetzt-Zeichen. Anruf Nummer sieben an diesem Morgen. Auflegen, erneut wählen. Diesmal die Warteschleife. "Derzeit sind alle Leitungen besetzt." Dann ist die Verbindung wieder weg. Wer die Impfhotline des Landkreises erreichen will, um sich zu registrieren oder nachzufragen, braucht Geduld. Der Bedarf an Impfungen ist groß und noch immer sind die Vakzine knapp.

26 797 Dosen sind seit Beginn der Impfungen Ende Dezember 2020 im Landkreis eingesetzt worden. Dies teilt sich in 20 068 Erst- und 6729 Zweitimpfungen auf. Zunächst waren nur von den Mitarbeitern des Impfzentrums die begehrten Spritzen gesetzt worden, seit April dürfen auch die Hausärzte impfen.

Stand Freitagabend haben laut Dr. Georg Deichhardt, Koordinierender Arzt für den Landkreis in der Corona-Krise, Hausärzte 4174 Impfungen durchgeführt. Nach der gleichen Priorisierung wie sie auch in den Impfzentren vorgenommen wird. Der Verwaltungsaufwand sei "sehr, sehr groß". Die in Frage kommenden Patienten müssen angerufen werden, erst dann erfahre man, ob die Person vielleicht schon geimpft ist und wieder gestrichen werden muss. Dennoch: "Wir würden Tag und Nacht und auch am Wochenende impfen, wenn es bloß den Impfstoff gäbe", sagt Deichhardt.

30 Dosen in dieser Woche

In dieser Woche gibt es pro Arztsitz – also pro Arzt, nicht pro Praxis – 30 Impfdosen Biontech, in der kommenden Woche soll es laut Deichhardt etwas mehr sein. Man könne am Dienstag maximal je 36 Dosen Biontech und Astrazeneca über Apotheken bestellen, was dann wirklich geliefert wird, erfahre man Mittwoch oder am Donnerstag. Deichhardt hatte auf mehr gehofft, war doch auch eine Lieferung des Vakzins von Johnson & Johnson in Aussicht gestellt worden. Doch dies wurde zurückgezogen.

In den Impfzentren kamen in den vergangenen zwei bis drei Wochen jeweils rund 1500 Impfdosen an, erklärt der Pressesprecher des Landratsamtes, Bastian Kallert, auf WZ- Nachfrage. Wie viel es in nächster Zeit sein werde, darüber wagt er keine Prognose. Was geliefert wird, werde recht kurzfristig mitgeteilt. Bisher habe es keinen signifikanten Zuwachs gegeben. "Wir hoffen natürlich", sagte er über die Aussicht auf mehr Vakzin in der Zukunft. Die Impfstoffe für die Arztpraxen sind nicht in den 1500 Dosen enthalten.

Neben dem Impfzentrum in Bad Windsheim wird nun wie berichtet eine temporäre Impfstation in Uffenheim eingerichtet. Sie geht am  Mittwoch, 28. April, in der Stadthalle in Betrieb. Dieses zeitlich begrenzte Angebot wird laut Pressemitteilung des Landratsamtes die nächsten Wochen sowohl für Impfungen als auch für Testungen zur Verfügung stehen. Für den ersten Betriebstag sind 90 Impftermine vereinbart. Weitere Termine sind bislang für Donnerstag und Freitag terminiert. Wer dort geimpft werden kann, werde kontaktiert. Termine speziell für Uffenheim auszumachen, sei nicht möglich.


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Dafür ist am Sonntag nach sechs Wochen der Betrieb der temporären Impfstation in der Neustadthalle in der Kreisstadt beendet worden. 3475 Impfungen wurden dort durchgeführt, im Juni sollen die Räume für Zweitimpfungen noch einmal genutzt werden. Für bis zu 300 Impfungen pro Tag hätten die Kapazitäten dort ausgereicht, doch so viel Vakzin gab es nicht.

Wenn auch nicht so schnell wie gewünscht, es geht voran mit dem Impfen. Man sei nun am Übergang von der Priorität zwei zur Priorität drei, erklärt Kallert. Das merke man daran, dass das Online-Registrierungssystem Bayimco schon die ersten Personen der dritten Priorisierungsstufe vorschlägt.

Menschen im Alter von über 60 Jahren, aber auch wer ein erhöhtes Risiko einer schweren Corona-Erkrankung hat, beispielsweise Personen mit einem Body-Mass-Index über 30, mit rheumatologischen Erkrankungen oder Herzinsuffizienz, können sich nun bald spritzen lassen. Polizisten, Menschen, die im Lebensmitteleinzelhandel arbeiten, und noch etliche mehr sind nun an der Reihe, ebenso die restlichen Lehrer – Beschäftige in Kindertagesstätten, Grund und Förderschulen waren mit Priorität zwei gelistet. Diese hätten laut Kallert im Landkreis alle zumindest die erste Impfung erhalten.


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In den Praxen sei derzeit das Impfen von Angehörigen von Pflegebedürftigen ein großes Thema, sagt Deichhardt. Jeder Pflegebedürftige habe Anspruch auf die Impfung von zwei Kontaktpersonen. Es gebe auf der Internetseite des Staatsministeriums für Gesundheit entsprechende Formulare. Ob nun Praxis oder Impfzentrum, es sei gut, sich im Vorfeld gut zu informieren, wie man eine entsprechende höhere Priorisierung nachweisen müsse, um beim Impftermin die Spritze erhalten zu können.

Nach der Priorität drei sind dann in der vierten Kategorie alle übrigen an der Reihe. Bei knapp über 100 000 Einwohnern gibt es angesichts von knapp 7000 Personen, die bereits den vollen Impfschutz genießen, noch viele, die auf eine Spritze warten. So schnell wird es den Mitarbeitern an der Impfhotline nicht langweilig. Sechs bis zehn Menschen nehmen laut Kallert an den Apparaten des Landratsamtes die Anrufe entgegen. "Die Hotline ist gut ausgelastet", fasst er es zusammen. Registrierung, Nachfragen, Beschwerden. Es gebe jede Art von Anrufen.

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